
Licht-Legende
Warum Arris Apollo HMIs wahrscheinlich die erfolgreichsten Scheinwerfer des Unternehmens waren. Sie sind definitiv ein wichtiges Stück der jüngsten Filmgeschichte, ja geradezu eine Legende, jene frühen professionellen Tageslicht-Filmscheinwerfer, die Arri ab den 80er Jahren produzierte. Damit veränderten sie die Geschichte des Filmlichts. Die Technik des HMI Lichts (Hydrargyrum Medium-arc Iodide / Metallhalogenidlampe) mit einer Farbtemperatur von ungefähr 5600K (Tageslicht) war damals noch recht neu und revolutionierte die Lichtsetzung an Filmsets. Man bezeichnete sie recht schnell als "künstliche Sonne" und genau so wurden und werden sie auch eingesetzt.
Bei den Apollos handelt es sich um Stufenlinser (Fresnel), die einen schönen, weitgehend gleichmäßigen Lichtkegel erzeugen, die man mit einem Drehrad auf der Rückseite durch verschieben des Brenners im Verhältnis zum Reflektor fokussieren kann. Die Scheinwerfer im typischen blauen Arri Look gibt es in unterschiedlichsten Leistungen. 200W, 575W, 1.2 kW, 2.5 kW, 4 kW, 6 kW bis hin zu 18 kW. HMI typisch benötigen sie ein Vorschaltgerät (Ballast) welches die ersten Jahrzehnte magnetisch (schwer und bei anderen Bildfrequenzen als 24/25 B/sec nicht flickerfree), später kamen elektronische Vorschaltgeräte hinzu, die flickerfrei waren.

Es war wirklich eine Erfolgsstory, wie sich die blauen HMI Stufenlinser an un zähligen Filmsets weltweit bewährten und zuverlässig hervorragendes Tageslicht verbreiteten. Sie liefern genau das, was Filmleute sich an Filmsets wünschten, eine starke, überall einsetzbare Aufhellung des Sonnenlichts. Sie sind einfach Klassiker, ihr Licht hat absolut schönen Charakter, ist nicht klinisch technisch wie so mancher LED Scheinwerfer, sondern filmisch. Und bei Regen konnten sie notfalls, allerdings nur im eingeschalteten Zustand und mit wassergeschützen Verbindungskupplungen, trotzdem weiter verwendet werden, durch die Konstruktion war der Betrieb bei Regen.
Auf der Unterseite haben sie einen gebogenen Fuß aus Metall, auf dem man die Scheinwerfer abstellen kann. Dort wo der Bügel, an dem sich auch der Zapfen für die Stativaufnahme befindet, mit dem Gehäuse verbunden ist und wo man den Neigungswinkel des Scheinwerfers verstellen und arretieren kann, befinden sich links und rechts auch stabile Griffe. Sie helfen, insbesondere die größeren Leuchten, zu tragen und auf Stahl,- und Kurbelstativen zu befestigen.
Einsatzbereiche

Ihr Aufbau als Fresnel-Stufenlinser macht sie so vielseitig. Man kann das Licht weit in das Set hinein transportieren, kann es aber auch durch Frostrahmen oder gebounced über Styroporplatten oder schlich gegen weiße Wände oder Decken gerichtet, als weiches Grundlicht nutzen. Man kann die Filmsets gar nicht zählen, bei denen die Apollos Lokale, Wohnungen, Arztpraxen oder sonstige Sets mit künstlichem Sonnenlicht versorgt haben, indem sie, meist in der 2500 Watt Variante, Frostrahmen vor den Fenstern die Location erleuchtet haben. Oder aber sie haben, aus größerer Höhe und nachts, Straßenlaternen oder das Mondlicht immitiert. Gerade die 2500 Watt Apollos waren besonder häufig im Einsatz. Kein Wunder, denn notfalls kann man sie an einen normalen Haushalts-Stromkreis der mit 16 Ampere abgesichert ist, anschließen. Für größere Sets und viele Scheinwerfer brauchte man natürlich Baustrom oder einen Stromgenerator.
Wenig Ausfälle

Die Apollo-Reihe zeichnet sich durch außerordentliche Robustheit und Zuverlässigkeit aus. Weil sie so gut konstruiert und zuverlässig aufgebaut sind, gibt es eigentlich nur wenige mögliche Fehler oder Verschleißteile. Da ist neben dem Brenner, der natürlich wie bei fast allen klassischen Scheinwerfern nach einer gewissen Betriebsstundenzahl ausgetauscht werden muss, dann der Schalter am Vorschaltgerät, der leicht ersetzt werden kann und ein Sicherheitsschalter/Stift am Rand der Einfassung der Fresnel-Linse, welcher sicherstellt, dass der Scheinwerfer nur mit Fresnellinse betrieben wird, den man alle Jahrzehnte mal austauschen muss. Aber ansonsten sind die Scheinwerfer für die Ewigkeit gebaut. Das merkt man nicht zuletzt daran, dass sie auch heute noch zuverlässig an Filmsets arbeiten, auch wenn im Laufe der Zeit kompaktere Typen mit elektronischen Vorschaltgeräten auf den Markt kamen. Neu hergestellt wurden sie vermutlich bis Ende der 90er Jahre, so richtig lässt sich das nicht terminieren, weil Arri die Herstellung nicht einfach aufgehört hat. Nach und nach hat Arri die Apollos durch die Arrisun (PAR) ersetzt, es wurden aber auch Apollos parallel weiter hergestellt und überarbeitet. So gab es ab den 90ern auch Flickerfree-Vorschaltgeräte für diese Scheinwerfer. Außerdem waren sie so solide, dass die Besitzer der Apollos so schnell keine neuen Scheinwerfer mehr benötigten.
Man kann problemlos auch heute mit diesen Scheinwerfern große und kleine Filmsets ausleuchten. Und tatsächlich gibt es viele Kameraleute, die dieses Licht auch heute noch sehr gerne nutzen. Das hat auch mit der Größe der Scheinwerfer und den damit verbundenen großen Reflektoren zu tun,- das ist durchaus von Vorteil wenn es um die Lichtqualität geht. Kompaktere HMI Scheinwerfer liefern oft weniger ausgewogene Lichtkegel, Size matters.
Und weil sie so robust und zuverlässig gebaut sind, gilt: Wer also ein solides Arbeitsgerät sucht, welches ein großartiges und zugleich relativ stromeffizientes Licht erzeugt, kann die einstmals viele Tausend Euro kostenden Profi-Scheinwerfer heutzutage für kleines Geld auf den einschlägigen Versteigerungsbörsen erwerben.

