
In unserem Artikel zur Geschichte der Trailer sind wir bereits auf die Entwicklung der Film-Werbespots eingegangen und haben bereits einige Besonderheiten wie auch Klischees beleuchtet. In diesem Artikel soll es darum gehen, was einen guten, funktionierenden Trailer ausmacht.
Auch, wenn Trailer in der Regel einer bestimmten Formel und/oder einem Trend folgen, muss das nicht bedeuten, dass ein Trailer dieser Formel beziehungsweise diesem Trend entsprechen muss, um das Publikum zu erreichen. Eine Abwandlung kann natürlich auch interessant sein und sich je nach Film sogar anbieten. Für den Trailer des Extended-Cut von "Deadpool 2" (USA, 2018) schlüpfte Ryan Reynolds als der sprücheklopfende Möchtegern-X-Man in eine Bob Ross Parodie, um die Neuversion zu bewerben.
Aufbau
Prinzipiell funktionieren aktuelle Trailer - auch jeweils abhängig von ihrem Genre - nach gleichen Schemata, die sich etabliert haben. Zumeist funktionieren sie dabei nach der typischen Drei-Akt-Struktur, die aber für einen Trailer etwas anders abläuft als für bei einem Film.
- In der Regel startet dieser mit einem Cold-Opening - also einer Szene, die die Aufmerksamkeit des Zuschauers packen soll, indem sie etwa überrascht, unterhält, schockiert und schlichtweg neugierig macht.
- Was ist das für ein Film?
- Worum geht es? Die Antwort liefert meist nach einigen Logos dann der erste Akt, indem, beispielsweise durch Erklärungen aus dem Film, die wichtigsten Personen und Handlungsgegenstände eingeführt werden.
- Wer? Was? Wo? Eventuell auch warum?
Hier beginnt ein einführender Buildup, der zum Beispiel durch die klischeehaften einzelenen Piano-Noten beziehungsweise den Beginn eines Songs aufgebaut wird. Der zweite Akt zeigt das Problem, den Konflikt beziehungsweise Antagonisten, hier werden meist auch Musik und Schnitt, um die Spannung weiter zu erhöhen.
Zum Beispiel, indem hier eine Figur in einer Szene gezeigt wird, bei der sich der Zuschauer fragt ob und wie diese Person sich aus dieser Situation befreit. Der dritte Akt zeigt die dramatischsten/spektakulärsten Szenen, hier erreicht die Spannung ihren Höhepunkt - zum Beispiel durch einen Cliffhanger - der Zuschauer soll es nicht erwarten können, den kommenden Film zu sehen. Mit dem Titel und den Credits sinkt die Spannungskurve. Hier zeigen Trailer dann meist noch als Anhängsel, um den Trailer ausklingen zu lassen, meist einen Gag aus dem Film. Gelegentlich wird dieses Anhängsel aber auch nochmal genutzt, um etwas zu teasern und die Zuschauer hinten raus nochmal zu überraschen. Marvel macht das zum Beispiel häufiger, wenn sie eine bestimmte Figur, die nicht im eigentlichen Trailer zu sehen war, in diesen kurzen Teaser zu packen. Teaser sind übrigens auch längst ein eigenes Tool - oft ein Trailer für den Trailer, die auf den Trailer neugierig machen soll, der wiederum auf den Film neugierig machen soll.
Große Blockbuster bedienen sich dieser Häppchen-Strategie, um langsam den Hype ins Rollen zu bringen, Spekulationen anzufachen und natürlich auch, um so mehr Zuschauer auf den Trailer aufmerksam zu machen und so insgesamt ein möglichst großes Publikum zu finden. Mitunter sind solche Teaser oder auch Countdowns als Mini-Montage vor den eigentlichen Trailern. Sie sollen einen Vorgeschmack geben - quasi ein kleiner Spoiler für den Trailer selbst und dienen im Vorfeld als Anfixer.
