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In the cut 119 min., Erotikthriller, USA/Australia/UK 2003 REGIE: Jane Campion DARSTELLER: Meg Ryan, Mark Ruffalo, Jennifer Jason Leigh, Kevin Bacon |
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Regie: Jane Campion
Kinostart: 30. September 2004
Wie schon im Film " Das Piano" beschäftigt sich Jane Campion mit Themen wie Sex und Gewalt. Sie verbindet sie sehr geschickt mit einander und steckt sie in eine Viele Regisseure widmen sich dieser Thematiken, die immer wieder Kontroversen auslösen. Sie sind fast das Lieblingsmotiv vieler Filme geworden. Im Mittelpunkt dieses Filmes stehen die verborgenen und unerfüllten, erotischen Phantasien einer Frau. Es ist eine Studie über ihre komplexe Innenwelt, in der sie sich eingeschlossen hat und durch die Liebe Befreiung findet. Es ist eine Liebesgeschichte zweier einsamer Seelen in einer Großstadt, wo die Morde verübt werden. Und wie es so oft der Fall ist, gehen hier sexueller Missbrauch und Mord Hand in Hand.
Der Schauplatz ist New York. Die Hauptprotagonistin Frannie (Meg Ryan) ist ein Großstadtsingle. Sie ist Lehrerin und unterrichtet an einer Universität. Sie hat in dieser Metropole ihre eigene Welt aufgebaut, in der sie sich wohl und sicher fühlt. Frannie führt nach außen ein eher langweiliges und ereignisloses Leben, doch durch ihre poetische Innenwelt kompensiert sie ihr einsames Dasein. Sie ist eine Träumerin und flüchtet in ihre Phantasien, um da Harmonie zu finden. Doch es passiert etwas, das ihr ganzes Leben auf den Kopf stellt. Ungewollt wird sie Zeugin einer Szene, die etwas in ihr verändert, wodurch ihr Leben einen neuen Lauf nimmt. Sie trifft sich in einer Bar mit einem ihrer Studenten zur Besprechung seiner Arbeit. Während der Suche in den dunklen Kellerräumen nach der Damentoilette beobachtet sie ein intimes Spiel, wie eine Frau mit knall blauen Fingernägel einen Mann, der ein kleines Tattoo auf dem Handgelenk trägt, oral befriedigt. Sie wird von dem Ganzen gefesselt und kann ihren Blick nicht davon abwenden. Am nächsten Tag taucht bei ihr ein Detective, namens Malloy (Mark Ruffalo) auf und berichtet, dass eine Frau in der Nachbarschaft tot aufgefunden wurde. Er trägt das gleiche Tattoo wie der Mann aus der Bar. Sie weißt nicht, ob das bloß ein Zufall ist oder vielleicht hat sie ihn beobachtet. Auf Frannies Wunsch, schildert er ihr wie die Frau auf brutalste Weise umgebracht wurde. Sie wird nicht das Gefühl los, dass er sie anzumachen versucht. Sie spürt gleich eine gewisse Zuneigung, eine sexuelle Verbindung zwischen ihr und dem einerseits machohaften, andererseits geheimnisvollen und charmanten Detective. Da beginnt ihre gefährliche, aber auch sehr leidenschaftliche Romanze, die in einer Katastrophe zu enden droht. Nach einem Überfall auf Frannie ruft sie verzweifelt Detective Malloy an und bittet ihn in ihre Wohnung. Bei der Schilderung der Ereignisse kommen die beiden sich näher und ihr Gespräch endet im Schlafzimmer, wo Frannie ihre offenste und leidenschaftlichste Sexualerfahrung macht. Danach wird sie ständig zwischen Misstrauen gegenüber Malloy und dem starken Verlangen nach seiner Nähe hin- und her gerissen.
Zwei Welten prallen in dem Film aufeinander. Der Reiz den anderen besser kennen zu lernen führt die Protagonisten zusammen. Es entsteht eine Bindung. Doch der Zuschauer spürt ständig die gefährliche Gegenwart des Killers. Die Spannung bleibt und man wartet ungeduldig, was als nächstes kommt. Trotz meiner allgemeinen Begeisterung für die Handlung muss ich sagen, dass das Ende zu schnell kommt und nicht genug ausgearbeitet wirkt.
