
Filmkritik: Primetime
Regie: Lance Oppenheim
Drehbuch: Ajon Singh
Schnitt: Daniel Garber
Kamera: David Bolen
Produktion: A24 / USA
Hintergrund
Am 5. November 2006 beging ein texanischer Staatsanwalt Suizid, nachdem er ins Visier der amerikanischen Hit-Sendung „To Catch a Predator“ geriet. Der Vorfall löste heftige Kritik an den Methoden der Produktion und ähnlichen Shows aus. Die Familie reichte eine Klage ein, die mehr oder weniger zum Ende der Sendung führte. Wie es überhaupt zu dem Vorfall kam und was ein junger, aufstrebender Schauspieler damit zu tun hat, kann man im lang erwarteten Spielfilmdebüt von Lance Oppenheim sehen.
„Primetime“ kommt am 24. September 2026 in die deutschen Kinos und setzt mit Robert Pattinson in der Hauptrolle hohe Erwartungen.

Inhalt
Im Jahr 2006 steht Chris Hansen (Robert Pattinson) im Mittelpunkt seiner gefeierten Sendung „To Catch a Predator“. Gemeinsam mit seiner Produzentin Andie (Merritt Wever) und der Hilfe seines neuesten Lockvogels „Decoy-Dan“ (Skylar Gisondo) lockt er Männer, die sich online mit vermeintlichen Minderjährigen verabredet haben, in Häuser, um sie dort vor laufenden Kameras zu entlarven.
Was als moralischer Kampf gegen Sexualstraftäter anfängt, entwickelt sich schnell zu einem Spiel um Einschaltquoten, Macht und Aufmerksamkeit. Der Druck auf Hansen und sein Team steigt, sodass sie ihre Aufmerksamkeit auf den nächsten großen Fall in Texas richten. „Keiner der kleinen Fische, sondern ein Wal“, so beschreibt ein Mitarbeiter der Show das Ziel in der texanischen Kleinstadt Murphy.
Genre
Während Biopics und Filme, die auf wahren Begebenheiten basieren, die Welt des Films erklimmen, setzt sich „Primetime“ klar von anderen Filmen ab. „Primetime“ ist ein Thriller, ein Drama und manchmal ein Horrorfilm. Er hebt sich durch seinen surrealistischen Stil und seine blendenden Neonfarben ab. Er erinnert eher an einen alten Detektiv-Thriller aus den 90ern als an einen Biopic über einen gierigen Redakteur.
Das Ganze hat auch einen Grund, denn „Primetime“ fokussiert sich nicht einfach nur auf die Gier von Hansen, sondern zeigt dem Publikum auch den Druck und Stress, der Hansen in eine Psychose zwingt. Mit der Zeit kann er die Menschen, die er jagt, nicht mehr von dem „antiken Bösen“ unterscheiden, das er so hasserfüllt versucht zu bekämpfen.
Und genau diese Obsession und die Frage, was die Jagd nach dem Bösen aus Hansen macht, machen aus „Primetime“ nicht einfach nur einen coolen Biopic, sondern einen dunklen Psycho-Thriller.

Schauspiel
Wenn man gerne ins Kino geht, ist man wohl an einer Sache im Jahr 2026 nicht vorbeigekommen: Robert Pattinson. Nachdem er mit „The Drama“ ins Jahr gestartet ist, hat er auch in „The Odyssey“ eine spannende Rolle eingenommen. Doch mit „Primetime“ hat er jetzt seinen Olymp erklommen.
Robert Pattinson hat in diesem Film nicht einfach nur Chris Hansen gespielt, er hat sich förmlich in ihn verwandelt. In der Originalversion übernimmt der Star seinen Akzent nahezu perfekt, doch auch in der deutschen Version stimmen die Mimik, die Gestik und das komplette Paket. Er spielt den narzisstischen und egoistischen Chris Hansen so gut, dass man sich lieber nicht mehr in Robert Pattinson wiedererkennen möchte.
Doch auch der restliche Cast überzeugt. Die Musikerin Phoebe Bridgers gibt hier ihr Schauspieldebüt als eine der Lockvögel von Hansen. Sie spielt überzeugend, selbstbewusst und zeigt Hollywood, dass sie nicht nur Musik kann, sondern auch Film.
Fazit
Insgesamt ist „Primetime“ einer der stärkeren A24-Filme dieses Jahr, der vor allem durch seinen Stil, seinen Cast und sein Selbstbewusstsein überzeugt. Lance Oppenheim wusste ganz genau, was für eine Story er liefern will und genau diese hat er geliefert.
Unsere Empfehlung geht raus, vor allem für die Originalversion.
Gesehen von Artur Manapov