In der Praxis
Das war jetzt natürlich erstmal viel Theorie. Anhand einiger Beispiele kann die Trailer-Drei-Akt-Struktur analysiert werden. Nehmen wir dafür etwa den neuesten Trailer zu Zach Creggers kommendem Horror-Film "Resident Evil" (USA, 2026):
Wir starten mit einem Cold-Opening, in welchem ein Lieferfahrer durch ein Krankenhaus stolpert und den Adressaten einer Leber sucht. Der Krankenhausbetrieb wirkt noch normal, doch der Blick in ein Patientenzimmer nimmt bereits vorweg, dass das nicht so bleiben wird. Der Lieferfahrer erhält einen weiteren Auftrag, den er widerwillig annimmt. Das Cold-Opening führt hier den Protagonisten ein, setzt den Ton, für den kommenden Trailer (und Film), bereitet den Kontext für das Folgende vo und schafft durch die Musik sowie den Blick in das Patientenzimmer Spannung - der Zuschauer ahnt bereits, dasss hier etwas gehörig falsch läuft. Es folgen Logos. Anschließend befinden wir uns im ersten Akt des Trailers, in den uns das Cold-Opening überleitet.
Der Protagonist streitet sich mit seiner Freundin am Telefon, während er durch die verschneite Landschaft brettert und dabei unachtsam eine - nicht mehr ganz gesund aussehende Person - überfährt, die die Straße überquert. Beim Blick in die Rückspiegel zeigt der Trailer dem Zuschauer kreativ Zach Creggers Credits. Anschließend verlässt der Lieferfahrer das Auto und sieht Fußspuren im Schnee. Der Soundtrack nimmt an Intensität zu, das Auffinden der überfahrenen Person ist ein Beat, an dem sich auch der Soundtrackrhythmus verändert. Ein Klopfsound wird unterlegt, der zur Intensität beiträgt, ein subtiler Riser-Soundeffekt setzt ein, der mit dem Erblicken eines Hauses seinen Höhepunkt erreicht. Der Klopfsound dient dabei als ein montageartiger Übergang, der in den zweiten Akt überleitet, in welchem der Protagonist an die Tür des Hauses klopft. Im Haus werden Musik und Schnitt schneller.
Im Schnelldurchlauf zeigt der Trailer wie die Hauptfigur das Haus erkundet, das wohl fluchtartig verlassen wurde, während wir aus dem Off hören, wie der Protagonist mit dem Telefon im Haus seine Freundin zurückruft. Mit dem Vernehmen eines dumpfen Geräuschs und der Entdeckung eines Gewehrs setzt der nächste Beat ein. Auf der Suche nach Munition sieht der Protagonist, dass das Unfallopfer "quicklebendig" auf das Haus zurennt. Das erneute Klingeln des Telefons erschreckt die Hauptfigur, die dadurch abgelenkt wird. Beim Blick zurück zum Fenster wird mit einer Texttafel zum Datum in den dritten Akt übergeleitet.
Hier erreicht der Trailer seine höchste Intensität, was durch das Wummern des Soundtracks unterstrichen wird. Das Klingeln des Telefons wird hier montageartig und bedrohlich über einen Zusammenschnitt von Highlights und der weiteren Reise des unfreiwilligen Helden gelegt. Eine noch unbekannte Figur erklärt dem Protagonisten ominös, was vor sich geht. Schnitt, Sound und Musik werden schneller und der Akt endet mit der Titlecard. Der Abspann führt uns zurück zum ruhigeren Anfang des Trailers, nun ohne musikalische Untermalung, an dem der Protagonist noch zuversichtlich ist, dass seine Aufgabe eine leichte wird.
Zusammengefasst haben wir hier also innerhalb des Trailers eine eigene Geschichte, die nachvollziehbar den kommenden Weg des Protagonisten aufzeigt. Wir sehen, wer er ist, wo er beginnt, sehen ausführlich einen großen Teil des ersten Aktes des Films, der uns in die Welt und die Situation einführt und warum sich die Figur in dieser befindet. Schließlich erhalten wir einen Ausblick auf den weiteren Verlauf des Films, ohne aber das Schicksal des Protagonisten vorwegzunehmen.