Regisseurin Jane Campion hat eine spektakuläre, hocherotische Liebesgeschichte mit einem meisterhaften Thriller in Film Noir Manier zusammengebracht. Sie hat ihre Protagonisten dem Publikum in ihrer gefährlichen Leidenschaft offenbart. Der ganze Look des Filmes unterstützt die intime Atmosphäre der Story. Für alle Versteher des Genre ist der Film sehr interessant und empfehlenswert. Er erinnert ein wenig an den Kultklassiker "Klute" von Alan J. Pakulas (1971). Ein riesen Hightlight dieses Movies ist natürlich Meg Ryans mutiges Imagewechsel. Sie versucht dem Klischee zu entkommen, dem sie nach jedem ihrer Filme gerecht wird. "Promoterin" war ein bewusster Versuch die andere Richtung einzuschlagen. In "In the cut" wagt sie bedeutend mehr und zieht sich für die Darstellung von Frannie komplett aus, im direkten und indirekten Sinne des Wortes. Das ist auf jeden Fall ihre ungewöhnlichste, wenn nicht sogar die beste Rolle.
Gesehen von Xenia Sigalova
DOK.Fest Filmkritik zu einem gefilmten Experiment rund um einen entscheidungslosen Mann.
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Inland Empire 180 Min., USA, P, F 2006 REGIE: David Lynch DARSTELLER: Laura Dern, Jeremy Irons, Justin Theroux |
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Regie: David Lynch
Kinostart: 24. April 2007
Noch länger als mit dem Filmschaffen beschäftig sich David Lynch mit der Malerei. Genauer ist er eigentlich über die Malerei zum Film gekommen. Die Kenntnis dieses biografischen Details erweist sich immer wieder als äußerst hilfreich, versucht man einen Zugang zu seinen Filmen zu finden. Für sein neuestes Werk "Inland Empire" trifft dies besonders zu. Während dieser dreistündigen tour de force entsteht immer wieder der Eindruck, man würde der Erschaffung eines Bildzyklus beiwohnen. Es gibt Studien und Skizzen, Grundierungen und Ausführungen, immer wieder wird übermalt und gemischt. An einigen Stellen ist der Film reine Oberfläche, Textur, Spiel von Licht, Schatten und Farbe, an anderen dann wieder pure Idee oder reine Emotion, meist jedoch von allem etwas und in Summe mehr als die Einzelteile. In vielerlei Hinsicht wirkt "Inland Empire" so, als wäre es der erste "echte" Lynch. Durch die weitgehend unabhängige Finanzierung und die Eigenproduktion zusammen mit seiner Hauptdarstellerin Laura Dern, hat Lynch zum ersten mal seit seinen experimentellen Kurzfilmen, die Fesseln des Studiosystems völlig abstreifen können. Das äußert sich schon allein in der monumentalen Länge des Werks. Aber auch inhaltlich und stilistisch werden hier die Grenzen seiner vorherigen, selbst schon grenzgängerischen Arbeiten noch weit überschritten. Möglich wird diese Art der Produktion erst durch kostengünstige digitale Videotechnik, welche auch die Lynche Bildästhetik nachhaltig beeinflusst. Trotz aller gravierenden Veränderungen gibt es in "Inland Empire" aber auch viel vertrautes wieder zu entdecken. Allen voran die wunderbaren Räumen mit ihren exzessiven Texturen, die dunklen Gänge und zahllosen Türen, die Lampen und Telefone. Verschiedenen Gestalten aus dem Reigen von Gangstern, Huren, Schauspielern, Zigeunern und Halbwesen ist man in der ein oder anderen Form bei Lynch ebenso schon begegnet, wie den Themenkomplexen des Weltzweifels, der Eifersucht oder der Prostitution. Erzählt wird all dies noch weniger als bisher in einer linearen, logisch zwingenden