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Four Sheets To The Wind USA 2007 REGIE: Sterlin Harjo DARSTELLER: Cody Lightning, Jeri Arredondo, Tamara Podemski, Laura Bailey |
American Independents
Regie: Sterlin Harjo
Cufes Vater hat sich umgebracht. Dessen notorischer Schweigsamkeit wegen weiß niemand so recht, was in ihm vorgegangen ist. Die Familie bleibt ratlos zurück. Nach einigen Turbulenzen um die Beerdigung des Toten verlässt Cufe das Haus der Mutter, um seine Schwester in Tulsa City zu besuchen. Diese Veränderung wird allen dreien helfen, ihre Vergangenheit und Zukunft zu reflektieren und ordnen.
Ebenso wie beim korsischen Festivalsbeitrag "Sempre vivu!" übernimmt in "Four sheets to the wind" der gleich zu Beginn verstorbene Vater die Rolle eines Erzählers, was aber die einzige Ähnlichkeit zwischen den Filmen bleibt. Auch die Tatsache, dass Sterling Harjos Erstlingswerk ein indianischer Film ist, spielt nur begrenzt eine Rolle. Zwar gibt es ein paar beißend komische, aber nie zynische Darstellungen von "positivem Rassismus" und ein paar Einblicke in das alltägliche Leben in einem Reservat in Oklahoma, aber dies alles ist für uns nicht viel fremder als das alltägliche Leben eines weißen Angloamerikaners in Texas oder Montana.
Harjos erzählt eine kleine, universelle Geschichte von Familie und Tod, Verzweiflung und Liebe. Sie tut es ohne Pathos und Eifer, dafür aber mit viel Humor und guter Musik. Manche mögen dem Film, trotz dramatischer Ereignisse, einen Mangel an innerer Spannung oder Antrieb vorwerfen. Diese relative Ereignislosigkeit macht der Film jedoch durch emotionale Nähe und Sympathie für seine Figuren mehr als wett. Was hier erzählt wird, ist Wahrheit. Natürlich hat Harjos den im Film zitierten Rat der Großmutter befolgt und hier und dort etwas übertrieben, wir, die Zuschauer, sollen schließlich etwas lernen. Sie stilisiert eben nur sehr behutsam, so dass wir uns sofort wieder finden können in diesem jungen Indianer, seiner in der Großstadt um Halt kämpfenden Schwester oder in der die Einsamkeit fürchtenden Mutter. Der Film zeigt Dinge, die jeder kennt, doch aus einer ungewohnten Perspektive, unaufgeregt, ohne Vorwurf, dafür mit viel Herzlichkeit und Charme. "Four sheets to the wind" ist kein grandioser Film oder ein Meilenstein der Kinogeschichte. Er hat Fehler, Ecken und Kanten. Aber es ist ein schöner Film, der uns mit ein bisschen Glück etwas weiser entlässt, als wir hineingegangen sind.
Gesehen von Georg Göttlich
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Foxcatcher (USA, 132 Minuten) Regie: Bennett Miller Writers: E. Max Frye, Dan Futterman Stars: Channing Tatum, Steve Carell, Mark Ruffalo, Vanessa Redgrave |
(USA, 132 Minuten)
Regie: Bennett Miller
Writers: E. Max Frye, Dan Futterman
Stars: Channing Tatum, Steve Carell, Mark Ruffalo, Vanessa Redgrave
Bennett Miller, Regisseur des Films, hat ein Talent. Er bringt dem Zuschauer Menschen nahe, die geschichtlich missverstanden wurden. Nach CAPOTE (2005) und MONEYBALL (2011) erscheint dieses Jahr sein drittes autobiographisches Feature FOXCATCHER. Es feiert Premiere in Cannes und ist einer der 17 Filme in der diesjährigen "Compétition".
