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Gods own country

Daten

USA – 2017 – 104 Minuten

REGIE: Francis Lee
DREHBUCH: Francis Lee
KAMERA: Joshua James Richard
SCHNITT: Chris Wyatt
MUSIK: Mark Isham
PRODUKTION: Manon Ardisson, Jack Tarling

DARSTELLER: Josh O'Connor, Alec Secareanu, Gemma Jones, Ian Hart

Foto: © Dales Productions Limited/The British Film Institute 2017

 

Regie: Francis Lee


GOD'S OWN COUNTRY lief auf der diesjährigen Berlinale in der „Panorama"-Reihe.

 

Yorkshire, England. Johnny Saxby (Josh O'Connor) hat zu viel getrunken – er übergibt sich in der Toilette des Bauernhofs, in welchem er mit seinen Eltern wohnt. Routiniert drückt er die Spülung und wischt seinen Mund an der mit grünem Plüsch überzogenen Toilettenschüssel ab.

 


Er ist Anfang 20 und hat nicht viel zu lachen: Sein fordernder Vater ist krank, seine fürsorgliche Mutter alt. Daher muss er sich um die Farm kümmern - Kühe melken, Schafherden bewachen, Hühner füttern. Die Umstände scheinen seine Gefühlswelt versteinert zu haben. Doch wenn er rauchend in die Ferne blickt, erkennt man in seinem Blick eine Sehnsucht nach Wärme.

 


Eines Tages klopft der rumänische Gastarbeiter Gheorghe (Alec Secareanu) an der Holztür des Bauernhauses. Er möchte auf dem Hof aushelfen. Im Gegenzug verlangt er einen trockenen Schlafplatz und warmes Essen. Johnnys Vater willigt ein und schnell erweist sich der stille Osteuropäer als tragende Hilfskraft. Anfangs gehen sich die zwei jungen Männer, Johnny und Gheorghe, aus dem Weg. Dann verlieben sie sich ineinander.

 

Es ist Francis Lees erster Spielfilm. Auch er wuchs auf einer Farm im Westen der Region Yorkshires auf. Diese persönliche Erfahrung überträgt er auf seinen Film, was den Charakteren und dem Milieu Authentizität verleiht. Die nördlichen Landschaften Englands werden in keiner Hinsicht romantisiert, sondern meist als rau und matschig dargestellt. Nur selten zieht die Wolkendecke auf und lässt die Sonne erscheinen. Die Liebe in dem Film äußert sich mehr durch kurzweilige Blicke und streifende Berührungen, als durch Worte. Doch gerade diese geringe Dosierung von Schönheit lässt sie als wirklich schön erscheinen.

 

Auch die Dialoge und die routinierten Handlungsabfolgen auf dem Bauernhof sind glaubwürdig inszeniert. Es sind jedoch vor allem die Charaktere und deren Beziehung zueinander, welche dem Film seine Stärke verleihen. Die vier Hauptakteure – Johnny, sein Vater, seine Mutter und Gheorghe – stehen sehr für sich und dennoch schafft es Lee, alle emotional miteinander zu verbinden. Obwohl es in erster Linie, um das Verhältnis zwischen den zwei jungen Männern geht, verliert er die Vater-Sohn-Beziehung nicht aus den Augen und erzählt auch diese mit bemerkenswerter Empathie.

 

GOD'S OWN COUNTRY ist ein herzergreifender, wahrhaftiger Film, in welchem glanzvoll zu beobachten ist, wie ein gebrochener Mensch langsam wieder aufblüht. Nicht ohne Grund gewann er bereits den Preis für die beste Regie, als er im Januar auf dem Sundance Film Festival Weltpremiere feierte. Ob es der Film schaffen wird, ein breiteres Zuschauerspektrum anzusprechen als nur LGBT-Kreise? Hoffentlich.

 

Gesehen von Luis Schubert

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