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Angela (Olivia Wilde) mit Ehemann Joe (Seth Rogen) im Wohnzimmer mit Pína (Penélope Cruz) mit Ehemann Hawk (Edward Norton) (Bild (c) TOBIS)

 

 

The Invite

Regie: Olivia Wilde
Verleih: TOBIS Film
Länge: 1 h 47 min
Kinostart in Deutschland: 30. Juli 2026
Kamera: Adam Newport-Berra
Genre: Beziehungskomödie, Drama
Drehbuch: Will McCormack und Rashida Jones
Besetzung: Olivia Wilde, Seth Rogen, Penélope Cruz und Edward Norton

 

 

Handlung

Grundsätzlich geht es in „The Invite“ um die Beziehung von Joe (Seth Rogen) und Angela (Olivia Wilde). Nach 15 Jahren Ehe scheint die sexuelle Spannung zwischen den beiden abhanden gekommen zu sein. Als Angela versucht, dieser Krise zu entkommen, lädt sie spontan die Nachbarn aus der Wohnung über ihnen ein. Dabei stellt sich heraus, dass Pina (Penélope Cruz) und Hawk (Edward Norton) ihnen mehr Sympathie entgegenbringen, als ihr bisheriges Verhalten vermuten ließ. Eine Dinnerparty mit viel Konfliktpotenzial nimmt ihren Lauf.

 

Symmetrie Joe (Seth Rogen) steht zwischen Pína (Penélope Cruz) und Angela (Olivia Wilde) (Bild (c) TOBIS)

 

Beziehungen

In allen drei Filmen von Olivia Wilde geht es um Dynamiken und Beziehungen, die sich verändern. Im Mittelpunkt stehen Menschen im Wandel, die erkennen müssen, dass Intelligenz und pure Wünsche nicht mehr ausreichen. Ab irgendeinem Punkt geht es um mehr als reine Logik, sondern um etwas sehr Zerbrechliches, etwas Emotionales, Verletzliches, Zwischenmenschliches. So auch in „The Invite“, einer Neuverfilmung der spanischen Produktion „The People Upstairs“ von Cesc Gay, deren Geschichte für das neue Publikum angepasst wurde.
In „The Invite“ geht es um die Erkenntnis, dass man dem anderen nicht länger die Schuld am eigenen Unglück geben kann. Genau diese Problematik bestimmt das Liebesleben von Joe und Angela. Während Angela seit der Geburt ihrer Tochter das Gefühl hat, ihre eigene Identität verloren zu haben und sich nur noch über die Renovierung der Wohnung definiert, trauert Joe einem anderen Leben hinterher. Pina und Hawk fungieren dabei als Spiegel ihrer Beziehungskrise. Sie legen die Konflikte des Paares auf körperlicher und psychologischer Ebene offen und werden zu einer Projektionsfläche für die eigenen Wünsche und Sehnsüchte von Joe und Angela.
Ironischerweise ist Pina Psycho- und Sexualtherapeutin. Sie verkörpert genau das, was Angela sich wünscht: Spannung, Sexappeal und Persönlichkeit. Gleichzeitig löst Hawks Vergangenheit als Feuerwehrmann Eifersucht in Joe aus. Er hat seine gescheiterte Musikerkarriere nie vollständig verarbeitet und vermisst die Aufmerksamkeit und Anerkennung, die ihm sein Beruf als Musiklehrer nicht geben kann. Auch Hawks aktuelle Tätigkeit als Masseur spiegelt Joes Sehnsüchte wider. Dieser hat nämlich starke Rückenprobleme und schafft es nicht, sich zu entspannen.

 

Hawk (Edward Norton) mit Ehefrau Pína (Penélope Cruz) gegenüber von Angela (Olivia Wilde) und Ehemann Joe (Seth Rogen) im Wohnzimmer Esszimmer (Bild (c) TOBIS)

 