Handlung, sondern durch eine Reihe von Geschichten und Bildern, die auf vielfältigste Art zu einander in Beziehung stehen, sich gegenseitig überlagern, ergänzen oder erst hervorbringen. Lynch gibt wenig vor, er eröffnet einen Raum der Möglichkeiten. Dort einen Film zu sehen, bleibt Aufgabe des Zuschauers. Das ist ziemlich anstrengend, so dass hin und wieder die drei Stunden ihr Gewicht spüren lassen. Aber die Mühe lohnt, denn nach jedem rezeptiven Formtief packt einen der Film aufs neue, mit einem grandiosen Bild, einer Flut von Assoziationen oder schlicht mit dem nichts geringeren als grandiosen Schauspiel von Laura Dern. Noch tiefer als bisher führt David Lynch diesmal ins "Inland Empire", in das Reich im Inneren. Was dort angeboten wird, sollte jederzeit kritisch hinterfragt werden, nicht zuletzt der fatalistisch moralingetränkte und chauvinistisch angehauchte Blick auf die Welt. Es gilt zu bedenken, dass der Film lediglich zu Perspektiven verleitet, jedoch keine Positionen einnimmt. Nicht zu vernachlässigen ist auch die gehörige Priese Humors, mit welcher Lynch immer wieder an den ungewöhnlichsten Stellen und mit viel Subtilität auf zuwarten weiß. Nicht alles ist so ernst, wie es vielleicht auf den ersten Blick scheinen mag. Die Reise nach Innen, so chaotisch, unberechenbar und wechselhaft sie auch sein mag, ist auf jeden Fall ein Erlebnis, das sich Freunde der cineastischen Grenzerfahrungen auf keinen Fall entgehen lassen sollte.
Gesehen von Georg Göttlich
Ist das das Ende des Universums? David Lynch nimmt uns in seinem neuen Film mit auf eine Reise. Lynch will es wissen. Er zieht alle Register, wechselt Orte, Personen, stellt sie in Zusammenhang, wie man es nicht erwartet hätte. Wie in Mulholland Drive geht es um eine Schauspielerin, die sich in verschiedenen Variationen ihrer Realitäten bewegt.
Viele Elemente der Lynch'schen Welt tauchen auf: Set-Designs in fahlen Farben, dämonisches Grinsen, dämonisierte alte Männer, rote Vorhänge, parallele Realitäten, ängstliche Protagonisten, klingelnde Telefone, rätselhafte Dialoge, am laufenden Meter unbekannte Figuren, die seltsame Dinge sagen, in dunklen Zimmern endende Flure und sprunghafte Wechsel zwischen allen Ebenen. (Die gelben Mittelstreifen auf der Straße fehlen allerdings.)
Aber Lynch lässt einem keine Chance. Aber darum geht es sicherlich auch nicht. Kausale Zusammenhänge sind der falsche Ansatz diesem Konstrukt näher zu kommen.
Noch nie habe ich erlebt, dass so viele Zuschauer den Saal während einer Vorstellung verlassen haben. Das ist verständlich, denn die meisten Menschen haben Angst vor dem Fremdartigen, Unbekannten. Sie sind ausgestiegen aus dem Raumschiff, in das Lynch uns gesetzt hat, mit dem er uns durch sein Universum führt. Jahre des gespannten Wartens sind vorbei. Wir haben einen Flug durch seine Zeit gemacht. Die meisten seiner stilistischen Elemente wurden nun in einem Film vorgeführt, dass man bisweilen das Gefühl hatte, es handele sich um einen überambitionierten Film eines Nachahmers oder eines Absolventen. Doch Lynch ist kein Absolvent und so rätseln wir weiter, was er uns jetzt eigentlich gezeigt hat. Ist diese Konzentration (oder Kumulation) von Stilmitteln nun das „Schwarze Loch", durch das er uns katapultiert, um dahinter in ein Paralleluniversum zu gelangen? Oder haben wir das Ende des Universums erreicht?
Gesehen von Johannes von Alten