
Regie: Pete Ohs
Kamera: Pete Ohs
Drehbuch: Luke Arreguin, Josh Godfrey, Pete Ohs, Charlix cx, Jeremy O. Harris
Produktion: Forever Holiday, Spartan Media Ecquisitions, alongside bb2
Besetzung: Lena Góra, Charlix cx, Will Madden, Jeremy O. Harris, Agata Tzebuchowska, Maja Michnacka
Filmeditor: Pete Ohs
Farbgestaltung: Hanna Rudkiewicz
Länge:
Genre: Drama
Land: USA 2025
Inhalt
Bethany (Charli xcx) und Rob (Will Madden) wohnen in London und reisen gemeinsam nach Warschau, Polen. Ihr Aufenthalt wird unerwartet verlängert, da der Ausbruch des Vulkans Ätna den Flugverkehr lahmgelegt hat. Die Gelegenheit will Rob nutzen, um seiner Freundin einen Heiratsantrag zu machen. Bethany begibt sich auf die Suche nach ihrer besten Freundin Nel (Lena Góra) aus Kindheitstagen, die eine besondere Erfahrung teilen.
Farbgebung und Schnitt
Rot, lila, blau, sepia, schwarz-weiß. Der Film Erupcja ist geprägt von Farben, die den Frame komplett in eine Farbdose tunkt. Hanna Rudkiewicz ist für die Farbgebung im Film verantwortlich und hat in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Pete Ohs die unterschiedlichen Farben ausprobiert und angewendet. Dazu werden schnelle Schnitte und Jump-Cuts gewählt, die dem Film eine unkonventionelle Dynamik gibt. Die Kombination der beiden filmischen Tools sorgt dafür, dass ein Moment der Diegese in den Vordergrund gerückt wird. Ein wiederkehrendes Bild ist die Darstellung eines Vulkanausbruchs. „Erupcja“ ist der Filmtitel, polnisch und bedeutet übersetzt Eruption.
Nicht-diegetisches Element
Ein Erzählerstimme ist aus dem Off zu hören, der Hintergrundwissen erläutert oder Anekdoten zum Besten gibt, damit das Publikum die Figuren in ihrem Wesen besser verstehen können. Der Regisseur versucht mit diesem filmischen Stilmittel auch Humor einzubauen, Zusammenhänge herzustellen, die in seinen Augen erklärt werden müssen. Und sicherlich hat dieses nicht-diegetische Element, die Erzählerstimme eines Mannes dazu beigetragen, dass Teilbereiche näher beleuchtet werden.
Handlungsstrang und Produktion
Bethany und Rob verbringen anfangs Zeit zusammen, doch ab dem Zeitpunkt der Eruption entzieht sich Bethany den Augen ihres Freundes. Während er versucht, den perfekten Antrag vorzubereiten, verschwindet sie in den bunten Lichtern und lauten Musik der Stadt Warschau. Die Handlungsstränge der beiden laufen anfangs noch gemeinsam, dann nach der Party von Nels Freund, Claude (Jeremy O. Harris), verläuft sich deren Beziehungsdynamik in etwas, dass nicht greifbar ist. Denn Bethany ist nicht mehr zu erreichen. Nel, die ursprünglich romantische Gefühle für Ula (Agata Trzebuchowska) hat und sich bessern will, wird durch Bethany in alte Muster zurückgeworfen. Zugleich ist die Kindheitsfreundin für Nel ein Mensch, mit der sie eine besondere Erfahrung teilt. Jedes Mal wenn sie sich sehen, gibt es ein Vulkanausbruch. Während die beiden, dass als ein „Zeichen“ sehen, holt Claude sie aus ihren Gedanken in die Realität zurück. Doch dieser Realität möchten sich Nel und auch Bethany nicht stellen. Beide sind rücksichtslos, was ihre Partner und engen Freunde angeht, nur um bei einander zu sein. Dabei ist nicht klar, ob sie nur eine enge Freundschaft führen oder auch eine intime romantische Verbindung haben. Andeutungen weisen auf etwas hin, ohne die Vermutung zu bestätigen. Aus diesem Grund entsteht eine magnetische Anziehungskraft, die die beiden füreinander haben ohne, dass die Beziehung in eine konkrete Schublade gesteckt werden kann.
Laut dem Regisseur wurde das Drehbuch von Tag zu Tag geschrieben und war damit chronologisch abgedreht worden. Sie wussten selbst nicht, wie der Film ausgehen würde. Die Schauspielerinnen und Schauspieler durften ihre Vorschläge und Einwände einbringen, woraus die Filmproduktion sehr experimentell geworden ist. Der Filmemacher hatte selbst einige Jahre aufgrund einer Liebesbeziehung in Warschau gewohnt und hatte aus diesem Grund die Locations in den Wohngegenden und Parks gedreht, die er selbst gerne besucht oder Orte, an denen er Zeit verbracht hat.
Fazit
Der Film „Erupcja“ ist ein lebhafter Farbfilm, der durch den Schnitt dynamisch wird. Innerhalb des Handlungsstrangs sind die Ziele der Figuren nur teilweise vorherzusagen. Damit wird Spannung aufgebaut, die vor allem mit den Gefühlen von Erwartung, Enttäuschung und Verwunderung arbeitet. Das nicht-diegetische Element des Erzählers war eine bewusste Entscheidung des Regisseurs. Die Diegese ist mit ihren Bildern und Dialogen ausdrucksstark und bräuchte daher nicht aus dem Off das filmische Werkzeug, um den Film „Erupcja“ zu verstehen. Show, don’t tell. Aber vielleicht ist das auch nur Geschmackssache.
Hier findet Ihr unser Interview, welches wir während des Filmfests München mit dem Regisseur Pete Ohs geführt haben.
Gesehen von Dschamila Noe
