
Land/Release: USA, 2026
Regie: David Frankel
Kamera: Greig Fraser
Musik: Theodore Shapiro
Drehbuch: Aline Brosh McKenna
Schnitt: Mark Livolsi
Darsteller: Meryl Streep (Miranda Priestly), Anne Hathaway (Andy Sachs), Emily Blunt (Emily Charlton), Stanley Tucci (Nigel Kipling)
Man kann über Fortsetzungen streiten, aber bei Der Teufel trägt Prada 2 merkt man ziemlich schnell, dass dieser Film gar nicht versucht, es allen recht zu machen. Er will nicht einfach nur wieder die gleiche Modewelt zeigen, sondern eher die Frage stellen, was von diesem Glanz übrig bleibt, wenn die Kamera nicht mehr nur auf Runway-Looks, sondern auf die Menschen dahinter gerichtet ist. Der Einstieg ist dabei bewusst unkomfortabel gewählt. Andy Sachs, gespielt von Anne Hathaway, ist nicht mehr die Figur aus dem ersten Film, die voller Ehrgeiz in eine fremde Welt stolpert. Sie hat diese Welt längst kennengelernt, sie hat darin funktioniert, und genau deshalb wirkt ihr aktueller Zustand so viel interessanter.
Wenn Erfolg plötzlich seinen Preis zeigt
Der Film nutzt diese Ausgangssituation, um etwas anzusprechen, das selten so klar formuliert wird: Journalismus ist hier kein Ideal mehr, sondern ein Geschäft. Texte werden produziert, nicht geschrieben, Meinungen angepasst, nicht vertreten. Andy steht dabei stellvertretend für eine ganze Generation, die gelernt hat, sich anzupassen und plötzlich merkt, dass genau das das Problem ist. Meryl Streep als Miranda Priestly wird in diesem Kontext noch spannender als im ersten Teil. Sie ist weiterhin diese kontrollierte, präzise Figur, aber ihr Umfeld hat sich verändert. Ihr Magazin „Runway“ steht unter wirtschaftlichem Druck, und plötzlich ist nicht mehr nur Geschmack entscheidend, sondern Kapital. Investoren springen ab, das Interesse sinkt, und man merkt, dass selbst sie nicht alles kontrollieren kann. Emily, gespielt von Emily Blunt, ist in dieser neuen Ordnung vielleicht die konsequenteste Figur. Sie hat sich angepasst, hat gelernt, wie das Spiel funktioniert, und spielt es jetzt besser als alle anderen. Ihr Verrat an Andy ist deshalb weniger ein Schock als eine logische Konsequenz. Loyalität ist in dieser Welt kein Wert, sondern ein Risiko. Zwischen diesen Machtverschiebungen bleibt Nigel, dargestellt von Stanley Tucci, eine Art ruhiger Gegenpol. Seine Szenen wirken weniger laut, aber oft emotional klarer als vieles andere im Film. Besonders seine Worte an Andy, in denen er ihre Entwicklung einordnet und ihr Verhalten nicht romantisiert, sondern ehrlich bewertet, gehören zu den Momenten, die hängen bleiben.

Mode als Sprache der Macht
Visuell bleibt der Film natürlich seiner Welt treu, aber er nutzt Mode diesmal bewusster als erzählerisches Mittel. Kleidung ist nicht nur Stil, sondern Position. Marken wie Dior oder Versace tauchen nicht einfach als Kulisse auf, sondern als Teil eines Systems, in dem Zugehörigkeit sichtbar gemacht wird. Gerade die Szenen in Mailand wirken fast wie echte Einblicke in die Modewelt. Unterstützt wird das durch Auftritte von bekannten Persönlichkeiten wie Lady Gaga, Heidi Klum und Winnie Harlow, die sich erstaunlich gut in die Handlung einfügen. Auch musikalisch setzt der Film auf eine Mischung aus Bekanntem und Neuem. Der Song Runway zieht sich wie ein roter Faden durch den Film und prägt besonders die großen Mode-Momente. Gleichzeitig sorgen Tracks wie Vogue oder City of Blinding Lights für Wiedererkennung und stellen eine Verbindung zum Teil her. Ruhigere Songs wie Sleep oder Beautiful geben den emotionaleren Szenen Raum.
Jede Entscheidung zieht Folgen mit sich
Der Film arbeitet sich konsequent durch eine Reihe von Wendungen, die selten zufällig wirken. Jobs gehen verloren, Allianzen zerbrechen, neue Möglichkeiten entstehen nur, um kurz darauf wieder zu verschwinden. Diese Struktur hält die Spannung hoch, führt aber auch dazu, dass sich der Film manchmal überlädt. Besonders im letzten Drittel, wenn sich mehrere Handlungsstränge überschneiden, merkt man, dass der Film sehr viel erzählen will. Nicht alles bekommt den Raum, den es verdient, und manche Entwicklungen wirken dadurch etwas abrupt. Die Handlung entfaltet sich in einem Wechsel zwischen New York und Mailand, zwei Schauplätze, die unterschiedlicher kaum sein könnten und doch perfekt miteinander korrespondieren. New York erscheint schnell und ökonomisch getrieben, während Mailand als letzte Bastion klassischer Modekultur inszeniert wird. Es gibt eine Art Happy End, aber keines, das sich vollkommen leicht anfühlt. Zu viel ist passiert, zu viele Entscheidungen haben Konsequenzen, die sich nicht einfach rückgängig machen lassen.

Fazit
Unterm Strich ist Der Teufel trägt Prada2 ein Film, der bewusst mit den Erwartungen seines Publikums spielt. Er liefert Glamour, Mode und scharfe Dialoge, unterläuft diese aber immer wieder mit Momenten der Enttäuschung. Nicht jede Wendung sitzt perfekt, und manche Handlungsstränge wirken überambitioniert. Doch gerade in seinen besten Momenten gelingt dem Film etwas, das nur wenige Fortsetzungen schaffen: Er erweitert das Universum des Originals, ohne sich von ihm abhängig zu machen. Statt einer bloßen Wiederholung entsteht so ein Werk, das sich traut, die glänzende Oberfläche aufzubrechen und darunter eine deutlich komplexere, manchmal unbequeme Wahrheit freizulegen.
Gesehen von Scarlett Schwarzenberger
