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Es schüttet wie aus Kübeln - Man Su (Byung-hun Lee) geht zum Äußersten. (Pressefoto / Copyright Plaion Pictures)

 

Südkorea 2025

Regie: Park Chan-wook

Drehbuch: Park Chan-wook, Lee Kyung-mi, Don McKellar, Lee Ja-hye

Kamera: Kim Woo-hyung

Cast: Byung-hun Lee, Son Yejin, Park Hee-soon, Yeom Hye-ran

Filmstart in Deutschland: 05.02.2026


Mit seiner "Vengeance"-Trilogy - insbesondere "Oldboy" (SK, 2003) - hat Park Chan-wook dem südkoreanischen Kino nicht nur meisterhafte Dramen, sondern auch internationale Anerkennung eingebracht. Die reichte soweit, dass Chan-wook 2024 mit der Mini-Serie "The Sympathizer", basierend auf dem Roman von Viet Thanh Ngyuen, seine erste US-Produktion umsetzte, die mit viel schwarzem Humor die Geschichte um einen vietnamesischen Doppelspion erzählte. Ähnlich schwarzhumorig ist auch sein neuester Film "No Other Choice", der ebenfalls auf einem Roman basiert: Donald E. Westlakes "The Ax" ("to axe" = engl.-umgangssprachlich für "jemanden feuern"). Dieser erzählt nicht vom Vietnamkrieg, dafür aber dem umkämpften Arbeitsmarkt. Auf diesem muss sich plötzlich der erfolgreiche Vorarbeiter Man-Su behaupten. Der hat alles: Eine tolle Familie, zwei knuddelige Golden Retriever und zwei Neu-Wagen unter dem Dach seines bild-schönen Anwesens. All das droht Man-Su zu verlieren als amerikanische Investoren seine Papierfabrik übernehmen und ihn nach 25 Jahren entlassen. In seinem Beruf konnte er sogar Preise gewinnen - jetzt ist seine Erfahrung keinen Blumentopf mehr wert. So einer kreist im Zuge eines Spießroutenlaufs, der mit jedem Bewerbungsgespräch demütigender und mit jedem Gelegenheitsjob härter wird, schließlich über dem Kopf eines unwirrschen Managers - und Man-Sus Gedanken angesichts seiner verzweifelten Situation um eine Idee: Was wenn nicht er, sondern die Konkurrenz das Problem ist? Er schmiedet einen Plan: Über eine Fake-Annonce will er herausfinden, wer seine gefährlichsten Mitbewerber sind, um diese auszuschalten. 

 

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Man-Sus prekäre Situation droht, das Familienidyll zu zerstören. (Pressefoto / Copyright Plaion Pictures)

 

Etwas ist faul im Staate Südkorea

Während Westlake sich an den Erfahrungen seiner Eltern während der Wirtschaftskrise ab 1929 in den USA orientierte und auf die Entwicklungen des US-Arbeitsmarktes in den 90ern reagierte, verlagert Chan-wook das Geschehen in das Südkorea der Gegenwart, dass sich angesichts schwieriger wirtschaftlicher und sozialer Faktoren in einer angespannten Lage befindet. Der Verlust der Arbeit ist in dem hyper-kapitalistischen Land nicht nur finanziell ein schwerer Schlag, sondern gleichbedeutend mit dem (durch Social-Media noch beförderten) Gesichtsverlust, den es zu vermeiden gilt - und den Überlebenskampf zuspitzt, der die ganze Familie betrifft. In diesem ist der gutmütige Familienvater Man-Su anfangs noch zögerlich und ungeschickt. Er hadert damit, wie und ob er seinem ersten Opfer, Beom-mo, den Garaus machen will. Das führt schließlich nicht nur zu einem Schlangenbiss und zunehmenden Problemen in Man-Sus eigener Familie, sondern auch einer wunderbar makaberen und chaotischen Szene, in der das Gerangel um die Handfeuerwaffe, die Man-Sus Vater im Vietnamkrieg einem Vietcong entriß - und dadurch überlebte - im Mittelpunkt steht. Mit jedem weiteren Opfer nehmen nicht nur Man-Sus Geschick, sondern auch familiäre Schwierigkeiten und Zahnschmerzen zu. 

 

Eleganter Exzess

Mit visueller Finesse fängt Park Chan-wook das Chaos ein. Beispielsweise gibt es immer wieder Einstellungen, in denen der Regisseur parallele Handlungsabläufe und deren Gleichzeitigkeit darstellt, wodurch diese nicht nur eine intensive Dringlichkeit, sondern auch bildlichen Humor entwickeln. Dieser findet sich an allen Ecken und Enden. Wenn Man-Su etwa seinen Overall in einem Teilzeitjob abgibt, um zu einem Bewerbungsgespräch zu fahren, steht er sprichwörtlich in Unterhosen da - während neben ihm ein Laster abfährt, der mit "It's the inside that counts" wirbt. Trotz seines bissigen Humors, bei dem im besten Sinne das Lachen auch mal im Halse stecken bleibt, besitzt die Komödie auch einen starken emotionalen Kern, der bei aller Komik den Film realistisch erdet. Man versteht die Entscheidungen von Man-Su und seiner Familie - und drückt ihnen die Daumen. Dabei wird aber auch die Frage aufgeworfen, ob Man-Su in der sich zuspitzenden Situation wirklich keine andere Wahl hat. Das "Happy End" gibt diese Frage schließlich an den Zuschauer selbst, mit einer Pointe, bei der das Lachen im Halse stecken bleibt.

 

Gesehen von Tristan Rembold

 

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