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Frontalknutschen 100 Min., Teenagerkomödie, Großbritannien 2008 REGIE: Gurinder Chada DARSTELLER: Georgia Groome, Eleanor Tomlinson, Aaron Johnson, Karen Taylor, Alan Davies |
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Regie: Gurinder Chada
Georgia, vierzehn Jahre, besitzt ein gewisses Talent, Mittelpunkt peinlicher Situationen zu werden. Mit einer solchen beginnt der Film: Georgia erscheint als riesige, gefüllte Olive verkleidet auf einer Fete und blamiert sich dort mit diesem Kostüm vollkommen, da ihre drei Freundinnen von einer ähnlichen Verkleidung in letzter Sekunde Abstand genommen haben. Doch zu Hause ist es auch nicht so viel besser: Ihre Eltern weigern sich, für die Feier anlässlich ihres fünfzehnten Geburtstages einen Club oder gar einen Diskjockey zu mieten und überhaupt hat Georgia das Gefühl, dass sie nicht als die reife Frau angesehen wird, als die sie sich fühlt. Und das schlimmste ist natürlich: Sie hat keinen Freund.
Doch die Ferien sind vorüber und in der Schule erscheinen zwei neue Jungen aus London: Robbie und sein Bruder. Die beiden begeistern die Clique um Georgia sofort und werden ohne Umstände zum Mittelpunkt ihres Lebens. Mit ausgefeilten, schlachtplanmäßigen Inszenierungen versuchen Georgia und ihre Freundin Jas, die beiden Jungen möglichst ungezwungen kennenzulernen. Dabei geht natürlich immer wieder irgendetwas schief, und sei es, dass unberechenbare Komponenten wie beispielsweise Eltern die Pläne der beiden durchkreuzen. Aber nach und nach nähern sich die Freundinnen den beiden Jungen an, wobei auch Georgias unberechenbarer Kater Angus (der ganz zu recht im englischen Titel des Films erscheint), eine Rolle spielt. Während Jas und Robbies Bruder Tom sehr schnell ein Paar werden, muß sich Georgia jedoch noch länger gedulden. Robbie ist nämlich bereits in festen Händen, und diese gehören der, natürlich, zickigen und arroganten und obendrein falschen Schulschönheit Lindsay.
Trotz des abschreckenden deutschen Titels ist „Frontalknutschen" ein stellenweise sehr origineller und humorvoller Film. Dies liegt vor allem an Georgias jüngerer Schwester und deren Beziehung zu Angus, dem schottischen Kater, welchem man in immer wieder anderen Verkleidungen begegnet, einmal sehr bildgewaltig in einem Brautkleid. In einer anderen Szene kämpft Robbie mit dem entflohenen, Hunde jagenden Angus in einem Busch, aus dem er das zornig knurrende Tier wie einen grimmigen, mit Laub und Zweigen bedeckten, bärtigen Waldgeist herauszieht. Georgias Schwester selbst denkt, dass sie zur Hälfte eine Katze sei und handelt konsequenterweise und zur Verwunderung Robbies bei deren erstem Treffen auch entsprechend. Momente wie diese, vermischt mit den freundlichen, in blassen Farben gefilmten Bildern des südenglischen Seebades Eastbourne sind es, die dazu führen, dass der Film aus der Masse vergleichbarer Filme ein wenig herausragt. Doch leider gibt es auch mehr als genug Szenen, die ihn wieder in jener versinken lassen. Die Gespräche zwischen den Mädchen sind wenig originell und gehen schnell auf die Nerven. Georgia Groome als Georgia und auch Eleanor Tomlinson als deren Freundin Jas spielen ihre Rollen zwar mit viel Spaß, kämpfen letzten Endes jedoch gegen eine Geschichte, die zu viele Klischees aufnimmt, um zu berühren. Vor allem das zuckersüße Ende sticht dabei heraus, in dem alles, aber auch jede Kleinigkeit auf eine sehr einfache und wenig einfallsreiche Weise zu einem guten Ende findet. Dies betrifft sowohl die bis kurz vor Filmende noch ohne Liebesglück dastehenden restlichen zwei Freundinnen der Clique um Georgia als auch die anscheinende Liaison von Georgias Mutter mit einem Handwerker. Alles wirkt in diesem letzten Teil des Films überaus konstruiert. Für Traurigkeit oder Nachdenklichkeit bleibt leider überhaupt kein Platz. Ganz mies geht die Geschichte auch mit der armen Lindsay um, die bis zum Schluß eine boshafte Zicke und ganz in ihrer Rolle gefangen bleibt. Ob ihre Liebe zu Robbie nicht auch irgendwie einen ehrlichen Ursprung hatte, spielt ebenso wenig eine Rolle wie ihr Leben überhaupt. Was schließlich mit ihr geschieht, hinterlässt irgendwie einen unschönen Nachgeschmack, es wirkt in seiner selbstgerechten Fröhlichkeit sehr oberflächlich und dumm und ehrt keine der involvierten Charaktere.
