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Jellyfish Israel / Frankreich 2007 REGIE: Shira Geffen und Etgar Keret DARSTELLER: Sarah Adler,Naama Nissim,Ma-nenita De Latorre |
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Regie: Shira Geffen und Etgar Keret
Kinostart: 23. März 2008
Ein Mädchen kommt aus dem Meer und steht alleine am Strand. Eine junge Braut bricht sich auf ihrer Hochzeitsfeier ein Bein und verbringt ihre Flitterwochen zu Hause. Eine Philippinerin pflegt eine verbitterte, alte Frau, um sich das nötige Geld für ihre Heimfahrt zu finanzieren.
Drei Geschichten um drei Menschen, die etwas suchen. Drei Menschen die etwas hinter sich lassen müssen, aber nicht wissen was.
Batya arbeitet als Kellnerin und lebt in einer alten, überteuerten Wohnung mit einem Loch in der Decke, durch das pausenlos Wasser tropft. Von ihrem Freund verlassen, läuft sie dem Leben hinterher, statt daran teilzunehmen. Eines Mittags trifft sie am Strand auf ein Mädchen, dass sich ihr anschließt. Durch dieses Kind wird Batya mit ihrer Vergangenheit konfrontiert und auf behutsame Weise wieder zurück ins Leben geworfen. Keren heiratet den Mann ihrer Träume, muss allerdings feststellen, nachdem sie die Flitterwochen mit gebrochenem Bein zu Hause verbringt, dass es ihrer Beziehung an einiges fehlt. Joy arbeitet bei einer verbitterten Frau, deren Sprache sie nicht versteht. Die beiden Kinder interessieren sich nicht für ihre Mutter und sind froh alle Aufgaben an die ausländische Pflegerin abschieben zu können. Doch bald entwickelt sich eine scheue Freundschaft zwischen Joy und der exzentrischen Dame.
Wenn nichts so läuft wie es soll, wenn die Gewohnheit den Tag bestimmt und man gegen die Monotonie des Lebens nichts tun kann, dann ist es oft am einfachsten sich einfach dahintreiben zu lassen. So oder so ähnlich kann man den Film verstehen und zugleich lieben lernen. Etgar Keret und Shira Geffen erzählt die Geschichte dreier Frauen, die sich im Leben festgefahren haben, es aber selbst nicht merken. Wie Quallen treiben sie durchs Leben, werden immer weiter getragen ohne die Richtung zu kennen. Jeder der Hauptpersonen hat in der Vergangenheit etwas Prägendes erlebt oder steckt gerade mittendrin. Im Laufe des Films müssen sich Batya, Keren und Joy genau mit diesem Erlebnis auseinandersetzen.
Auf sehr authentische Weise stellen Keret und Geffen die Charaktere der drei Frauen dar. Man hat das Gefühl selbst dabei zu sein, die Geschichten selbst zu erleben. Durch die teilweise monotone Inszenierung wird die Gleichgültigkeit, mit der die drei ihrem Leben gegenüberstehen noch deutlicher. Auf sehr sensible Weise macht der Film den Zuschauer betroffen, zugleich verbirgt sich hinter der melancholischen Stimmung ein leichter Alltagshumor, der den Kinogast in manchen Momenten lächeln lässt. Der Film zeigt, was wir jeden Tag vor der Haustüre finden, das Leben. Es geht in diesem Film nicht um Romantik oder Tragik und am Ende kommt man auch völlig ohne Taschentuch aus. Trotzdem berühren die völlig verschiedenen Schicksaale, auf Grund eines natürlichen und realistischen Stils. Ein sehr gelungener Film, dem man nichts Schlechtes nachsagen kann. Ein Tipp für alles Zuschauer, die ungern mit Geschichten konfrontiert werden, die für die Masse produziert wurden und noch Interesse an ehrlichem Kino haben.
