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Konfrontation: Mia Holl (Hannah Herzsprung) mit ihrem Bruder Moritz (Damian Hardung)

 

Corpus Delicti

Regie und Drehbuch: Lena Stahl

gleichnamiger Roman: Juli Zeh

Kamera: Philipp Haberlandt

Produktion: Wiedemann & Berg Filmproduktion

Verleih: LEONINE Studios

Filmlänge: 108 Minuten

Kinostart: 1. Oktober 2026

Besetzung: Hannah Herzsprung, Damian Hardung, Christian Friedel, Alexander Fehling, Haley Louise Jones, Imogen Kogge, Leopold Hornung, Esther Behtold

 

Genre: Science-Fiction/ Dystopie/ Drama

Oberbeleuchter: Christofer Durth, Filip Marek

Best Boy Licht: Alexej Bareš

Komponist: Volker Bertelmann

Szenenbildner: Christian Goldbeck

 

 

Inhalt

Die angesehene Mia Holl (Hannah Herzsprung) ist Neurologin und arbeitet gemeinsam mit ihrer besten Freundin Christiane Bülow (Haley Louise Jones), um „Die Methode“ des Gesundheitssystems zu erweitern. Vor ihren Augen wird kurzerhand ihr jüngerer Bruder Moritz Holl (Damian Hardung) eines schweren Verbrechens beschuldigt. Es steht außer Frage, dass der Anwalt (Christian Friedel) oder der hilfsbereite Journalist Heinrich Kramer (Alexander Fehling) etwas ausrichten können. Mia glaubt an die Unschuld ihres Bruders und zweifelt das unfehlbare System an. Damit wird sie selbst zur Zielscheibe.

 

 Moritz Holl (Damian Hardung) und Mia (Hannah Herzsprung) in der Sperrzone

 

Sounddesign und Filmmusik

Wer sich die Filmmusik genau anhört, der wird merken, dass bereits die Darstellung mit Bild und Ton, der Produktionsfirmen bereits ein Teil des Films ist. Dies sind wichtige Hinweise für Spannungsaufbau. Im Fall von CORPUS DELICTI wird das Logo von LEONINE Studios bereits in mit der Filmmusik dargestellt. Auch das Color Grading der Produktions- und Vertriebsfirma wurde so umgestaltet, dass es sich der Farbgebung des Films anpasst. Dadurch wird dramaturgisch audiovisuell bereits am Anfang eine einheitliche Filmgestaltung aufgebaut. Die Filmmusik von Volker Bertelmann ist in den Spannungsaufbau ebenso eingebaut, wie das Soundsystem sich den Umgebungen der Figuren anpasst. In der Szene, als Mia Holl eine rote Lichtlinie überschreitet, um in ein Sperrgebiet zu gelangen, das außerhalb der Kontrolle des Gesundheitssystems ist, wird die Filmmusik dem Unbekannten, Dunklen und Verbotenen angepasst. Die sonst so hell, klar und sauber dargestellte Umgebung der Bewohnerinnen und Bewohner des Systems, werden mit Tönen unterlegt, die einen modernen Rhythmus vorgeben. Durch künstliche Intelligenz, Sensoren und eingesetzten Chips werden Daten aus dem Blut, Schweiß, Speichel und Körperflüssigkeiten entnommen. Dadurch entstehen Statistiken, die in eine Art Punktesystem für die Gesundheitsskala umgewandelt werden. Audiovisuell wird dies glaubhaft, kreativ und im besten Sinne des Science-Fiction Thriller und Dramas mittels dem Sounddesign und der Filmmusik umgesetzt. Wenn Mia wiedermal einen perfekten Gesundheitszustand erreicht hat, weil sie weder trinkt, noch raucht, sich sehr gesund ernährt, für ausreichend Schlaf sorgt, ein geregeltes Einkommen hat, in ihrer sozialen Schicht angesehen ist, dann wird diese Bepunktung in Form von Tönen einer zarten männlichen KI-Stimme dargestellt. Vor allem das Sounddesign erinnert an die Vertonung des Dopaminausschuss. Ähnlich wie in der Social-Media-Gesellschaft wird das Belohnungssystem statt über „Likes“ mit den Punkten und den damit verbundenen Tönen umgesetzt. Die Stimme der künstlichen Intelligenz, scheinen direkt vor Ort aus einer unbekannten Richtung zu kommen. Sie sind Teil der Diegese und kommen nicht aus dem OFF. Sie ist Teil der Erzählung im Film.