Anders geht der Film dagegen mit den Gesprächen zwischen Georgia und Robbie um, die zum Teil sehr nett dargestellt sind und immer vom Gegensatz der Gefühle Georgias und ihrer Flunkereien leben, mit denen sie hofft, Robbie kennenzulernen. Am meisten aber bleibt Angus in Erinnerung. Vor allem, um letzteren zu sehen, als Westernheld, als Braut oder als widerwilliges Etwas aus dem Gestrüpp , sollte man sich den Film irgendwann einmal anschauen.
Gesehen von Paul Mittelsdorf
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Frozen Indien 2007 REGIE: Shivajee Chandrabhushan |
Regie: Shivajee Chandrabhushan
Kinostart: noch offen
In „Frozen" nimmt Regisseur Shivajee Chandrahushan den Zuschauer mit auf eine Reise in die Bergwelt des Ostkaschmir. Der Film beginnt mit einigen sehr schönen, kraftvollen Bildern: Man sieht verschneite Berge, Straßen wie gewundene, dunkle Adern, die das Weiß zerteilen und viele mit einer großen Liebe zum Detail aufgenommene Momente dieser abweisend erscheinenden Welt.
In jener lebt in einem einsamen Hochtal ein älterer Mann mit seinen zwei Kindern: Einer etwa sechzehnjährigen Tochter und einem noch kleinen Sohn. Der Vater führt ein sehr hartes, schlichtes Leben, dessen Bewältigung im Laufe des Films immer härter wird. Eines Tages kommt das Militär und baut ein Lager direkt neben das Haus. Warum das Militär dies tut, wird mit diversen Vorkommnissen in jener Gegend begründet, von denen man jedoch nicht viel erfährt. Dies hängt eventuell auch mit der oftmaligen Unmöglichkeit zusammen, die Untertitel zu lesen, da sie dieselbe Farbe besitzen wie der hin und wieder helle Hintergrund des in Schwarz-Weiß aufgenommenen Films.
Jedenfalls verändert sich das Leben des Mannes und seiner Kinder grundlegend. Die Stille, die ihr Leben ansonsten begleitet, ist plötzlich verloren. Auch verliert das Grundstück beträchtlich an Wert, was im weiteren Verlauf der Geschichte eine Rolle spielen wird. Denn bald stellt sich heraus, dass der Mann Schulden hat und große Schwierigkeiten, diese zurückzuzahlen. Daran ist zum Teil auch das Militär Schuld, weil dessen Ankunft den Mann davon abhält, rechtzeitig zum Markt der Stadt zu gelangen, wo er selbstgemachte Marmelade verkaufen möchte.
Die Geschichte wird in langen, ruhigen Einstellungen erzählt, die leider etwas zu viel Geduld fordern angesichts der ihnen unterliegenden Handlung. Es passiert nicht wirklich viel in dem immerhin beinahe zwei Stunden dauernden Film, in dem auch nicht recht ersichtlich wird, wovon er eigentlich erzählt. Prallen hier tatsächlich, wie in seiner Ankündigung zu lesen war, zwei Welten aufeinander? Geht es um den Zerfall einer alten Kultur, die in der modernen Zeit nicht mehr zu überleben vermag?
Das Militär als Auslöser dieses Zusammenbruchs erscheint ein sehr konstruierter Faktor, der zu spezifisch und zufällig ist, um wirklich allgemeinere Bedeutung zu erlangen. Man fragt sich, warum der Mann, wenn sein Überleben davon abhing, nicht an dem fraglichen Tag in die Stadt gegangen ist, um seine Marmelade zu verkaufen. Es bleibt verwirrend, wie groß die Bedeutung dieses Zu-Spät-Kommens eigentlich ist und es schleicht sich der Verdacht ein, dass sein tatsächliches Problem nicht das Militär oder übertriebenes Sicherheitsdenken ist, sondern ganz einfach Schulden, die wahrhaftig nicht ausschließlich ein modernes Phänomen sind.
„Frozen" ist deshalb weniger ein Film, in dem es um verschiedene Welten und ihre Unterschiede geht, um ungewohnte Einflüsse, die etwas Altes, Gewohntes allmählich erodieren. Frozen ist zum größten Teil einfach ein Film über einen Mann und seine beiden Kinder, die aufgrund ihrer Schulden Schwierigkeiten haben, ihr Leben zu bestreiten. Momente dieses Lebens werden von Zeit zu Zeit in ungewöhnlichen, teils faszinierenden Bildern beschrieben, die man so schnell nicht wieder sehen wird. Sie besitzen zwar nicht durchgängig die Kraft, den Film über seine Dauer hinweg zu tragen, doch sie sind es, die am Ende in der Erinnerung bleiben: die grimmigen Berge, die verhexten Wälder, durch die die Kinder rennen, das Bild eines gefrorenen Stück Stoffs. Dies sind die Momente, die auf ihre Weise dem Film eine Stimme verleihen.
Gesehen von Paul Mittelsdorf
Ein Kuss kann alles ändern.