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Die Falle, Friederike Becht (Bild: © 2025 Netflix, Inc.)

 

Miniserie, NETFLIX Deutschland 2026
Produktion: Constantin Film
Regie: Isabel Kleefeld
Drehbuch: Isabel Kleefeld
Kamera: Martin Langer
Musik: Volker Bertelmann
Schnitt: Renata Salazar Ivancan · Nicole Kortlüke

Cast: Friederike Becht (Lisa Konrad) · Hans Löw (Robert Lenzen) · Matthias Brandt · Miriam Ohlmeyer · Josephine Thiesen
Länge: 291 Minuten (6 Folgen)

 

Eine Romanvorlage wurde zur Netflix-Serie, lohnt sich das Schauen und was gefiel und was nicht? Der Romanbestseller "Die Falle" (von Melanie Raabe) wurde von Isabel Kleefeld in eine Serie umgesetzt und mit Friederike Becht ("Schneller als die Angst") und Hans Löw in den Hauptrollen verfilmt. So weit so gut, das Team von "Liebe Kind" hat sich an ein neues Projekt rangemacht und Netflix hat erstaunlicherweise viele der Dramatugrie-Zwänge, die man von dem Streaming-Kanal so kennt oder vielleicht auch nur unterstellt, fallen gelassen. Doch dazu später mehr.

Lisa Konrad, eine Bestseller-Autorin lebt, abgeschieden von der Welt, die sie umgibt, in einem riesigen Haus, welches zufällig dem eigentlich finanziell eher angeschlagenen Verleger (Matthias Brand) gehörte und welches er ihr im Gegenzug für den Exklusivvertrag über ihre künftigen Veröffentlichungen gegeben hat. Das Haus hat sie ein Jahrzehnt lang nicht mehr verlassen. Sie ist traumatisiert, seit ihre jüngere Schwester zehn Jahre zuvor in deren Wohnung erstochen wurde. Sie hatte die Schwester sterbend aufgefunden und für einen kurzen Moment dem Täter ins Gesicht gesehen, bevor dieser flüchtete und seitdem nicht gefunden wurde.

Als sie eines Nachts einmal mehr nicht schlafen kann und den Fernseher einschaltet, sieht sie plötzlich das Gesicht des damaligen Täters wieder und identifiziert ihn als Investigativjournalisten Robert Lenzen. Da die Polizei den Fall längst zu den Akten gelegt hat und auch die damaligen gesicherten Spuren keine Hinweise auf den Täter gaben und vernichtet wurden, beschließt sie, den Journalisten selbst zu überführen und nutzt ihre Medien-Abstinenz als Hebel, ihn in eine Interview-Falle zu locken.

 

Die Falle, Hans Löw (Bild: © 2025 Netflix, Inc.)

 

Das Ganze ist sehr hochwertig produziert und fällt im Vergleich zu manch anderen Deutschen Produktionen auf jeden Fall auf. Wie schon eingangs erwähnt, hat Netflix offenbar einige seiner Dramaturgie-Regeln fallen lassen, was ja nicht schlecht ist, wenn es kreative Freiheiten und ungewöhnliche Erzählweisen ermöglicht. Manches in der Miniserie ist redundant und etwas zerdehnt und man hat ein wenig den Eindruck, ein dramaturgisch dichter abendfüllender Einzelfilm oder ein Zweiteiler wäre vielleicht das richtigere Format gewesen. 

So aber muss man vielen Vorbereitungsschritten (Kampfsporttraining, Schießtraining, Psychotraining) und Recherchewegen der Hauptprotagonisten beiwohnen, die ein normaler Spielfilm vermutlich in wenigen Minuten abgehandelt hätte. Man spürt, dass hier die Vorgabe, sechs Folgen a 48 Minuten herzustellen, über der Frage stand, ob der Stoff das überhaupt trägt. Die Grundkonstellation der kaum ambivalenten Figuren ist recht schnell klar und dass es auf eine Konfrontation in Form eines Interviews hinausläuft, auch. Es sind vielleicht zu wenige Twists und das Publikum merkt trotz mancher falschen Spur und dem Spiel mit dem Vertrauen zu schnell, worauf die Geschichte hinausläuft.

Bemerkenswert ist die starke, aktiv handelnde und eine gewisse Gefährlichkeit ausstrahlende weibliche Hauptfigur, das ist eine deutliche Abweichung von den stereotypen weiblichen Opfern, wie man sie sonst in Thrillern erzählt bekommt. Die Schauspieler, allen voran Friederike Becht, Hans Löw und Matthias Brandt sind hervorragend, doch nicht allen Vorbereitungen, wiederkehrenden und in Rückblicken dann noch mal wiederkehrenden Emotionen möchte man so oft und so lange beiwohnen. Leider wird den Zuschauern auch viel zu früh preisgegeben, dass die Autorin zwischen Realität und Fantasie manchmal nicht so gut differenzieren kann.

 

Dreharbeiten zu "Die Falle", Friederike Becht, DOP Martin Langer (Bild: © 2025 Netflix, Inc.)

 

Das Licht und die Kameraführung (Martin Langer) sind sehr gut gelungen, die Bildsprache ist interessant und immer wieder hilft sie durch Push-Ins oder spezielle Perspektiven und Optiken dabei, so manche vorhersehbare Abläufe trotzdem erzählerisch interessant zu gestalten. Der Ausstattung und Farbgestaltung des Hauses, in dem die Bestsellerautorin lebt, hätte etwas mehr Realismus nicht geschadet, auch die mittig zentrierten Außenshots auf das stattliche Herrenhaus wirken manchmal wie aus einem US-Blockbusterfilm. Da war der Wunsch nach Größe und Bedeutung vielleicht etwas zu groß oder man hat schlicht vergessen, wo die Geschichte eigentlich angesiedelt war, nämlich in der näheren Umgebung von München. In der Umgebung von München mag es ähnliche Villen vermutlich auch geben (das Original-Filmmotiv war in Düsseldorf), doch lebt eine Autorin, die sich vor der Welt verstecken will, wirklich in so einem Palast?

Es gibt also Phasen in denen die Spannung stärker und andere an denen sie schwächer funktioniert. Am Ende kann die Erzählung dann aber wieder mit einer offenen Fragestellung punkten, doch ob man die Zuschauer wirklich sechs Folgen lang darauf warten lassen sollte, ist zumindest diskussionswürdig. Auf jeden Fall hochwertig gedreht, sehr gut gespielt und trotz kleiner Schwächen sehenswert.

 

Gesehen von Mathias Allary

 

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