Treatment

Das Treatment

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Handwerk steckt hinter jedem guten Treatment, nur wenn jeder Satz richtig sitzt, überzeugt die Vorstufe des Drehbuchs seine Leser

Im Verlauf des Entstehens eines Drehbuchs gibt es verschiedene Abschnitte, die einerseits eine sinnvolle Entwicklung und Optimierung der Geschichte ermöglichen, andererseits auch frühzeitig Irrwege erkennbar machen sollen. Nach der ersten Stufe, dem Exposé, und auf dessen Basis entsteht das Treatment. In Zusammenhang mit Produzenten oder Redakteuren könnte man es auch so formulieren: Gefiel das Exposé, wird der Auftrag für ein Treatment erteilt.

 

Die Auffassungen, wie solch ein Treatment aussehen soll, gehen häufig in verschiedene Richtungen. Das beginnt schon mit der Länge. Das Treatment eines abendfüllenden Spielfilmes kann 20, aber auch 50 Seiten lang sein. Es soll aber auch schon Treatments von 100 Seiten Länge gegeben haben...

 

Was sollte im Treatment stehen?

Es soll die vollständige, dramaturgisch schlüssige Geschichte vermitteln, ohne jedoch ausformulierte Szenen mit kompletten Dialogen zu enthalten. Wenn man es mit einer vorhandenen literarischen Form vergleichen möchte, wäre die Erzählung jene, die dem Treatment am nächsten kommt. Stellen Sie sich vor, Sie haben einen Film gesehen, und sollen die Geschichte möglichst vollständig nacherzählen. Ähnlich wie in einer Erzählung oder bei Ihrer Nacherzählung können im Treatment auch schon einige Dialoge auftauchen, vorzugsweise in indirekter Rede.

 

Alle Informationen, die für das Verständnis der Geschichte und des Verhaltens der Filmfiguren notwendig sind, müssen im Treatment stehen. Gleichzeitig sollte das Treatment aber noch flexibel genug sein, Änderungen zuzulassen. Das bedeutet auch, dass Entwicklungen, die man dem Exposé noch geglaubt hat, möglicherweise bei der Ausarbeitung im Treatment unglaubwürdig klingen, und gegen andere ausgewechselt werden müssen.

 

Rhythmus und Spannungsbögen

Das Treatment ist auch jene Form, in der wir bereits den Rhythmus des späteren Drehbuchs ablesen können. Phasen der Dramatik und Spannung wechseln sich mit Momenten der Ruhe oder Orientierung ab. Solche Ruhephasen sind manchmal wichtig, damit der Zuschauer etwas gerade Gesehenes, dass vielleicht bedeutend oder sehr emotional war, noch einen Augenblick lang in sich wirken lassen, oder verarbeiten kann. Im Treatment sind auch die verschiedenen, späteren Szenen hinsichtlich ihrer Länge bereits angedeutet. Auch was die Dauer von Szenen angeht, sollte sich bereits ein ausgewogener Rhythmus erkennen lassen.

 

Auch die Zunahme der Spannung oder die Steuerung des Interesses beim Zuschauer/Leser lässt sich am Treatment erkennen. Worauf steuern welche Konstellationen zu, wo liegen deren Höhepunkte?

 

Kunst des Weglassens

Wie auch beim Drehbuch oder Film sollte das Treatment nicht alles und jedes erklären und vom absoluten Anfang an erzählen wollen. Niemand will sehen, wie aus zwei Schulfreunden später verfeindete Wirtschaftsbosse werden. Die Geschichte muss beginnen, kurz bevor der Konflikt ausbricht. Der Hintergrund mit den einstigen Schulfreunden kann dann irgendwo nebenbei erwähnt werden.

 

Selbstkritik und Chance

Das Treatment sollte immer auch ein wichtiger Moment von Wahrheit sein. Es kann vorkommen, dass man im Treatment- Stadium bemerkt, dass die so gut klingende Geschichte im Exposé für eine weitere Ausarbeitung doch nicht geeignet ist. In diesem Stadium aufzuhören, ist keine leichte Entscheidung.

Doch es ist weitaus richtiger, als zu versuchen, ein aus zahllosen Kompromissen zusammengeflicktes und nie schlüssiges Drehbuch folgen zu lassen.

Wer bereits einige Treatments und Drehbücher geschrieben hat, der weiß, dass die geleistete Arbeit für ein nicht weiter verfolgtes Treatment nie ganz vergeblich war. Viele Ideen oder Recherche-Ergebnisse kann man später bei anderen Stoffen und Büchern möglicherweise gut gebrauchen.