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Gate eines Filmscanners

Gate eines Blackmagic Cintel Filmscanners, hier mit analogem 35mm Farbnegativfilm

 

Transformation

Noch immer ist ein großer Teil an analog auf Film gedrehten Aufnahmen nicht digitalisiert und damit praktisch nicht verfügbar. Um diese Filmaufnahmen oder Filme zu Dateien werden zu lassen, benötigt man Filmabtaster oder für höhere Qualität Filmscanner. Diese arbeiten vom Prinzip her ähnlich, wie Negativ,- oder Diascanner, allerdings macht es einen gewaltigen Unterschied ob man nur einzelne Fotos oder tausende an Einzelbildern digitalisiseren möchte. Deshalb ist die Mechanik, der präzise Transport der Filmrollen von größter Bedeutung.

Früher waren sie so groß wie Küchenzeilen, inzwischen sind professionelle Filmscanner kompakter und auch preiswerter geworden. Sie arbeiten im Gegensatz zu sogenannten Filmabtastern meistens nicht in Echtzeit, sondern lassen sich etwas mehr Zeit beim Übertragen der analogen Filmbilder in ein analoges (früher) bzw. digitales (heute) Signal: Dadurch erzielen sie eine höhere Auflösung und Bildqualität und können auch in Sachen Dynamikumfang durchaus punkten. Tatsächlich werden vermutlich weltweit nicht so große Mengen an Filmscannern benötigt, deshalb sind sie auch nicht wie Consumer-Massenware günstig zu haben, sondern eher teuer.

 

Präzisionstechnik

Umlaufrollen bei einem Filmscanner

Transport / Umlenkrollen eines Blackmagic Cintel Filmscanners mit 35mm Farbnegativfilm

 

Es gibt in dem Zusammenhang eine Reihe von Herausforderungen, welche sowohl mechanisches, als auch chemisches und elektronisches Knowhow erfordern. So muss der Filmtransport absolut schonend vonstatten gehen, die Umlenkrollen über die der Filmstreifen läuft, dürfen keine Schrammen verursachen und erst recht nicht die Perforation des Filmmaterials beeinträchtigen. Häufig sind die Perforationen gerade bei historischem Material bereits vorgeschädigt, geschrumpft oder auch eingerissen, deshalb gibt es auch Scanner, welche den Film ohne Zahnkranz transportieren, also ohne dass einzelne kleine Metallpins in die Perforation greifen und diese weitertransportieren. Hierfür werden oft Capstan Antriebe verwendet. Entscheidend ist, dass jedes einzelne Filmbild exakt an der gleichen Position eingescannt ist, der sogenannte Bildstrich zwischen den Filmbildern immer übereinstimmt. Der Filmklassiker "Münchhausen" aus dem Jahre 1943"Münchhausen" aus dem Jahre 1943 (Regie: Josef von Baky) etwa wurde mit einem Arriscanner digitalisisert und aufwändig digital restauriert.

Außerdem kann das Material Staubpartikel aufweisen, kann verschmutzt sein. Dafür gibt es nicht nur Reinigungsgeräte, die mit Luft und/oder Ultraschall Prtikel entfernen oder Reinigung durch Particle Transfer Rollers, es gibt aber auch sogenannte Wetgates, welche beim Bildfenster, also dort wo der eigentliche Scanvorgang stattfindet, das Filmbild in eine Spezialflüssigkeit tauchen. Diese Flüssigkeit hat die gleiche Lichtbrechungseigenschaften wie das Trägermaterial des Films (Acetat, Nitrozellulose oder Polyester) und füllt damit mögliche Schrammen aus, die dadurch unsichtbar werden.

Auf der elektronischen Seite müssen hervorragende Scansysteme, Sensoren und schnelle Prozessoren zum Einsatz kommen um optimate Ergebnisse zu erzielen. Dafür kommen teilweise auch Spitzen Sensoren zum Einsatz wie sie in hochwertigen Mirrorless Kameras verbaut werden. Und auch auf die verwendete Software und die Codecs kommt es an.

Intelligente Software bietet heute Features wie

  • Video Noise Reduction
  • Automatic Scene Detection & Timeline
  • Automatic White Balance
  • Automatic Level Control
  • Autofocus

Wenn manchmal zu lesen ist, der analoge Film habe 15 etwa Blendenstufen Dynamikumfang, so ist das eigentlich nur die technische Begrenzung der meisten Scannersysteme. Wenn jedes Filmbild nämlich doppelt eingescannt wird und einmal die dunkleren Bereiche und einmal die helleren Bereiche eingescannt werden, beträgt der maximale Dynamikumfang je nach Material bis zu 24 Blendenstufen.

