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Jerry Cotton Deutschland 2009 REGIE: Cyrill Boss und Philipp Stennert DARSTELLER: Christian Tramitz, Christian Ulmen, Monica Cruz, Christiane Paul, Heino Ferch |
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Regie: Cyrill Boss und Philipp Stennert
Kinostart: 11. März 2010
Jerry Cotton ist der Held der berühmten Kriminalromane, die Mitte der 50er ihren Erfolg starteten. Hieraus entwickelte sich die erfolgreichste deutschsprachige Kriminalroman-Reihe aller Zeiten. Schließlich wurden die Geschichten des lässigen FBI-Agenten Cotton ab den 60ern auch in die Kinos gebracht (mit großem Erfolg!). Nun hat man nach rund 40 Jahren Wartezeit hieran angeknüpft, indem „Jerry Cotton" als Krimikomödie, mit Christian Tramitz in der Hauptrolle, verwirklicht wurde. Regie führten Cyrill Boss & Philipp Stennert, auch bekannt durch „Neues vom WiXXer". Als geglückt erwies sich die Aufgabe, das echte New York fast komplett durch die Drehorte Berlin und Hambrug zu ersetzen, wie es übrigens schon für die alten Jerry-Cotton-Filme ähnlich gehandhabt wurde.
Der New Yorker FBI-Agent Jerry Cotton (Christian Tramitz) hatte bis jetzt einen einzigen ungelösten Fall: Den Goldraub von Gangsterboss Sammy Serrano (Moritz Bleibtreu). Serrano ist ermordet worden und nun ist es die Aufgabe von Jerry und Phil Decker (Christian Ulmen), Jerrys neuer und unerfahrener Partner, den Mord aufzuklären. Doch durch unglückliche Zufälle steht Jerry plötzlich selbst unter Verdacht und muss vor seinen eigenen Leuten, besonders vor der schönen Leiterin der Dienstaufsichtsbehörde Daryl D. Zanuck (Christiane Paul), flüchten. Schnellstmöglich versucht Cotton den Spuren seiner Verdächtigen Gangster zu folgen und so den wahren Verbrecher zu finden. Dabei stellt sich der naive Phil als einziger auf seine Seite und taucht mit ihm für kurze Zeit im Hotel Alabama unter. Nach etlichen Verfolgungsjagden, Tötungen, Kämpfen und Verrat zeigt sich, wer der echte Übeltäter ist. Dieses Geheimnis können wir aber hier nun nicht verraten...
Das Genre Krimikomödie benennt es schon: Hier gibt es einen Teil Krimi und einen Komödie! Beide Teile sind stark präsent, visuell sowie auch sprachlich. Überall stößt man auf Witz und Komik, durch die leicht ein Grinsen auf die Zuschauergesichter gebracht wird. Düstere Szenen, kaltes Licht und kühle Farben tragen zum typischen Krimi-Charakter bei. Ebenso wurden hier oft imposante Stunts, Kanonen (Smith & Wesson) und Fahrzeuge (zum Beispiel der rote Jaguar E-Type) eingesetzt. Deshalb hat der Film in dieser Hinsicht alles, was ein guter Krimi unserem Auge bieten sollte. Rein inhaltlich wirkt die Story aber etwas zu dünn und flach. Dies führt dazu, dass die gefühlte Spannung ihren Höhepunkt nicht erreicht und einen nicht genügend packt. Jedoch kann die vorher erwähnte Komik dies ausgleichen, sodass man zufrieden den Kinosessel verlässt.
Gesehen von Natascha Stevenson
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Jesus Camp USA 2006 REGIE: Heidi Ewing, Rachel Grady |
Wettbewerb
Regie: Heidi Ewing, Rachel Grady
Pastorin Becky Fischer veranstaltet für Kinder das Sommercamp "Kids on Fire" in North Dakota. Damit möchte sie die Kinder zu einem wahrhaftigen Glauben verhelfen und die Nation retten vor der Gefahr, die von Ungläubigen ausgeht. Sie predigt ihnen von dem heilsbringenden Glauben an Jesus Christus. Sie berichtet ihnen von der Gefahr, die von der Sünde ausgeht und der jeder ausgesetzt ist. Sie organisiert für die Kinder eine Demonstration gegen Abtreibung vor dem Capitol. Sie schwört sie mit martialischen Tänzen und Verkleidungen auf einen Heiligen Krieg ein, gegen jeden, der Jesus nicht liebt. Die Eindringlichkeit mit der sie auf die Kinder einredet kommt an. Es wird ein Junge gezeigt, der gesteht, nicht alles zu glauben, was in der Bibel steht und darüber verzweifelt. Ein neunjähriges Mädchen spricht Menschen an, die ihrer Meinung nach vom rechten Pfad abgekommen sind und gibt ihnen Broschüren in die Hand und ein weiterer zehnjähriger Junge hält vor allen Teilnehmern des „Bible Camp" eine kämpferische Predigt.
