
Es brodelt in der Animationsbranche, seit die KI hier zum Jobkiller und Ideenräuber wird. Es war nur eine Frage der Zeit, wann generative KI auch in der Animation aus Gründen der Kostenersparnis zum Einsatz kommen würde. Im Frühjahr 2026 haben zwei große Player, Netflix und Amazon ihre Pläne bekanntgegeben, Programminhalte für ihre Plattformen mit Hilfe von KI herzustellen.
Amazon etwa hat für Prime Video drei Serien in Produktion, welche mit Hilfe von KI entstehen. Darunter "Punky Duck" und "Cupcake & Friends". Dies hat zu heftigen Diskussionen in der Branche geführt, nicht nur, weil die KI an dieser Stelle ein echter Jobkiller ist, bei dem nur noch ein kleiner Bruchteil der Animateure benötigt werden, die es bei den bisherigen Produktionsmethoden brauchte, hochwertige Animationsfilme herzustellen. Außerdem wurden in dem Zusammenhang Vorwürfe laut, Amazon habe für "Cupcake & Friends" die Animationsfigur "Good Advice Cupcake" ohne Einverständnis der Erfinderin der Figur, Loryn Brantz, verwendet. Die Schöpferin hat Ihre Bestürzung darüber auf X gepostet.
Der Ärger in der Branche ist groß und reicht bis hin zu Morddrohungen gegen einzelne Animationskünstler, die für Amazon oder Netflix mit KI animieren. Es ist nicht die einzige Branche, bei der Arbeitsplätze und Zukunftshoffnungen von Menschen durch Künstliche Intelligenz zunichte gemacht werden. Ob die Chancen oder die Nachteile durch KI überwiegen, lässt sich kaum quantifizieren, der Umbruch ist bereits in vollem Gange. Im Grunde genommen ist dies nur eine weitere Phase des Umbruchs in der Animationsbranche, der bereits vor Jahrzehnten mit dem Auslagern von Animationsaufgaben nach Asien, wo die Lohnkosten viel niedriger waren, begonnen hatte.
Routinearbeiten leicht automatisierbar
Vordergründig wird die Einbeziehung der KI in die Animation aktuell nicht als vollständiger Ersatz von Grafikkünstlern empfunden, doch es kann durch das Wegfallen einzelner Ausbildungsphasen irgendwann dazu führen, dass Zeichner weniger qualifiziert sein werden. Inzwischen wird die KI etwa bei Netflix und Amazon nicht mehr allein als Hilfsmittel für Storyboards oder Konzeptbilder verwendet, sondern für ganze Produktionsprozesse genutzt. Von Amazon wurde 2026 sogar ein eigener GenAI-Fonds aufgelegt.
Gerade die Animationsindustrie ist auf Grund vieler Teilaufgaben, die man als "Fleißarbeit" oder als Routinen bezeichnen könnte, besonders gefährdet, Aufgaben an die KI zu verlieren. In den Abläufen wie Charakterdesign, Concept Art, Storyboards, Layouts, Inbetweening, Coloring, Background Paintings, Previsualisierung bis hin zur Lippen-Synchronisation lässt sich vieles automatisiseren.
Erschaffene Monster
Es ist nicht so, als wenn Arbeitserleichterungen gerade bei zeitintensiven Routinen von allen Animationskünstlern abgelehnt werden. Es ist wie so oft in derartigen Prozessen auch die Frage, was Menschen aus den neuen Tools machen, die Animationskünstler fürchten also gar nicht unbedingt die Arbeits,- und Produktivitätshilfen, sondern die Auftraggeber wie Netflix und Amazon Studios.
Wenn solche einfacheren Aufgaben wie Cleanup, Inbetweening, Assistenzarbeiten und Layout-Anpassungen, die bisher beliebte Einstiegsjobs waren, wegfallen, verschwindet auch die Ausbildungsmöglichkeit aus der spätere routinierte Zeichenkünstler erwachsen. Außerdem bedient sich die Ki bekanntermaßen an all den bisherigen Werken anderer Künstler, es werden also gestalterische Ideen ohne Erlaubnis und Vergütung geraubt. Außerdem werden individuelle Zeichnstile immer seltener und ein typischer KI Look verwässert die visuellen Arbeiten. Viele Fragen sollten zukünftig geklärt werden, etwa die fehlende Transparenz bei Trainingsdaten der KI, die notwendige Zustimmung der Künstler, eine angemessene Vergütung bei Stilnutzung und ein genereller Schutz von Urheberrechten.
Reaktionen
Erste Künstler haben den Studios bereits den Rücken gekehrt. Wie so oft in derartigen disruptiven Prozessen hat das Thema mehrere Aspekte. Für die Betroffenen, deren Jobs ganz konkret gefährdet sind, wird die KI in der Animation zur Bedrohung.
Für Andere, die kleine Animationsprojekte wegen des enormen Personalaufwands nie stemmen konnten, bedeutet die KI eine enorme Demokratisierung, weil sie ihnen die professionellen Tools für die Herstellung auch ohne riesige Budgets zur Verfügung stellt. Junge Nachwuchskünstler können nun besser und produktiver ihre Vorstellungen sichtbar werden lassen.
Eingefleischte Fans protestieren gegen "seelenlose" KI Animationen und stärken den Kreativen den Rücken. Die Studios hingegen rechnen mit geringeren Kosten und höherem Output, also mehr Animationsfilmen in kürzerer Zeit. Es bleibt also schwierig, erste Animationsstudios arbeiten inzwischen mit Labels, dass ihre Filme ohne generative KI entstanden sind.
