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Exile Family Movie Österreich 2006 REGIE: Arash TON: Arash, Arman, Azy, Ali, Géza Horvát, Bernhard Schmid, Hossein, Ilse Lahofer, Michael Katz |
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Internationales Programm
Regie: Arash
Exile Family Movie erzählt die Geschichte einer iranischen Exilantenfamilie, die vor über zwei Jahrezehnten nach der Revolution aus dem Iran floh und über die Türkei ein neues Zuhause in Österreich fand. Zusammen mit seinen Eltern, seiner jüngeren Schwester und dem kleinen Bruder unternahm der damals neun Jahre alte Arash die Flucht in die Freiheit. Er ist zugleich auch Regisseur dieses sehenswerten und eindrucksvollen Filmdokuments und ermöglicht dem Zuschauer einen intimen und ungeschminkten Blick in die Freuden und Probleme seiner Familie im Asyl.
Seit seiner Ankunft im neuen Zuhause hat der Filmemacher die Entwicklung der Familie per Videokamera dokumentiert. Er montiert aus verschiedenen Filmen, die unterschiedliche Phasen der Familienentwicklung zeigen, diese wunderbar authentische Geschichte einer sehr humorvollen und stolzen Familie.
Im Film wird das feste Zusammengehörigkeitsgefühl dieser Familie deutlich, die mit festen Grundätzen lebt und mit großem Respekt und Toleranz miteinander umgeht. Jedes Mitglied der Familie wird als eine starke Persönlichkeit dargestellt mit eigener Meinung und großer Unabhängigkeit. Da ist der intellektuelle Vater, der unter der Schahregierung als politisch gefährlich eingestuft und zu mehreren Jahren Haft verurteilt wurde. Er hat nie sein Weltbild einer freien Meinungsäußerung aufgegeben, auch nicht unter Strafandrohung, und bringt seinem Sohn großes Verständnis in diesem Film entgegen. Die Mutter, die als Lehrerin jetzt arbeitet und mit ihren modernen Ansichten den Gegenpool zum Vater bildet. Die Schwester, die im Laufe des Films promoviert und die dem Klischee der untergebenen, Kopftuch tragenden islamischen Frau widerspricht. Und schließlich der kleine Bruder, der wie die gesamte Familie mit Redewitz und Humor den bevorstehenden Ereignissen entgegen sieht.
Die Familie lässt sich nicht den steinernen Weg anmerken, den sie in der Vergangenheit zu gehen hatte. Man wird stattdessen von dem Humor und der Weisheit der einzelnen im Herzen berührt. Die Trennung von der Familie scheint der einzige Grund, der sie belastet. Der Gedanke, von der Familie für immer getrennt und ohne Aussicht auf eine Rückkehr in die Heimat, macht alle in der Familie traurig. So ist der lang gehegte Wunsch, von dem maßgeblich auch dieser Film erzählt, die Zusammenführung der Familie aus allen Teilen dieser Erde. Es kommt schließlich zu einem Happyend in Mekka, wo versteckt und unter großer Vorsicht sich alle treffen und losgelöst und glücklich das Wieder sehn feiern.
Ein herzerwärmender Film und Zeitzeugnis über eine Familie, die trotz der erlebten Schicksale nie ihre Prinzipien verleugnet, sich den politischen Zwängen nie gebeugt und sie mit Humor und Erfindungsgeist überwunden hat.
Gesehen von Roderik Helms
Eine bizarre Geschichte, in der eine Verbindung zwischen Haaren und dem Tod besteht.
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Für Armin ist das Leben nur öde
Auch Christoph Hochhäusler wird zur "Neuen Welle", der so genannten "Berliner Schule" gerechnet. Auch er zeigt alltägliche Situationen und die Leere, die in ihnen steckt.
Er konzentriert sich auf die Sicht und (fehlende) Perspektive eines Jugendlichen: der 18jährige Armin ist mit der Schule fertig. Er weiß nicht, was er will, was ihn interessiert und stromert durch die Nacht, immer ziellos unterwegs in der Hoffnung, dass in seinem Leben endlich einmal etwas passiert. Er schreibt Bewerbungen, aber spätestens beim Bewerbungsgespräch zeigt sich schnell seine Lustlosigkeit und mangelnde Bereitschaft, das Spiel der Erwachsenen mitzuspielen. Er steht im Schatten seiner zwei Brüder, die es offensichtlich "geschafft haben", nützliche Mitglieder der Gesellschaft geworden sind.
Statt dessen treibt er sich lieber an Autobahnraststätten herum, träumt sich in eine Welt aus homoerotischer Selbsterniedrigung und erwiderter Liebe. Eines Tages schreibt er einen Bekennerbrief für einen Unfall. Wichtigmacherei oder Ausbruchsversuch? Für eine kurze Zeit scheint das Leben ein bisschen lebenswerter. Doch auch dieser Traum kann nur mit einem bösen Erwachen enden.
Es ist das Bild einer selbstzerstörerischen Identitätskrise, das Christoph Hochhäusler zeichnet- nicht nur das Portrait einer einengend miefigen Vorstadtfamilie. Dabei lässt die Schilderung des Familienlebens manchmal ein bisschen Realitätsnähe vermissen. Die Dialoge sind teilweise so, wie man sie aus Teenagerzeiten subjektiv in Erinnerung hat, sind also stark überzeichnet und eigentlich schon über der Grenze zur Karrikatur. Insgesamt entwirft Hochhäusler aber ein beklemmendes Bild eines orientierungs- und führungslosen Jugendlichen, der langsam in eine eigene Welt abdriftet.
"Falscher Bekenner" war offizieller deutscher Beitrag in Cannes 2005; Constantin von Jascheroff (Armin) erhielt auf dem Filmfest München 05 für seine Darstellung des Armin den Förderpreis.
Gesehen von Johannes Prokop