Movie-College Logo

 

Morgens um 9 herrscht entspannte Ruhe auf den Medientagen, die Stände der Aussteller sind schon besetzt und so Manche holen ihr Frühstück mit einer Breze und einem Cappuccino nach. Hier und da wird gehustet- der Kongress ist kräftezehrend. Langsam füllen sich die Räume doch es ist nicht mehr so voll wie an den beiden ersten Tagen. Dabei gibt es gerade am dritten Tag eine Reihe individuellerer, persönlicher Vorträge und Panels. Bis hin zu einem philosophischen ja fast religiösen Vortrag von Prof. Dr. Godehard Brüntrup mit dem Titel: "Das Schwert frisst bald hier, bald dort" über Künstliche Intelligenz und das Verdunsten der Verantwortung und die Versuchung der Medien.

 

Melanie Amann und Lea Thies

 

Gleich zu Beginn auf der größten Stage geht es unter dem Motto "Wer gewinnt im KI-Zeitalter das Vertrauen des Publikums" um die Frage was wichtiger ist im Journalismus, die Marke oder die Persönlichkeit. Darüber diskutieren Melanie Amann, FUNKE Mediengruppe, Lea Thies, Augsburger Allgemeine und Thomas Hinrichs, BR- moderiert von Martin Krebbers, Deutschlandradio. Alle gemeinsam halten so etwas wie ein Plädoyer für guten Journalismus, Authentizität und auch dafür, presserechtliche Standards (Pressekodex) auch auf Social Media einzuhalten.

 

Lea Thies und Thomas Hinrichs

 

Thomas Hinrichs vom BR nannte als Beispiel Susanne Daubner als Marke, die erreiche ganz andere Kreise aber die schauten nicht die Tagesschau. Die Tagesschau sei nun mal nicht lustig- die sei für die Fakten da. Verlieren klassische Medienmarken gegen Algorithmen? Er glaubt an den guten Journalismus. Social Media könne aber als Brücke zu den ernsthaften Nachrichten dienen. Im Journalismus sind gut ausgebildete gut Leute, Hinrichs wünscht sich den demokratischen Diskurs.  Sender wie der BR trügen eine große Verantwortung für die Journalisten, wenn die angegriffen werden und der Sender stelle sich auch schützend vor seine Leute.

Melanie Amann wies darauf hin, dass ihr in ihren Post und podcasts eine bestimmte Art der Ansprache wichtig sei.  Deutschland habe noch viel Vertrauen in klassische Medien. Da könne man die Menschen über Social Media abholen und zu den klassischen Medien hinführen.

Lea Thies, die auch Nachwuch-Journalisten ausbildet erinnert daran, dass es immer Medienmarken gab- Köpfe denen man vertraute,- da war es früher dann der Chefredakteur im Fernsehen oder in der Presse. Was man auch bedenken müsse, wenn man wie sie auf Social Media postet,- dass man als Person im Web Shitstorms abbekommt. Deshalb gäbe es auch Kurse an der Journalistenschule wie man mit Shitstorms umgeht.

 

Renate Nikolay, The European Commission auf der Yellow Stage

 

Am dritten Tag stand bei vielen Panels die Künstliche Intelligenz im Zentrum. Gerade erst hatte Open AI zwei gravierende jahrzehntelang unentdeckte Sicherheitslücken in PHP, der Programmiersprache fast aller Webseiten weltweit, die Welt in Aufruhr versetzt. Statt wie in solchen Fällen üblich, erst das Softwareunternehmen zu informieren damit in Ruhe gepatcht und alle Lücken geschlossen werden können, hat Open Ai gleich die ganze Welt und damit auch potenzielle Angreifer darüber informiert, wo die gravierenden ungeschützten Einfallstore sitzen. Tausende Webseiten von Behörden Banken etc. wurden panikartig offline gestellt. Einmal mehr belegen die KI Konzerne hohes Potential für schlechte Entscheidungen. Und KI ist also weiter das bestimmende Thema.