 

Architektur und Handlungsraum

Wiederkehrende Elemente wie Glas, Holz und Beton finden sich in der Architektur innerhalb des Gesundheitssystems im Film wieder. Für das Szenenbild ist Christian Goldbeck verantwortlich. Diese eingearbeiteten Materialien schaffen durch ihre Wiederholung eine Kontinuität, die auf das Publikum geordnet und strukturiert wirken kann. Den Kontrast bietet die Sperrzone, bei der keine Kontrolle und damit keine Sicherheit seitens des Systems gewehrleistet werden kann. Dies findet sich auch in der Bauweise wieder. Als Beispiel kann hierfür das Elternhaus der Familie Holl genannt werden. Es sind Elemente von Holz und Glas eingearbeitet, jedoch sind die Materialien chaotischer angeordnet. Sie folgen ihren eigenen Gesetzen und sind frei gestaltet. Dabei wird der Handlungsraum auch den übergeordneten Themen der Systeme gerecht. Der Vater von Mia Holl war ein Freiheitskämpfer und auch der Sohn scheint in dessen Fußstapfen getreten zu sein. Diesen freien Stil kann man im Aufbau des Hauses wiedererkennen. Fotos hängen an der Wand, zusammen, aber nicht linear oder strukturiert geordnet. Während Mia Holl in ihrer Wohnung einige Holzfassaden hat, womit ihre Wohnfläche wärmer wirkt, sind in der Gefängniszelle und dem Trennungsbesprechungsraum hingegen nur noch Glas und Beton, ein grau in grau. Dies trübt nicht nur die Stimmung, sondern drückt sie förmlich runter. Keine Pflanzen, kein Platz für Freiheit, kein Platz für ungehorsam.

 

Sylta Falk (Imogen Kogge) in einer Bar mit Heinrich Kramer (Alexander Fehling)

 

Lichtführung und Lichtgestaltung

Corpus Delicti (2025) ist ein Science-Fiction- und Dramafilm, der einen starken Focus auf die Lichtführung und Lichtgestaltung gelegt hat. Die Oberbeleuchter Christofer Durth und Filip Marek, sowie der Best Boy Licht Alexej Bareš schaffen eine Darstellung von Licht, die als modern wahrgenommen wird. LED-Streifen sind nicht merklich zu sehen, aber werden in klaren Linien in das Szenenbild eingearbeitet. Auf dem Boden erscheint eine leuchtend rote Linie, wenn Mia Holl die Sperrzone betritt. Hier wird Rot als klares Warnsignal wahrgenommen. Ein staatliches Verbot wird missachtet.

In dem grauen Betonkomplex, dass zur „Die Methode“ gehört, wird in einem Spiel von hell und dunkel dargestellt. An der oberen Seite der Wände sind warmer Lichtstreifen angebracht. Die Räume wirken durch die Reflektion des Lichts sauber, hygienisch und auch eintönig. Die Dynamik verändert sich, sobald der Journalist Herr Kramer in das Leben von Mia tritt. Lichtstangen in grün, rot und rosa mit sichtbaren Lichtquellen erscheinen auf der Bildfläche. Das Leben der Neurlogin Mia Holl wird bunter, spannungsreicher und spielerischer. Es ist wie eine Art Durchbruch aus dem Grau in Grau. Durch den Licht- und Farbwechsel entsteht eine Art Erwachen, die nicht nur Mia Holl auf die Suche begibt. Auch die Zuschauer/innen haben die Wahl mehr in den Aufnahmen zu entdecken, als sie es bisher getan hatten. Die sterile Welt, in der „Die Methode“ das Herzstück bildet, die auf makellose Gesundheit beruht, ist eintönig und einspurig. Sobald ein Love-Interest der Hauptfigur auftritt, bekommt das Bild Farbe und damit wird dynamisch Spannung aufgebaut. Auch weil nicht klar zu erkennen ist, wer Mia wirklich auf der Suche nach Beweisen helfen will.

Besonders auffällig und sehr gut umgesetzt ist die Lichtführung bei „Corpus Delicti“. Der Trailer verrät bereits durch die Lichtführung und Lichtkomposition wichtige Details, auch wer diese dystopische Gesundheitsdiktatur nicht überleben wird. Mia Holl wird im ersten Drittel des Filmes im Frame so dargestellt, dass die Lichtführung aus der Zuschauer/innenperspektive von rechts kommt. Bei Moritz Holl wird diese von der linken Seite dargestellt. Er spricht immer wieder von der Freiheit. Über die Figurenentwicklung von Mia Holl wandert die Lichtführung im Frame von rechts auf links. Sie wird sich mehr und mehr der unterdrückenden Strukturen des Staates bewusst, als sie das makellose System in Frage stellt. In der Kunstgeschichte wird vor allem die Lichtführung des 17. Jahrhunderts in Europa zum goldenen Zeitalter und genau dieses Wissen kann bei dem Film „Corpus Delicti“ anwenden werden. Aus der Perspektive der Betrachter/innen wird die Lichtführung von der linken Seite dargestellt. Würde man hingegen in das Gemälde hineingehen und die Perspektive der Person annehmen, würde das Licht von rechts kommen. In der europäischen Kunstgeschichte wird diese Seite als das Göttliche wahrgenommen. Die Hauptfigur erwacht aus dem Trott, hinterfragt, zweifelt an, nicht nur das Umfeld, das System, die Familie sondern auch sich selbst. Ihr Ziel ist es die Wahrheit herauszufinden und dabei auch ihre eigene Freiheit zu erkämpfen.

 

Gesehen von Dschamila Noe

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