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Es fühlt sich ein wenig wie ein Katastrophenfilm an, dass der Stadt München die Filmtechnik-Messen verloren gegangen sind

 

Vorgeschichte

Viele Jahre brachte erst die Cinec als Fachmesse für Film,- und Medientechnik die neuesten Entwicklungen wie man sie sonst nur auf der IBC oder NAB zu sehen bekam, nach München, jenem Standort der besonders viele große Player der Deutschen Film,- und Medientechnik auf sich vereint. München war für eine solche Filmtechnikmesse prädestiniert, weil die Stadt eine starke Filmindustrie mit Filmtechnikherstellern, Sendern wie Bayerischer Rundfunk, Produktionsfirmen und Postproduktionshäusern und natürlich den Bavaria Studios an einem Ort vereinte. Hinzu kam die Nähe zur HFF (Hochschule für Fernsehen und Film München), das Vorhandensein großer Kameraverleiher und Technikfirmen, Hersteller wie ARRI, Sachtler, Panther oder MovieTech. So war die Stadt München über Jahrzehnte zu einem Zentrum für Kamera-, Filmlicht-, Grip- und Produktions-Technik geworden.

    Seit 1996 fand die Cinec alle zwei Jahre in München statt und war ein wichtiger Branchentreff, Kongress und Fachmesse zugleich. Aussteller aus der ganzen Welt präsentierten hier ihre neuesten und wichtigsten Produkte. Und sie war nicht unbedingt eine Broadcast Messe, wie es die IBC war, sondern eher eine Filmtechnikmesse mit  Schwerpunkten auf Kamera, Kino, Objektive, Licht, Grip, Filmtechnik und Kameraleute.  Irgendwann wurde der Cinec der Zeitraum, Ende September zum Problem. Einerseits lag sie damit ganz kurz hinter der IBC in Amsterdam, was die Hersteller in Schwierigkeiten brachte, in kurzer Zeit Abbau, Transport und Aufbau zu bewältigen, gleichzeitig waren die Reisekosten ausgerechnet während des Oktoberfests in München, deutlich verteuert.

    Mit dem überraschenden parallelen Auftreten der Euro Cine Expo, von einem britischen Messeveranstalter organisierten Messe im Juni zu einem früheren Zeitpunkt, wurde der Cinec praktisch über Nacht der Boden unter den Füßen weggezogen. Trotz Ankündigung fand die durch Corona bereits angeschlagene, für September geplante Messe nicht mehr statt, kein Wunder, hatten die Aussteller ihr Messebudget ja bereits im Juni auf der Euro Cine Expo ausgegeben.

    Der vom Fachmagazin Film,- und TV Kamera unternommene Versuch, die Cinec ohne Fachmesse als Konferenzevent weiterleben zu lassen, war mäßig erfolgreich, das eigentliche Herz der Veranstaltung, die Fachmesse, fehlte.

    Eine Kooperation der Euro Cine Expo mit dem Filmfest München von 2023 bis 2025 und die zeitgleiche Terminwahl der Euro Cine Expo war kaum sichtbar und wohl mehr eine Marketing-Aktion als echter Mehrwert. Einstmals große Aussteller wie Dedo Weigert gibt es nicht mehr, die Bavaria Studios werden aufgesplittet um die Grundstücke zu verkaufen, Arri steckt selbst in Schwierigkeiten.

     

    Kurzes Gastspiel

    Nun nach vier Ausgaben in München hat sich die Messe in Eurocine umbenannt und ist weitergezogen nach Budapest,- offensichtlich von anderen Finanzierungsangeboten angelockt und unter dem lahmen PR Argument, dass Budapest im Herzen Europas läge und ein noch besseres Konzept böte. Am 8. und 9. Mai 2026 fand sie in Ungarns Hauptstadt statt. Offiziell kooperiert man mit den bisherigen Partnern wie dem BVK oder dem FFF Bayern, mal sehen wie lange und in welcher Form das anhalten wird. Der Umzug folgt sicherlich den preiswerteren Rahmenbedingungen für eine Messe / einen Kongress.

    So ist das mit Verdängungswettkämpfen, erst verdrängt man die alteeingesssene Konkurrenz, um dann weiter zu ziehen und ein schmerzliches Vakuum zu hinterlassen. Es ist schon seltsam, wie in Deutschland große, wichtige Fachmessen so einfach beerdigt wurden. Man denke nur an die Photokina Köln (Nach Jahrzehnten und dem Versuch einer Fortführung als Photopia Hamburg letztlich 2024 eingestellt) die Musikmesse Frankfurt (Endete nach Jahrzehnten 2022)  oder die Cebit (endete nach über 30 Jahren 2018). All dies spiegelt natürlich Veränderungen in den betroffenen Branchen wieder, nicht nur die Filmbranche spürt schon seit Jahren deutlichen Preis,- und Konkurrenzdruck. Kleinere Budgets, neue Player aus Asien, technische Veränderungen, ja Umbrüche haben Anpassungen notwendig gemacht.

    Nun also ist München, ist Deutschland auch seine Filmtechnik Fachmessen Cinec und Euro Cine Expo los, Standortpflege und Industrieförderung sehen anders aus. Laut den Eurocine Veranstaltern ist jetzt "Budapest der europäische Treffpunkt für Filme, Ideen und Innovationen". Mal sehen ob und wo im kommenden Jahr das Herz der europäischen Filmtechnik schlagen wird.

    Jahrzehntelang war München ein wichtiger europäischer Treffpunkt der Kamera- und Produktionstechnik. Veränderungen in der Filmbranche geografisch und wirtschaftlich sind neben der Standortpolitik der bayerischen Landehauptstadt mitverantwortlich für diesen herben Totalverlust.