 

Green Stage

AI Summit

 

Bei der AI-Summit diskutierten Jörg Bienert, Center for Sovereign AI / Soofi Alexandra Geese, Mitglied des Europäischen Parlaments und Digitalexpertin der Fraktion „Greens/EFA" Rebecca Gottwald, Burda Media Lutz Mache, Google Andreas Schepers, Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, DFKI diskutierten, moderiert von Alina Fichter von der Gemeinnützigen Hertie Stiftung die Frage "Wem gehört die KI?". Kann man der Konzentration von Macht in den USA- einen eigenen Unternehmensausbau in Europa entgegenstellen? An wen wollen wir Ressourcen geben Europa oder USA. Digitale Souveränität. Aktuell gibt es offenbar viele Initiativen in Europa um Alternativen aufzustellen. Google böte partnerschaftliche Kooperationen an, wie KI Suchanfragen zu den Content-Anbietern führen.

Alexandra Geese erläuterte sehr anschaulich, dass Algorithmen so programmiert seien dass sie maximalen Gewinn machen. Klassische Medien kämen bei Social Media kaum noch vor weil sie nicht so oft geteilt gelinkt werden. Die Algorithmen heben vorzugsweise das hervor, was uns wütend macht. Am erfolgreichsten sind Posts die Menschen empören. So erreicht man hasserfüllte Inhalte. Das wird von Bots generiert weil diese Seiten in Massen angeklickt werden. Fast alle Social Media Plattformen arbeiten mit Aufregbarkeit. Und da kommen klassische objektive Medien nicht vor. Das Recht muss zurückgeholt werden objektive Infos zu bekommen, forderte Alexandra Geese. Die Algorithmen zeigten immer die Desinformation.

So wurden viele gute und spannende Ansätze präsentiert, wie man die manipulativen Monopole aus den USA durch regelbasierte Alternativen in Europa ergänzen kann. Hier ist die Politik dringend gefordert schnell zu agieren und nicht alle guten Ansätze unter Bergen von Lobbyinteressen und Verwaltungshürden zu begraben.

 

Green Stage

Marie Kilg mit einem persönlichen und spannenden Vortrag

 
Marie Kilg trug unter dem Motto Reality Check- Was lernen wir vom AI Backlash? eine sehr persönliche Sicht auf KI. vor. Hier ein paar der angesprochenen Gedanken:
Meine Gefühle und Gedanken in ein Werk zu investieren- KI könne das nicht. Ki mache hunderte Rechenoperationen selbst bei simpelsten Anfragen. Der Zwang, dass man immer schnellere KI nutzt sei kontraproduktiv. Es ist cool effizienter zu sein. Aber ist das alles? Wo bleiben Fragen wie Vertrauen und Verantwortung. Was ist mit der Kennzeichnung wenn ich mit KI arbeite? Habe ich Nachteile wenn ich das mehr sichtbar kennzeichne als Andere? Was nützt es wenn die Berichterstattung in der Welt dank KI überall gleich ist? Wo kann ich journalistisch etwas anbieten was die Welt braucht?

 

Kreative Arbeit mit KI Gamechanger oder f*cking boring? Zu dieser Fragestellung des richtigen Promptens hielt Paulina Rodriguez-Monaco eine Masterclass ab.

 

So waren am letzten Tag einige eher nachdenkliche, zumeist aber sehr konkrete Themen auf den verschiedenen Bühnen vertreten. Wie jedes Jahr waren auch hier und da Panels mit eher mittlerem bis geringem Informationswert darunter- Präsentationsmöglichkeiten für Unternehmen und Institutionen- auch das gehört zu den Medientagen dazu. Unsere Bilanz jedenfalls ist sehr positiv: Einmal mehr haben die Veranstalter einen gelungenen, spannenden  Medienkongress hingelegt. Interessante Speaker und eine spürbare Entschlossenheit vieler, an der Monopolisierung der Medienmacht etwas zu verändern.