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Krabat 120 Min., Literaturverfilmung, Deutschland 2008 REGIE: Marco Kreuzpaintner DARSTELLER: David Kross, Daniel Brühl, Christian Redl, Robert Stadlober, Paula Kalenberg, Hanno Koffler |
Regie: Marco Kreuzpaintner
Kinostart: 9. Oktober
Zur Zeit des Großen Nordischen Krieges (1700-1721) wird der 14-jährige Waisenjunge Krabat Lehrling in der Mühle eines Zaubermeisters. Hier lernt er die dunkle Magie kennen, lieben und fürchten und letzten Endes entscheidet er sich für ein Leben ohne sie. Der Schauplatz dieser Geschichte befindet sich in der Lausitz und spielt in einem Ort namens Schwarzkollm, genauer gesagt in der der Mühle im Koselbruch. Nach einigen Überlegungen beschloß das Filmteam, die Geschichte jedoch nicht hier, sondern in einer unberührteren Gegend zu drehen. Schließlich wurde „Krabat", ursprünglich eine sorbische Volkssage und 1971 als von Otfried Preußler geschriebener Roman veröffentlicht, zum größten Teil in Rumänien, in der Nähe von Sibiu, verfilmt.
Die Landschaften, die sich nunmehr dem Zuschauer offenbaren, sind durchaus sehr schön: gewellte, liebliche Hügel, Wälder und verschneite Gebirgsgipfel, die die höchsten Erhebungen um das originale Schwarzkollm ungefähr um das Zwanzigfache übertreffen. Dies passt natürlich hervorragend in eine Geschichte um Liebe und Zauberei und auch in die Struktur des Films, der letzten Endes weitaus epischer sein möchte als die Sage, auf der er beruht.
Der Atmosphäre der Geschichte um Krabat, die auch eng mit der Landschaft verwoben ist, in der sie spielt, schaden diese Übertreibungen jedoch. Von niedrigem Sumpfland, der slawischen Wurzel des Namens „Lausitz" ist nicht viel zu sehen. Die Mühle ist zwar von einigen feuchten Wiesen umgeben, aber dann sieht man schon wieder die Berge in die Höhe ragen. Die unheimliche Unbestimmtheit einer flachen, von Heiden, Auen und Sümpfen bestimmten Landschaft, in der einfach andere Geister als in den Bergen regieren, fehlt im Film vollkommen. Damit verlieren auch Worte wie „Schwarzkollm" und „Koselbruch" einen großen Teil ihrer verhexten Wirkung.
Mit der Umgestaltung der Landschaft wird „Krabat" auf eine zeitgenössische Weise maßgerecht und verliert viel von seiner Eigenart. Das Bestreben, eine „große" Geschichte zu erzählen, ist auch an anderen Aspekten bemerkbar. Die Musik beispielsweise könnte problemlos in jeden schlachtengewaltigen Mittelalterfilm transportiert werden, besitzt aber nichts Geheimnisvolles oder gar Hexerisches. Ein weiteres Beispiel für die Ambitionen des Films bietet auch jene Szene, in der die Lehrlinge das nahe Dorf gegen einige marodierende Soldaten verteidigen, etwas, das im Buch nicht geschieht und das für den Film auch nicht unbedingt notwendig war. Schade ist auch, dass man davon absah, den durchgängig in schwarze Kutten gekleideten Lehrlingen aus Preußlers Vorlage individuellere Kleidung zu geben. Zum einen betont die im Buch erscheinende uniforme Bekleidung die Allmacht des Zaubermeisters und die seiner Lehre, zum anderen ist die Wirkung der dunklen Mäntel ungleich düsterer.
Demgegenüber wiederum versucht sich der Film von gängigen Vertretern seines Genres zu distanzieren, indem er Hässliches oder Unschönes bewusst realistisch in Szene setzt. Zu Beginn des Films zieht Krabat mit zwei Freunden durch eine winterliche Landschaft, welcher man nach dem Anblick der drei Gefährten überhaupt nichts Romantisches mehr abgewinnen kann. In einer anderen Szene zieht Krabats Freund Tonda seine vom Zaubermeister getötete Freundin aus dem Fluß, die in dieser Szene keineswegs so hübsch aussieht, wie es in anderen Filmen ertrunkene, von Kälte gezeichnete Leichen hin und wieder tun. Ebenso konsequent werden auch Verletzungen und Erschöpfung gezeigt, und ab und zu entsteht der Eindruck, dass etwas zu viel Schminke verwendet worden ist.
Die Darsteller sind durchweg solide besetzt. Niemand wirkt in seiner Rolle fehl am Platz, herausragen tut jedoch auch niemand. Einzig Daniel Brühl gelingt es, sich mit seiner ernsten Art als Altgeselle Tonda in den Vordergrund zu spielen. Krabat-Darsteller David Kross steht etwas in seinem Schatten, was auch an seiner Rolle als Neuling unter den Lehrlingen liegt. Nach Tondas Tod aber vermag Kross schauspielerisch Brühls Platz als Anführer nicht einzunehmen, vor allem aufgrund seines viel jüngeren Aussehens. Die langen Haare, der Pferdeschwanz und der dünne Oberlippenbart, den Kross plötzlich trägt, verleihen Krabat eher weniger als mehr Reife. Laut Vorlage entspricht das erste Jahr, das Krabat in der Mühle verbringt, drei normalen menschlichen Jahren. Insofern fällt es nicht schwer, sich vorzustellen, dass Krabat schneller altert als die Menschen außerhalb der Mühle. Im Film aber scheint die „magische Zeit" keine Rolle zu spielen, sondern es vergehen zwei Jahre zwischen Krabats Ankunft und seinem Sieg über den Meister entgegen drei normalen (das heißt neun Jahren) im Buch Preußlers. Dadurch erscheint es doch etwas überraschend, dass Krabats alter Gefährte Lobosch, mit dem er einst durch die winterliche Landschaft wanderte, ihn nun kaum wiedererkennt, als er als neuer Lehrling in die Mühle kommt.