Gesehen von Christine Schäfer
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Jerichow 93 Min., Deutschland 2008 REGIE: Christian Petzold DARSTELLER: Benno Fürmann, Nina Hoss, Hilmi Sözer, Claudia Geisler |
Regie: Christian Petzold
Kinostart: 8. Januar
Thomas hat das Haus seiner verstorbenen Mutter geerbt und ist nach seiner unehrenhaften Entlassung aus der Bundeswehr nach Jerichow zurückgekehrt, um ein neues Leben zu beginnen. Er will das Haus renovieren, doch dafür benötigt er Geld. Beim Arbeitsamt wird ihm ein Job als Erntehelfer vermittelt. Auf dem Rückweg von einem Einkauf findet Thomas den betrunkenen Ali in seinem Auto vor, das dieser gerade in den Fluss gefahren hat. Thomas hilft Ali das Auto aus dem Wasser zu holen und verhindert eine Festnahme durch die Polizei, die Ali schon auf dem Kieker hat. Ali erkennt schnell Thomas´ Qualitäten und bietet ihm einen Job in seiner Firma an. Er soll Ali zu seinen 45 Imbissbuden fahren, die er regelmäßig kontrollieren muss, und diese auch beliefern. Schnell vertraut Ali Thomas, und so bindet er Thomas auch in sein Privatleben mit ein. Alis Frau Laura ist eine große blonde Frau und passt rein äußerlich wenig zu Ali. Dies scheint auch Thomas zu finden, denn schnell hat er ein Auge auf sie geworfen. Anfangs schenkt Laura Thomas kaum Beachtung und behandelt ihn fast geringschätzig. Nach und nach gewinnt Thomas immer mehr Einblick in die Beziehung von Laura und Ali. Laura scheint Ali zu schätzen, aber wenig zu respektieren, von Leidenschaft ihm gegenüber ganz zu schweigen. Ali hingegen traut seiner Frau wenig und ist extrem eifersüchtig. Trotzdem ist er es, der Thomas und Laura dazu auffordert miteinander zu tanzen und somit die erste körperliche Annäherung der beiden schafft. Wie zwei Jugendliche, ohne große Bedenken, stürzen die Beiden sich in eine Affäre, die Ihnen die Möglichkeit zu einem anderen Leben aufzeigt. Doch Laura ist nicht nur durch einen Ehering an ihren Mann gebunden und so scheint es nur einen Ausweg für das Liebespaar zu geben: Sie müssen Ali loswerden.
Christian Petzolds Version von „The Postman always rings twice" beginnt wie ein Gangsterfilm. Thomas wird von zwei Typen in Anzug in das Haus seiner verstorbenen Mutter begleitet und aufgefordert seine Schulden zu bezahlen. Thomas behauptet nichts zu besitzen, seine Lüge wird aber durchschaut und Thomas´ Gespartes wird entwendet und er niedergeschlagen. Der Held hat alles verloren und jetzt beginnt eine neue Geschichte. Dies ist eine erst verwirrende, jedoch interessante Art einen Film zu beginnen.
Als Ali und Thomas aufeinandertreffen, hat man das Gefühl, dass nun ein Roadmovie beginnt, doch auch dies ist nicht der Fall. Erst als Laura auftritt und die zwischenmenschlichen Spannungen deutlich werden, wird klar: Hier handelt es sich um eine Dreiecksbeziehung, ein Drama. Dies bedeutet aber auch, dass wir aus einer sicheren und freundlichen Atmosphäre immer mehr in Verstrickungen und Betrügereien geraten. Lange mimt Laura die Kühle und man fragt sich, „was ist eigentlich mit dieser Frau los?" aber im Laufe des Films öffnet sie sich Thomas und wir erfahren mehr über ihre Gründe für ihre Ehe und auch, warum sie keine Gewissensbisse hat ihren Mann zu betrügen.
Trotz der zunehmenden Einsichten in die Biografien der Charaktere wird man mit keinem der Protagonisten warm. Ali ist der Einzige in den man sich einfühlen kann, denn dieser sehnt sich nach seiner Heimat, hat Träume und leidet unter den Umständen. Doch keiner der Hauptcharaktere hinterfragt seine Handlungen. Dies bedeutet aber nicht, dass sie aus dem Gefühl heraus handeln würden. Wenn Thomas und Laura im Flur auf dem Boden eine schnelle Nummer haben, während Ali nebenan bei offener Tür betrunken in seinem Bett liegt, ist dies rein körperlich, ohne Leidenschaft, es grenzt an tierisches Verhalten. So bleibt der Eindruck: Der Mensch ist so wie er ist, weil die Umstände so sind wie sie sind und selbst die Liebe unterliegt diesen Umständen.
Interessant ist das Bild Deutschlands, das sich außerhalb der Dreiecksbeziehung immer wieder aufdrängt. Da sehen wir das Arbeitsamt, Zeitarbeit, Imbissbuden, neue Strassen im Nirgendwo, alte verfallene Häuser, Pfandflaschen, strenge Zivilbullen und Bushaltestellen ohne Weg, direkt am Waldrand.