 

Formate

Viele Scanner sind in der Lage, durch Auswechseln von Umlenkrollen und Gate verschiedenste Filmformate zu bedienen. Das macht Sinn, weil es im Verlauf der Filmgeschichte neben dem Standard 35mm noch diverse andere Formate gegeben hat. So wurden Filmaufnahmen auch auf 8mm / Super 8mm / Doppel 8mm / 9.5 mm / 16mm / Super 16mm / 35mm / 65 mm / 70 mm hergestellt. Tatsächlich gibt es eine Reihe von Filmscannern, die fast all diese Formate in einem Gerät verarbeiten können. Häufig bieten sie auch ein erweitertes Scanfeld an, den sogenannten Overscan, der die gesammten Filmbreite rund um das einzelne Bild erfasst, also auch die Perforation. dann kann man den Bildausschnitt per Software präzise festlegen. Außerdem sind einige Scanner auch in der Lage, den Ton, etwa Lichttonspuren oder Magnettonspuren mit abzunehmen. Was die Auflösung angeht, so gibt es von HD bis zu 12 K eine große Bandbreite an Leistungsvarianten, wobei die hohen Auflösungen nur bei 65 und 70mm überhaupt Sinn machen, denn die Auflösung bei analogem 35mm Film liegt beim Sacan von Filmkopien bei eher 3,5 K und beim Scan vom Originalnegativ bei 6-7 K.

 

Spezialtechnik

Gesamtansicht eines Blackmagic Cintel Filmscanners

 

Viele der Techniken, die hinter den Filmscannern stehen, sind patentrechtlich geschützt, trotzdem gibt es eine gewisse Bandbreite an Anbietern, die solche Filmscanner herstellen. Die meisten solchen Geräte stammen von Firmen, die schon sehr lange im Fernsehgeschäft tätig sind, wie Arri, Blackmagic, Sondor, Debrie, oder Lasergraphics, denn für das Fernsehen wurden Filmabtastungen und Scans vor allem benötigt. Und es gibt auch Firmen wie MWA, die früher Perfomaschinen für den synchronen analogen Filmton hergestellt hatten und später dann das Maschinen,- und Steuerungsdesign genutzt haben um auf der Basis Filmabtaster zu bauen.

Es gibt aber auch kleinere Firmen und es gibt oder gab auch ein Open Source Projekte wie das von Kinograph. Das hängt natürlich mit den enormen Anschaffungspreisen der kommerziellen Filmscanner zusammen, deshalb haben viele Anwender weltweit versucht, hochwertige Scanner selber zu konstruieren bzw. aus vorhandenen Teilen und Teilen aus 3D Druckern zu bauen. Aber vorsicht,- das ist kein kleiner Spaziergang, sondern richtig aufwändig.

Mehr Infos zum DIY Projekt findet Ihr hier: 

  • https://www.instructables.com/Kinograph-v01-DIY-Film-Scanner/
  • https://www.facebook.com/kinographCC/

 

Kommerzielle Anbieter

  • ARRI,  Model: ARRISCAN (35mm / 16mm / S16mm) Auflösung: 2K / 4K / 6K
  • Cuimaging, Axion Scanner (16mm & Super 8)
  • Cintel, Model: Blackmagic Design (35mm / 16mm / S16mm) Auflösung: 2K und 4K
  • Digital Vision, Model: Golden Eye (70mm / 35mm / 16mm / S8mm) Auflösung: SD / HD / 2K / 4K
  • DFT, Model: DFT POLAR HQ (8mm, S16/16mm, S35mm/35mm) Auflösungen bis 8 K
  • Filmic, Model: EZ16 (16mm, S8mm) Auflösung:: 5328 x 4600, 2448 x 2048
  • Sondor - Model Altra (35mm / 16mm) Auflösung: n.n.
  • Lasergraphics / Archivist (8mm / Super 8mm / Double 8mm / 16mm / Super 16mm / 35mm) Auflösung: 1.25K, 2.5K, oder 5K
  • Lasergraphics / Model: Director 10K (8mm / 16mm / Super 16mm / 35mm / 65/70mm 95-perf) 5K und 10 K
  • MWA Nova, Flashscan  (S8mm / 16mm) Auflösung: HD

 

Hier ein Video zum Cuimaging Axion Filmscanner, der mit 18.000 USD einer der preiswerteren  kommerziellen Filmscanner ist.

 

 

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