Movie-College Logo

Das Pusten in die titelgebende Todespfeife beschwört den eigenen Tod herauf. Copyright: LEONINE

 

USA 2025
Regie: Corin Hardy Drehbuch: Owen Edgerton
Darsteller: Dafne Keen, Sophie Nélisse, Michelle Fairly, Nick Frost
Kinostart: 07.05.2026

 

Der neue Horrorfilm von „The Nun“-Regisseur Corin Hardy verfolgt erneut eine altbekannte Prämisse: Eine zufällig zusammengewürfelte Gruppe Highschool-Schüler und Schülerinnen muss sich in actiongeladenen und brutalen Kämpfen gegen eine übernatürliche Macht beweisen. Bei dieser handelt es sich um eine aztekische Todespfeife deren Ton die Tode der Jugendlichen anlockt.

 

In der Kleinstadt nichts Neues

Daraus entfalten sich folglich viele für das Horrorgenre typische Narrative und Handlungsstrukturen. Sei es nun die durch göttliche Mächte unterstütze Rache indigener Völker an den Kolonialisten, Moralfloskeln wie aus der Literaturgattung des cautionary tale oder die Geschichte von der Außenseiterin, die an der neuen Schule ihre große Liebe kennenlernt. Dass das Konzept des Todes als Filmmonster durch die „Final Destination“-Reihe und all ihre Nachahmer bereits ausufernd ergründet wurde und der Film dann auch noch seinen Schlussakt aus „Final Destination 2“ entlehnt, hilft nicht dabei diesen Eindruck der ständigen Wiederholung zu entschärfen. Für Veteranen des Genres bietet Whistle also keine Neuheiten, weshalb sich beim Schauen durchaus eine Ermüdung einstellen kann. Die Figuren bleiben eindimensional und entwickeln sich nicht organisch weiter, sondern immer nur so wie es das Drehbuch für die nächste Gewaltexplosion benötigt.

 

Zwischen den Highschoolschülerinnen Chris und Ellie bahnt sich eine Liebesbeziehung an. Copyright: LEONINE

 

Wie in der Geisterbahn

Dennoch kann der Film in genau diesen Momenten mit einem wertigen Look und spannenden Einzelszenen überzeugen. So ist der zweite Akt des Films mit seiner opulenten Set- und Kostüm-Gestaltung und einem gelungenen Aufbau von Suspense ausgesprochen sehenswert und unterhaltsam. Und auch die personifizierte Darstellung der jeweiligen Tode sorgt regelmäßig für erschreckende Bilder, die zusammen mit dem effektiven Sounddesign die gewohnten Schockmomente des modernen Mainstreamhorrors kreieren. Da kann man zuweilen die mittelmäßige Geschichte und die unzureichende Ausarbeitung der Figuren vergessen und sich im entworfenen Geisterbahn-Grusel verlieren, der mit auffällig viel Aufwand auf die Leinwand gebracht wurde. Wer also nach kurzweiliger Unterhaltung im Horrorformat sucht, wird vor allem mit passendem Publikum im Kino eine solide Erfahrung bekommen.

 

Nur für Fans

Unterm Strich stellt sich Whistle als ein Film mit spitzer Zielgruppe heraus. Wer mit Filmen wie The Nun oder Tarot bereits seinen Spaß haben konnte, dem kann man Whistle eingeschränkt empfehlen. Wer jedoch nach mehr als nur den typischen Schreck- und Gewalteffekten sucht, der sollte sich aktuell vielleicht eher Richtung Obsession orientieren. Und wen Horror ohnehin zu sehr verschreckt, der lässt hiervon auf jeden Fall die Finger.

 

Gesehen von Samuel Kindler