
Auch die Medientage München haben erneut gezeigt, dass Virtual Reality eines der größten Themen in der Medienentwicklung darstellt und noch darstellen wird. Während die Besucher im Erdgeschoss in der Schlange stehen, um die neue Technik auch selbst einmal auszuprobieren, läuft ein Stockwerk darüber die Diskussion im Panel 243: Ist Virtual Reality tatsächlich die Zukunft des Entertainments?
Arthur van Hoff, Gründer und CEO des Virtual Reality Content Providers Jaunt, stellt schon in seiner Einführung klar, dass VR definitiv unseren Medienkonsum in Bereichen wie Musik, Sport, Filmen, Werbung, Nachrichten und Reisen verändern wird. Das Panel sei also eher eine Frage nach dem „Wie“, als nach dem „Ob“. Van Hoff erklärt aber auch, dass VR bisher noch kein wirkliches Publikum hat. Nur wenige besitzen eine eigene VR-Brille und auch das Angebot an Inhalten ist noch sehr gering. Hier kommt sein Unternehmen Jaunt ins Spiel, das Inhalte, mit dem Fokus auf Cinematic VR Content, für User bereitstellt.
Auch Katharina Behrends, Geschäftsführerin von NBC Universal Deutschland, ist der Überzeugung, dass Virtual Reality uns noch lange beschäftigen wird. „Es wird auf keinen Fall eine Eintagsfliege sein“, sagt sie, mit Blick auf den aktuellen Hype, der sich um dieses Thema gebildet hat. Doch die Frage ist hier natürlich, wie lange wird dieser andauern?
VR steht im Moment praktisch an dem Punkt, an dem die Innovationstechnik 3D vor fünf Jahren stand. Wirklich erfolgreich war diese allerdings nicht. Wie soll man also abschätzen, ob die Etablierung von VR besser funktionieren wird? Das große Problem bei 3D sehen die Diskussionsteilnehmer in der damals übereilten Einführung der neuen Technik, bevor man diese wirklich optimieren hatte. Es ging nur darum sie so schnell wie möglich auf den Markt zu bringen und genau das, sollte nun bei VR vermieden werden.
Zunächst müssen sich also Gedanken darüber gemacht werden, welches Publikum man mit VR überhaupt erreichen will und welcher Content für dieses Format Sinn macht. Behrends sieht im Moment junge, technik-affine Männer als Hauptzielgruppe und genau das macht Anbietern wie Sky die Einbindung von VR-Content schwer. Alessandro Reitano, Vice President der Sportproduktion von Sky erklärt, dass sich die Zielgruppe ihrer Inhalte im Bereich der 40er befindet, während VR eher die jungen anspricht.
Am Beispiel von Sportübertragungen zeigen sich dann auch schon wieder die nächsten Probleme, denn diese sind mit VR kaum möglich. Natürlich ist es toll virtuell im Fußballstadion dabei zu sein, aber nur für einige Minuten und nicht über die gesamte Dauer des Spiels. 90 Minuten lang eine VR-Brille aufzusetzen ist im Moment noch zu viel für die Augen und auch das Aufnehmen selbst würde sich schwierig gestalten. Das Gefühl kann durch den fehlenden Zoom nicht aufgenommen werden: Die Zeitlupe des soeben gefallenen Tor, die Großaufnahme des euphorischen Gesichtsausdrucks des Spielers … Das alles geht mit VR verloren.
Daher kristallisiert sich aus der Diskussion auch relativ bald heraus, wofür VR denn nun wirklich sinnvoll ist und das ist der hybride Ansatz, also die Verbindung mit linearem Hauptcontent, dem die VR-Aufnahmen als Zusatzmaterial dienen. Damit sind z.B. Behind-The-Scenes Aufnahmen, Highlights eines längeren Ereignisses und so weiter gemeint. „Klar, kannst du dir für 50€ eine Karte für die erste Reihe auf einem Rihanna-Konzert kaufen. Aber ich bringe dich für 5€ dorthin. Sogar mehr: Ich bringe dich zu Rihanna auf die Bühne. Nehme dich mit Rihanna Backstage. Kann dich sogar mit Rihanna an einen Privatstrand bringen“, erklärt Arthur van Hoff, zur Belustigung der Zuhörer.
Aber er hat Recht, VR bietet uns tatsächlich all diese Möglichkeiten und kann den Nutzer an Orte bringen, von denen er bisher nur träumen konnte. Es ist ein Konzept, das zum Bewundern, aber ein Stück weit auch zum Gruseln ist. Realitätsverlust und Escapism sind hier die Stichwörter und wer weiß, ob sich eine solche Technik nicht auch zum Schlechten entwickeln könnte. Denn man sollte nie vergessen: So viel Reality auch darin steckt, sie bleibt eben immer noch Virtual.
Für das Movie-College berichtete Judith Stobbe
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