Theater

Der Film lässt sich wie ein Theaterstück mit nur einer einzigen Kulisse erleben: dem Apartment von Angela und Joe. Dabei wurde viel mit dieser begrenzten Kulisse, den zugehörigen Räumen und seinen Requisiten gearbeitet. So ist Angelas Oberteil beispielsweise farblich auf die Wand abgestimmt, was symbolisieren soll, dass sie ihre eigene Identität aufgegeben hat und zunehmend mit dem Zuhause verschmilzt, das zu ihrem wichtigsten Lebensinhalt geworden ist. Generell wurde viel Wert auf Authentizität gelegt. Von der dunkleren Lichtstimmung, passend zu einem langen Abend, bis hin zu den Figuren, die tatsächlich wirken, als würden sie in dieser Wohnung leben. Dadurch erhält der Ort eine eigene erzählerische Ebene und scheint selbst eine Geschichte zu erzählen, die nicht nur durch Visuals, sondern auch durch das Sounddesign mit knarzenden Dielen und kleinen Alltagsgeräuschen spürbar wird. Dennoch ließe sich der Handlungsort problemlos austauschen.
Denn das tragende Element des Films sind wie im Theater die spitzen Dialoge, die den Zuschauer mit einer wahnsinnig interessanten Dynamik verführen. Olivia Wilde selbst beschreibt es treffend mit: „Die Gespräche sind die Actionszenen.“ im Interview mit Boston Hassle.
Auch die Art, wie diese Dialoge inszeniert werden, trägt viel zur Wirkung bei. Dies wird durch die hervorragende Besetzung und die guten schauspielerischen leistungen hervorgehoben. Jede Figur wirkt authentisch und überzeugend gespielt und wirkt dadurch sympathisch. Dennoch muss man an dieser Stelle die Schauspielkunst von Edward Norton und Olivia Wilde selbst hervorheben. Während Wilde durch eine konstant starke Mimik überzeugt und selbst kleine Veränderungen sichtbar macht, schafft es Edward Norton vor allem durch gezielte Momente, Charme und Gestik in den Bann zu ziehen.
Auch die Entscheidung, den Film chronologisch zu drehen, erinnert an das Theater, dessen Charakter allerdings durch Blickführung und Nahaufnahmen zerbricht, die jede geringste Zuckung in den Gesichtern der Schauspieler sichtbar machen und den Blick erweitern.
Kameraführung
Bei der Kameraarbeit wurde viel mit grafischer Bildsprache gearbeitet. Der Einsatz verschiedener Techniken wie Aufnahmen durch Glasscheiben, Spiegel und Um-die-Ecke-Herumfilmen, ermöglicht es die Kernbotschaft noch mal deutlich zu unterstreichen. Spiegel verdeutlichen beispielsweise, dass sich Angela und Joe zwar physisch im selben Raum befinden, indessen aber emotional schon längst von einander entfernt haben. Interessant ist dabei, dass Olivia Wilde und Kameramann Adam Newport-Berra nicht mit klassischen Storyboards oder einer festen Shotlist arbeiteten, sondern sich an Referenzbildern aus Filmen orientierten, die sie inspiriert haben. Also von „Le Bonheur“, über „Hannah und ihre Schwestern“ bis ihn zu „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“.
Der Wechsel zwischen Nahaufnahmen und Gesamtbildern, in denen sich nicht der Frame, sondern die Menschen selbst bewegten, erzeugt eine völlig neue Dynamik, die nicht nur gut aussieht, sondern auch stimmungsgebend ist. So fühlte man sich je nach Totaler oder Nahaufnahme mal tief im Geschehen mit der emotionalen Krise verbunden mal wie ein Voyeur mit einer gewissen Distanz. Das unterstützte die Gesamtstimmung von Unbehagen, Fremdscham und Amüsiertheit.

 

Stimmung

Während des gesamten Films entsteht dieses peinlich-absurde Gefühl voller Fremdscham, ohne dass der Film geschmacklos wird. „The Invite“ ist amüsant und bringt den Zuschauer immer wieder zum Kichern. Es handelt sich um eine echte Cringe-Komödie: Man lacht über die Figuren, empfindet aber gleichzeitig Mitgefühl für ihre Probleme. Diese Balance zwischen Humor und emotionaler Ehrlichkeit ist eine der größten Stärken des Films. Trotzdem ist der Film stellenweise vorhersehbar und langatmig.