Die Visual Effects sind gemessen an den Produktionskosten von etwa 10 Millionen Euro teilweise sehr ansehnlich. Sie können mit kostspieligeren Produktionen wie den Harry Potter-Streifen nicht konkurrieren (was teilweise nicht zu übersehen ist), meistern jedoch einige Herausforderungen wie etwas die Verwandlungen der Gesellen in Raben sehr gut. Insgesamt sieht man dem Film die Bemühungen an, das Beste aus den Möglichkeiten zu machen, die sich ihm boten. Dies betrifft nicht nur die angesprochenen Visual Effects, sondern auch die Nähe zur Vorlage von Otfried Preußler sowie die Sorgfalt, die man in den Bau der Mühle und der Bauernhäuser verwandte. Manchmal, wie im Fall der Landschaft und der Musik, hätte ein weniger großer Rahmen der Geschichte gutgetan und ihr einen eigeneren Character verliehen, doch enttäuschen tut der Film auf keinen Fall.
Gesehen von Paul Mittelsdorf
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Kriegerin REGIE: David Falco Wnendt DARSTELLER: Alina Levshin, Jella Haase, Sayed Ahmad Wasil Mrowat |
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Regie: David Falko Wnendt
Kinostart: 19. Januar 2012
Bevor ich mir den Film auf dem Filmfest München anschaute, ahnte ich schon beim Lesen des Pressematerials, dass es sich hierbei um einen sehenswerten Film handelt. Bei der Uraufführung mit gut besetztem Kinosaal wurde deutlich, dass dieser 2010 gedrehte Spielfilm von David Wnendt mit seiner hochaktuellen rassistischen Thematik viele neugierig gemacht hat.
Der Film handelt von einer Neonazi-Bande in Deutschland, in deren alltägliches Leben der Zuschauer einen guten Einblick gewinnt. Marisa (Alina Levshin) wurde das kriegerische Verhalten und feindliche Einstellung gegenüber Juden schon von klein auf von ihrem geliebten Opa vermittelt. Diesem Weg folgt sie treu bis ins Jugendalter. Mit ihrem kriminellen Nazifreund und anderen Skinheads der Gruppe möchte sie die Ausländer aus ihrer Nähe brutal vertreiben. Marisa begegnet zwei afghanischen Jungs, die von ihr überfahren werden. Während ihrer Arbeit als Kassiererin muss sie sich mit dem jüngeren Afghanen auseinander setzen.
David Falko Wnendt hat nach seinen Kurzfilmproduktionen und seinem ersten TV-Film endlich auch seinen ersten Kinofilm herausgebracht, der zugleich auch sein Diplomfilm und Regiedebüt ist. In seinem Film möchte Wnendt zeigen, was junge Mädchen und Frauen dazu bewegt, einer rassistischen Gruppe beizutreten. Für das herausragende Drehbuch hat er den Förderpreis Deutscher Film 2011 bekommen. Zugleich überzeugt Wnendt mit einer gelungenen Regie.
Die Hauptdarstellerin Alina Levshin wirkt in ihrer Rolle als Neonazimädchen mit Hakenkreuz-Tattoo und halb durcheinander rasierter Frisur sehr authentisch. Die aggressive Stimmung ist im Kinosaal förmlich greifbar. Mit ihrer Darstellung macht Levshin deutlich, wie der Hass gegen Ausländer, Schwarze und Juden Marisa als Antrieb dient. Ihr Schauspiel hält die Zuschauer wach und fesselt sie an die Leinwand. Alina Levshin ist das neu entdeckte Talent der deutschen Filmindustrie und hat für ihre Filmrolle bereits den Förderpreis Deutscher Film 2011 für die beste Hauptdarstellerin verliehen bekommen.
Die zweite Hauptperson im Film ist Jella Haase (Svenja). Wenn auch nur kurz zu sehen, überzeugt auch sie in ihrer Rolle als 16jährige Neueinsteigerin in der Neonazi-Bande.
Der erste Kinospielfilm von David Wnendt ist eine sehr gut gelungene Darstellung über die Entstehung und Wirkung der deutschen Neonazi Szene. Der Film startet im Januar 2012 in den Kinos und sei ebenso Deutschen wie Ausländer wärmstens empfohlen.
Gesehen von Andrea Bekesi

Der 26minütige Film erzählt die Geschichte von Margreths Körper. Schon früh entdeckte die Außenwelt an ihr die ersten "Fehler": Überbiss, keine Taille, unförmige Füße, krumme Finger, viel zu dicker Hals.