Qualitätsfragen
Nun stellt sich natürlich die Frage, ob der Trailer gelungen ist. Diese Frage objektiv zu beantworten, ist nicht ganz einfach. Dabei ist auch zu beachten, dass der Trailer erstmal für sich steht. Ganz unabhängig von der Qualität des Films ist er dabei aber natürlich auch nicht - denn er präsentiert diesen ja. Manch ein Trailer kann eventuell die inhaltliche, wohl aber nicht die technische Qualität (zu einem gewissen Grad) verbergen. Sind etwa schlechte digitale Effekte im Trailer, lässt das Rückschlüsse auf den Film zu, die das Interesse schmälern können. Der Trailer zur Spieleverfilmung "Resident Evil" ist technisch einwandfrei, in sich spannend und nachvollziehbar, er gibt dem Zuschauer einen Vorgeschmack auf den Film und gibt ihm die wichtigsten Informationen ohne dabei zu viel vorweg zu nehmen. Beispielsweise lässt der Trailer offen, wie die Spannung am Ende des ersten Aktes in dem verlassenen Haus aufgelöst wird. Er teasert noch größere Bedrohungen an und er weckt das Interesse des Zuschauers an dem Schicksal der Hauptfigur sowie dem Grund für das ganze Chaos. Dabei versteht der Trailer es, beispielsweise durch die angesprochenen Montagen, einen roten Faden zu spinnen, anhand dessen der Trailer dynamisch und unterhaltsam abläuft und Spannung aufbaut.
Natürlich gibt es weltweit eine Reihe von Editor*Innen die sich auf den Trailerschnitt spezialisiert haben und die deshalb in diesem Bereich sehr gefragt sind. Es gibt sie sowohl im Kinobereich als auch bei Streamern und Fernsehsendern, bei denen der Trailerschnitt aber eher Pflichtprogramm ist, während es im Kinobereich regelrechte Stars unter den Trailor-Editoren gibt.
Gibt es schlechte Trailer?
Auch diese Frage lässt sich nicht in Gänze objektiv beantworten. Anhand des positiven Beispiels gibt es allerdings Anhaltspunkte. Da es zumeist ja mehrere Trailer zu einem Film gibt, sollte darauf geachtet werden, dass jeder Trailer neugierig macht ohne zu viel Vorweg zu nehmen oder andere Trailer zu spoilern. Auch sollten diese tonal einheitlich gehalten werden, um den Zuschauer nicht zu verwirren. Ein Beispiel hierfür liefert der im anderen Trailer-Artikel angesprochene "Suicide Squad" (USA, 2016), für den zunächst ein deutlich düsterer Ton angedacht war - was auch der erste Trailer zum Film zeigt. Da sich das Studio schließlich inmitten der Produktion umentschied und einen massentauglicheren Film daraus machen wollte, sind spätere Trailer deutlich poppiger. Diese Trailer standen schließlich auch in der Kritik, einen ganz anderen Film beworben zu haben - da etwa viele Szenen aus den Trailern fehlten. Ein Trailer, der falsche Erwartungen weckt, kann die Bewertung eines Films drastisch beeinflussen und sollte vermieden werden - dabei darf aber auch nicht vergessen werden, dass ein Trailer ja erstmal nur das Ziel hat, auf einen Film aufmerksam zu machen und möglichst viele Leute zur Sichtung dessen zu bewegen. Erreicht ein entsprechender Trailer das, kann er als erfolgreich angesehen werden, unabhängig seines Wahrheitsgehalts.
Für die Reputation des Films und damit auch das Zeitfenster nach dem Start ist das aber wie gesagt schädlich und nicht empfehlenswert. Ein weiteres Beispiel für einen schlechten Trailer liefert etwa der für den billigen Horror-Trash "Amityville Backrooms" (USA, 2024). Nicht nur zeigt der Trailer einen qualitativ unterirdischen Film, sondern er vermittelt viel zu wenig Informationen - nicht, dass der Film viele in dieser Hinsicht hergibt. Zu bedrohlichen Klängen sehen wir lediglich einige Innenaufnahmen aus dem Haus und erfahren dabei weder, was hier passiert, warum oder wem - nicht mal eine Hauptfigur wird hier ersichtlich. Der Trailer reiht lediglich einige langweilige und nichtssagende Szenen aneinander - ohne einen roten Faden, ohne Spannung und Dynamik. Es ist ein öder, nichtssagender Trailer, bei dem man sich lediglich fragt, warum man sich diesen Film antun sollte.
Ich habe mir diesen Film tatsächlich angetan - die Kritik gibt es demnächst hier. Ein guter Trailer benötigt natürlich erstmal auch einen Film - damit dieser bestenfalls ebenso gut wird, findet ihr hier im Movie-College jede Menge Artikel über die Grundlagen des Filmemachens.
