Am Donnerstag wurde das Filmfest München im Matthäser Palast feierlich eröffnet. Bis zum 7. Juli wird ein spannendes internationales Programm geboten.

 

Erstmals seit Jahren herrschten am Eröffnungstag einmal keine tropischen Temperaturen, im Gegenteil, es regnete, was für Kinobesuche ja bekanntermaßen nicht schlecht sein soll. Als weitere für die Besucherzahlen in den Kinos sicher positive Wendung darf das Ausscheiden der Nationalelf aus der WM betrachtet werden.

 

So fängt denn am Eröffnungsabend auch alles gut gelaunt und gewohnt glamourös an, Festivaldirektorin Diana Iljine begrüßt die Gäste, Live Musik wird auf der Bühne gespielt, der Eröffnungsfilm angekündigt, der Klassiker "Meckie Messer" gemeinsam mit dem Publikum gesungen und man darf dabei anwesend sein, wie amüsante Spitzen zwischen Münchner Lokal,- und Bayerischer Landespolitik verschossen werden.

 

Also viele gute Gründe zum Lachen und bester Festivalstimmung. Wenn man für die Eröffnungsveranstaltung zwischen der Veranstaltung und dem Eröffnungsfilm trennen darf, so verdient diese eine glatte Eins.

 

 

Mackie Messer

Dann kam der Eröffnungsfilm. Mackie Messer ist eine Hommage an Bertold Brecht / Kurt Weill und erzählt als Rahmenhandlung die Geschichte rund um eine fiktive Verfilmung der Dreigroschenoper, welche Brecht schlichtweg nicht nach dem Geschmack der Produzenten gestalten will. Im Zentrum bleibt die schrille Geschichte rund um den attraktiven Verbrecher Mackie Messer als Bürger (Tobias Moretti), über den korrupten Polizisten, der ihn schützt, über gutherzige Prostituierte und den bestens organisierten Bettlerkönig Peachum (Joachim Król).

 

Eigentlich waren die Zutaten, wenn man das so sagen darf, ja gar nicht schlecht. In den Hauptrollen sind mehrheitlich gute Schauspieler dabei: Lars Eidinger, Tobias Moretti, Hannah Herzsprung, Joachim Król, Claudia Michelsen, Britta Hammelstein, Robert Stadlober, Peri Baumeister und Godehard Giese.

 

Auch das Szenenbild, die Kostüme, Kamera und Licht sind hochwertig und sicherlich sehr teuer gewesen. Die Musik musste aufgenommen, vom Orchester des Südwestrundfunks eingespielt werden, Studiobauten, Compositing und vieles mehr zeigen deutlich, was visuell so alles machbar ist. Es wird sehr viel gesungen und getanzt, es gibt Beispiele der Kinogeschichte, wie Baz Luhrmanns "Moulin Rouge" in denen das auch genial funktioniert hat. Und doch ist der Film für Nicht-Brecht Jünger nur schwer auszuhalten.

 

Bei allem Respekt vor der großen Anstrengung und vor Bertold Brecht, der den Film vermutlich vor härterer Kritik schützen wird- die größten Mängel liegen leider im Drehbuch, der Dramaturgie und der Regie. Hat denn niemand, der das Drehbuch vorher gelesen hat, die sich andeutenden Probleme bemerkt?

 

Leider darf die Filmfigur Bertold Brecht, gespielt von Lars Eidinger, keinen einzigen normalen Satz als "atmender Mensch" sagen, dem man vielleicht gerne etwas näher gekommen wäre. Statt dessen lässt Regisseur Joachim A. Lang seinen Protagonisten ausschließlich Zitate von Brecht sprechen, was diesen zu einer Zigarre rauchenden blutleeren Vortragspuppe werden lässt. Man kommt dieser Figur nicht nah, sie rezitiert sich selbst, als lese sie aus einer Doktorarbeit vor. Lars Eidinger hat es geschafft, dass man vor diesem Zitatenrausch nicht sofort davonläuft, bei anderen Schauspielern würde man vermutlich nach wenigen Minuten aussteigen.

 

Immer wieder montiert der Regisseur historische Filmaufnahmen ein, welche politische und gesellschaftliche Themen aus Brechts Zeit in das Heute transponieren sollen. Dabei schafft er es trotz einzelner Versuche nicht, die aktuellen Brennpunkte unserer Zeit intelligent in das Spektakel einzuflechten. So bleibt Brechts Kritik an der Gesellschaft weitgehend gestrig, womit eine weitere gestalterische Möglichkeit verschenkt wurde.

 

Vielleicht hätte etwas mehr Respektlosigkeit dem historischen Brecht gegenüber dem Film gut getan, ihn artifizieller werden zu lassen und weniger zu einer Brecht huldigenden Fleissarbeit. Vielleicht wäre dann auch so mancher sexistische Dialog vermieden worden, der vielleicht authentisch sein mag, aber 2018 dann trotzdem deutlich anders umgesetzt werden sollte.

 

Zwischen und sogar parallel zu den Zitatsätzen Brechts werden Songs von Kurt Weil wie eine nicht enden wollende Nummernrevue abgespult, laut, schrill, wie die Dreigroschenoper nun mal ist, unterfüttert mit lautem Sound-Design, sodass ruhigere Passagen kaum entstehen können. Als hätte der Regisseur Angst davor gehabt, wahrhaftige Momente in seinen Charakteren ohne akustischen Pomp zuzulassen. Der Film als solcher hat im Gegensatz zur Dreigroschenoper, keine funktionierende dramaturgische Entwicklung. Lautheit folgt auf Lautheit, er vermeidet ruhige oder gar berührende Momente, holt nie langsamen Anlauf um zu einem krachenden Höhepunkt zu gelangen, er kennt fast nur den Maximalwert.

 

Der Film war sicherlich ein gewaltiger Kraftakt, ein Aufwand, nicht nur finanziell. Hervorragende Zutaten und dennoch... Eine monströse Huldigung Brechts ist es geworden. Ein Monument voller schräger, schriller und lauter Weill-Songs, über ein Regie-Monument. Filme können aber eigentlich viel mehr, sollen im Idealfall in den Zuschauern aber auch Emotionen auslösen,- das ist "Mackie Messer" schlichtweg nicht gelungen. Man muss Brecht und Weill bedingungslos mögen, um es 130 Minuten lang zu ertragen.

 

(Gesehen von Mathias Allary)

 

Zahlreiche Events

 

Die Schauspielerin und Autorin Emma Thompson wird am Freitag um 18 Uhr mit einem CineMerit Award ausgezeichnet. Die zweifache Oscarpreisträgerin beehrt das Festival persönlich und wird am Freitag um 16 Uhr in der Black Box des Gasteigs zu Fragen etc. anwesend sein.

 

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Auch in diesem Jahr ist das Movie-College Medienpartner des Filmfests und berichtet über Filme, Filmemacher, Veranstaltungen und mehr.

 

Workshops 2019

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