Heidi Ewing und Rachel Grady ist es gelungen ein eindrucksvolles Bild einer evangelikalen Gemeinde im Herzen der USA zu zeichnen. Die Dramaturgie steigert sich langsam, bildet immer wieder kleine Höhepunkte aus, die durch einen bemühten Versuch des Anwalts Mike Papantonio, die Anrufer in einer Radiosendung wachzurütteln, wiederholt kritische Zwischentöne erfährt.
Langsam wird man in die Welt dieser Menschen eingeführt. Wird am Anfang noch über eine Bewegung gesprochen: „Wir müssen uns erheben und uns das Land zurückerobern", steigern sich nach und nach auch die Heftigkeit der Aussagen. Zwei Kinder sprechen unbekümmert über ihre Mitgliedschaft in Gottes Armee und am Schluss rufen alle zusammen im Chor ein unmissverständliches: „This means war."
Es entsteht nach und nach ein beklemmendes Bild einer parallelen Realität, die von einer Massenbewegung getragen wird. Es werden alle wesentlichen und der Bibel widersprechenden Erkenntnisse und Errungenschaften der modernen Zivilisation abgelehnt: der Klimawandel ist nicht existent, der Darwinismus eine Lüge und die Demokratie verhindert die Herrschaft Jesu, usw.
Die Regisseurinnen zeigen eine Gesellschaft, die sich in einer schweren Identitätskrise befindet, die als Ausweg daraus auf tradierte Identitäten unreflektiert zurückgreift. Diesem Bedürfnis nach Identität wird alles geopfert. Die Kinder werden instrumentalisiert, um für die Ideale der Eltern zu kämpfen.
Der vielbeschworene „Kampf der Kulturen" ist hier zum Greifen nahe. Kinder, die auf einen Präsidenten Bush in Form eines Pappaufstellers als Heiligen eingeschworen werden. Ein Junge, der Ekel empfindet, wenn sich in seiner Umgebung nicht-christliche Menschen aufhalten. Die Stigmatisierung der islamischen Erziehungslager als Brutstätte des Bösen bekommt im Film bald einen christlichen Gegenpart, als alle Kinder Tassen mit dem „Hammer des Heiligen Geistes" zertrümmern. Bedenken um dieses militante Gebaren beschwichtigt die Pastorin: „Mit Verlaub, wir besitzen die Wahrheit."
Eine Dokumentation eines beklemmenden mentalen Zustand von Menschen in der heutigen Zeit in den USA, bei der einem bisweilen das Lachen im Halse stecken bleibt und einen die Sprachlosigkeit überfällt.
Gesehen von Johannes von Alten
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Regie: Takashi Shimizu, USA, Japan 2004
Der Terrorpapst des japanischen Horrorkinos Takashi Shimizu durfte das Hollywood-Remake seines unbarmherzigen Schockers "Ju-on: The Grudge" - in dem ein verfluchtes Einfamilienhaus jeden seiner Besucher in einen lähmenden Schockzustand versetzt, bevor die grässlich feixende Fratze des Todes mit brüllender Raserei zuschnappt - gleich selbst inszenieren. Und siehe da, Shimizu taucht in eine emotionale Ebene ein, die den Zuschauer um das Schicksal der Figuren bangen lässt, und die die Vielschichtigkeit Shimizus genialer Gruselmär unterstreicht. So wandeln die amerikanischen Protagonisten im Remake wie Fremdkörper durch die großstädtische Anonymität Tokios. Eingeschüchtert, verletzlich und schwach, unfähig sich mitzuteilen, stehen die episodenhaft miteinander verknüpften Charaktere einem unheilvollen Neubeginn gegenüber, der sie gnadenlos ausrotten wird. In Zeiten des Irakkrieges entlarvt Shimizu die Weltmacht Amerika als unterlegene Minderheit und stilisiert sie zum Opfer eines immer währenden Zyklus aus Fortschritt und Anpassung. Orientierungslose Seelen, die sich ängstlich nach der Heimat zurücksehnen, eine Nation, deren Kollektivitätsgefühl nicht über den Kontinent hinaus reicht und deren lautstark propagierte Stärke nichts gegen einen geflüsterten Fluch ausrichten kann. Kein Wunder also, dass Shimizus vernichtender Reißer gerade in seiner Form als Remake die Angst des amerikanischen Publikums freisetzte und den erfolgreichsten Horrorfilm des Jahres markiert. Auch wenn das Original in seiner Bildsprache kompromissloser und roher ist, rechtfertigt "The Grudge" den Trend zur Neuinterpretation endlich einmal im positiven Sinne.
Gesehen von Josa Sesink