 

Anfang

Der Film beginnt mit einem passendem Oscar-Wilde-Zitat: „One should always be in love. That is the reason why one should never marry.“ – „Man sollte immer verliebt sein. Das ist der Grund, warum man niemals heiraten sollte.“
Das Zitat stand ursprünglich nicht im Drehbuch, sondern wurde erst später von Olivia Wilde hinzugefügt. Um den Kontext des Films durch ihre eigene Haltung spürbar zu machen, und den Geist der Geschichte, eine Mischung aus Romantik und Zynismus, zu vermitteln. Auch wenn zunächst nicht feststand, ob es im Film bleibt, so meint Olivia Wilde im Interview mit RogerEbert.com: „Eigentlich diente es mir persönlich als eine Art Kompass, um meine eigene Haltung zum Film zu definieren – und um mich selbst zum Lachen zu bringen, denn das Zitat amüsiert mich.“
Nach diesem stimmungsvollen Zitat beginnt der Film mit viel Geschwindigkeit, Bewegung und Rastlosigkeit. Dieses Tempo änderte sich im Mittelteil und flachte ein wenig ab. Jedoch gibt es kurz vor dem Ende, metaphorisch gesehen, einen gewaltigen Paukenschlag, nach dem für kurze Zeit das Chaos wieder ausbricht. Im völliger Kontrast dazu steht das stille Ende.
Der ganze Film wirkt wie ein klassisches Musikstück in drei Akten, mit wechselnden Höhen und Tiefen, mit sanften Geigentönen und harten Paukenschlägen. Auch wenn es einem am Ende nicht die Antwort gibt, sondern nur weitere Fragen aufwirft ist jede Szene jedoch vorantragend und zielgerichtet. Ein Stück, das die Hektik feiert, aber auch den Stillstand. Dies wird durch den Soundtrack aus Geigentönen und verschiedenen Zupfinstrumenten etc. sowie den Cuts unterstützt.

 

Ende

Die immer wiederkehrende Mehrdeutigkeit zeigt sich besonders im Ende des Films. Das offene Ende lässt zwei plausible Ausgangsmöglichkeiten die beide zufriedenstellend sind. Und lässt somit Raum für unterschiedliche Interpretationen. Bei einer Umfrage des Publikums in Boston kam raus, dass tatsächlich genau die Hälfte für den einen und die andere Hälfte für den anderen Ausgang war. Gerade dadurch wird die Geschichte persönlich. Und jeder projiziert eigene Wünsche, Fehler und Erfahrungen auf die Figuren.
In uns allen steckt der Wunsch nach einem Für-immer. Doch manchmal endet eine Geschichte, und das zu akzeptieren, erfordert Mut. Trennungen sind schmerzhaft, besonders wenn Kinder betroffen sind. Trotzdem ist ein ehrlicher Schlussstrich oft besser als eine Beziehung, die von Verachtung, Routine und Sprachlosigkeit geprägt ist. Der Film macht deutlich, wie wichtig es ist, sich den eigenen Gefühlen zu stellen, Verantwortung für das eigene Glück zu übernehmen und den Mut zu finden, offen darüber zu sprechen. Für manche bedeutet das eine Trennung, für andere einen Neuanfang miteinander – beides kann der richtige Weg sein.
„Die besten Geschichten sind diejenigen, in denen man sich selbst wiedererkennt“, sagt Darsteller Edward Norton im Interview der Deutschen Presse-Agentur in London. „Über einen guten Witz kann man lachen. Aber wenn man sich selbst darin erkennt, ist das eine ganz andere Art von Lachen.“

 

Abspann

Im Abspann läuft das Demo „Our House“, gesungen von Graham Nash und Joni Mitchell. Es ist das erste Mal, dass die beiden die Rechte für einen Film freigegeben haben. Das Besondere daran ist, dass sie ein Paar waren und dies ihr gemeinsames Lied war, bevor sie sich trennten.

 

Fazit

„The Invite“ schafft es, klassische Vorstellungen von Liebe aufzubrechen und zeigt, dass Glück nicht nur davon abhängt, an einer Beziehung festzuhalten, sondern auch davon, ehrlich mit sich selbst umzugehen. Er ist auf jeden Fall sehenswert für alle, die sich auf eine witzige, theatralische Cringe-Komödie einlassen können.Weniger geeignet ist er für Menschen, die mit Fremdscham wenig anfangen können. Auch wenn Sex hier als Symbol für Glück steht ist es ein Thema das offen angesprochen Kontextualisiert wird.

 

Gesehen von Sophie Haushofer

 

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