Christian Petzold hat bei „Jerichow" mit vertrautem Team und auch bewährten Schauspielern zusammen gearbeitet. So wurde der Film in natürliches Licht getaucht und die Schauspieler meistern auch größere Herausforderungen in der Darstellung von z.B. Zwiespalt und Identitätsverlust. Vor allem Hilmi Sözer, der einigen vielleicht haupsächlich aus Komödien wie „Voll normaaal" oder „Der Schuh des Manitu" bekannt ist, beweist, dass er ein ernst zu nehmender Schauspieler ist, der hoffentlich noch öfters seine dramatischen Fähigkeiten unter Beweis stellen darf.
Gesehen von Mareike Dobewall
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Jerry Cotton Deutschland 2009 REGIE: Cyrill Boss und Philipp Stennert DARSTELLER: Christian Tramitz, Christian Ulmen, Monica Cruz, Christiane Paul, Heino Ferch |
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Regie: Cyrill Boss und Philipp Stennert
Kinostart: 11. März 2010
Jerry Cotton ist der Held der berühmten Kriminalromane, die Mitte der 50er ihren Erfolg starteten. Hieraus entwickelte sich die erfolgreichste deutschsprachige Kriminalroman-Reihe aller Zeiten. Schließlich wurden die Geschichten des lässigen FBI-Agenten Cotton ab den 60ern auch in die Kinos gebracht (mit großem Erfolg!). Nun hat man nach rund 40 Jahren Wartezeit hieran angeknüpft, indem „Jerry Cotton" als Krimikomödie, mit Christian Tramitz in der Hauptrolle, verwirklicht wurde. Regie führten Cyrill Boss & Philipp Stennert, auch bekannt durch „Neues vom WiXXer". Als geglückt erwies sich die Aufgabe, das echte New York fast komplett durch die Drehorte Berlin und Hambrug zu ersetzen, wie es übrigens schon für die alten Jerry-Cotton-Filme ähnlich gehandhabt wurde.
Der New Yorker FBI-Agent Jerry Cotton (Christian Tramitz) hatte bis jetzt einen einzigen ungelösten Fall: Den Goldraub von Gangsterboss Sammy Serrano (Moritz Bleibtreu). Serrano ist ermordet worden und nun ist es die Aufgabe von Jerry und Phil Decker (Christian Ulmen), Jerrys neuer und unerfahrener Partner, den Mord aufzuklären. Doch durch unglückliche Zufälle steht Jerry plötzlich selbst unter Verdacht und muss vor seinen eigenen Leuten, besonders vor der schönen Leiterin der Dienstaufsichtsbehörde Daryl D. Zanuck (Christiane Paul), flüchten. Schnellstmöglich versucht Cotton den Spuren seiner Verdächtigen Gangster zu folgen und so den wahren Verbrecher zu finden. Dabei stellt sich der naive Phil als einziger auf seine Seite und taucht mit ihm für kurze Zeit im Hotel Alabama unter. Nach etlichen Verfolgungsjagden, Tötungen, Kämpfen und Verrat zeigt sich, wer der echte Übeltäter ist. Dieses Geheimnis können wir aber hier nun nicht verraten...
Das Genre Krimikomödie benennt es schon: Hier gibt es einen Teil Krimi und einen Komödie! Beide Teile sind stark präsent, visuell sowie auch sprachlich. Überall stößt man auf Witz und Komik, durch die leicht ein Grinsen auf die Zuschauergesichter gebracht wird. Düstere Szenen, kaltes Licht und kühle Farben tragen zum typischen Krimi-Charakter bei. Ebenso wurden hier oft imposante Stunts, Kanonen (Smith & Wesson) und Fahrzeuge (zum Beispiel der rote Jaguar E-Type) eingesetzt. Deshalb hat der Film in dieser Hinsicht alles, was ein guter Krimi unserem Auge bieten sollte. Rein inhaltlich wirkt die Story aber etwas zu dünn und flach. Dies führt dazu, dass die gefühlte Spannung ihren Höhepunkt nicht erreicht und einen nicht genügend packt. Jedoch kann die vorher erwähnte Komik dies ausgleichen, sodass man zufrieden den Kinosessel verlässt.
Gesehen von Natascha Stevenson