In dem Film geht es um die Beziehung zwischen dem exzentrischen Milliardär John du Pont (gespielt von Steve Carell) und den Ringer-Brüdern Mark (Channing Tatum) und Dave Schultz (Mark Rufallo). Die Geschichte basiert auf wahren Begebenheiten. Nach dem olympischen Sieg 1984 in Los Angeles fällt Mark Schultz in ein Tief. Er hängt nur noch in seinem versifften Apartment rum, starrt seine alten Medaillen an und versucht, das Interesse an Sport bei jungen Gymnasiasten zu wecken. Sein großer Bruder Dave hat ebenfalls Gold im Ringen gewonnen und unterstützt ihn bei seinem täglichen Training. Dieser wohnt in Colorado mit seiner Frau und seinen Kindern und führt ein recht ausgeglichenes Leben. Mark, der von Grund auf emotional verkrampft ist, sieht sich als Schattenfigur seines großen Bruders und wünscht sich unabhängigen Erfolg von ihm. Da lädt ihn der reiche John du Pont zu sich ein und bietet ihm an, zusammen ein hochklassiges Trainingslager für die Ringer-Weltmeisterschaft in Seoul 1988 aufzubauen. Mark Schultz nimmt das Angebot an und zieht in das wunderschöne Grundstück des Milliardärs in der Hoffnung, sich dort voll auf sein Training konzentrieren zu können.
Der zwielichtige John du Pont unterstützt die Ringer vor allem finanziell und will sich durch das "Coaching" den Respekt seiner kalten Mutter (gespielt von Vanessa Regrave) erkämpfen. Mark fühlt sich durch die Aufmerksamkeit von John du Pont geschmeichelt und schnell entwickelt sich eine väterliche Beziehung zu ihm. Dieser fängt an, Mark zu manipulieren und bietet ihm Drogen an, sodass Mark schnell an Fitness verliert. Währenddessen interessiert sich der Millionär mehr und mehr für Marks älteren Bruder Dave, welcher eine Selbstsicherheit besitzt, die ihm und Mark fehlen, und schafft es, ihn mit in das Trainingsteam einzuschließen. Es entwickelt sich eine komplexe Beziehung zwischen den drei Charakteren und die Handlung scheint auf ein unvermeidlich tragisches Ende zuzusteuern...
"Die düstere Geschichte ist der erste Oscar Favorit des Jahres", schreiben verschiedene Zeitungen. Steve Carrell überrascht in seiner Rolle als paranoider Millionär und beweist, dass er auch anders als "Jungfrau, 40, männlich sucht" kann. Mark Ruffalo und Channing Tatum überzeugen ebenfalls und so entstehen drei sehr unterschiedliche, aber trotzdem psychologisch plausible Charaktere. Das Drehbuch offenbart klug Schritt für Schritt die emotionale und sexuelle Unterentwicklung von John du Pont. Kompliment an E. Max Fryne und Dan Futterman, Namen die man in der Drehbuch-Szene in Zukunft sicherlich noch öfter zu hören bekommt. Der Regisseur Bennett Miller hat das Drehbuch sehr sorgfältig und altmodisch in Szene gesetzt.
In der Pressekonferenz erklärt er, dass die Recherche der größte Teil der Arbeit war: Das Team hat viel Zeit verbracht, um die Geschichte zu rekonstruieren, um ihr Wahrhaftigkeit zu verleihen. Der echte Mark Schultz war sogar während des gesamten Drehs am Set. Das Setting, in welchem der Film spielt, ist nahezu perfekt, alles steht am richtigen Ort und der Zuschauer wandert zwischen reichem Chalet und armseligen Ringer-Apartments hin und her. Die Bilder, die einem vorgeführt werden, sind sehr sauber und durchdacht; Kameramann Greig Fraser war hier am Werk.
Auch die 130 Minuten sind nicht zu lang. Miller schafft es den Rhythmus und die Spannung zu halten, sodass die Geschichte nicht langweilig wird. Das Einzige was man an dem Film bemängeln könnte, ist die Naivität der Charaktere. Man wünscht sich manchmal von den Schultz-Brüdern ein bisschen Zweifel gegenüber John du Pont, der offensichtlich nicht so nett und wohlwollend ist, wie er scheint. Aber vielleicht sind Ringer auch nicht gerade die hellsten... Der Film ist dennoch ein sehr schönes Werk und man muss auch kein großer Ringer-Fan sein, um Gefallen an der Geschichte zu finden. Es ist viel mehr ein Film über komplexe familiäre Beziehung als über die amerikanische Sportart. Der Film könnte gute Chancen auf die diesjährige Goldene Palme haben.
Gesehen von Luis Schubert