Max Frisch. Citoyen
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Regie: Matthias von Gunten
Der Titel nimmt vorweg, um wen es in diesem Film geht: Max Frisch (1911-1991), doch nicht an erster Stelle als Schriftsteller, sondern als politisch engagierter Staatsbürger, als Citoyen. Eine gewisse Enttäuschung über das Schweigen der Intellektuellen heute ist einer der Ausgangspunkte des Films. Dabei bezieht Regisseur Matthias von Gunten dieses Schweigen vor allem auf die Situation in der Schweiz, in der es heute, trotz großer innenpolitischer Spannungen, kaum Intellektuelle gibt, die sich zu diesen Problemen äußern. Wobei, so von Gunten, gerade die Meinung von Intellektuellen unerlässlich sei. Unerlässlich, da sie die Möglichkeit besitzen, das politische Geschehen aus einer anderen Sicht zu betrachten als es Politiker oder Journalisten tun können, aus einer langfristigeren Sicht und auch aus einer, die über genug Einfallsreichtum und Originalität verfügt, um die Menschen sprachlich zu erreichen.
Ein Beispiel in dieser Hinsicht beschreibt der Film in jener Episode, in der es um die italienischen Gastarbeiter geht, die 1966 in die Schweiz kamen. „Ein kleines Herrenvolk sieht sich in Gefahr: Man hat Arbeitskräfte gerufen und es kamen Menschen", schrieb Frisch damals, Worte, die bis heute immer wieder zitiert werden und von ihrer Aktualität nichts eingebüßt haben.
Mit vielen Überblendungen und Verlangsamungen verfremdet von Gunten die von ihm benutzten Archivaufnahmen, über denen Texte von Max Frisch zu hören sind. Viele der Bilder, im Zusammenspiel mit der Musik, rufen eine etwas melancholische Atmosphäre hervor. Sehr sehenswert und interessant sind die Interviews, die mit Freunden und Bekannten von Max Frisch wie Peter Bichsel und Gottfried Honegger, Günther Grass oder Christa Wolf geführt wurden, aber auch mit bekannten Politikern wie Helmuth Schmidt und Henry Kissinger. Gerade die Auseinandersetzung mit letzterem stellt die Problematik der Freiheit und des Zwangs, in der sich Intellektuelle und Politiker jeweils befinden, sehr gut, wenn auch nur knapp dar. Auch in den Gesprächen mit Schmidt zeigt sich eine gewisse Distanz zu, aber auch ein großer Respekt gegenüber dem Schriftsteller und Intellektuellen Max Frisch. Der Film bemüht sich hierbei sowohl letzterem als auch den genannten Politikern Raum für ihre Standpunkte zu lassen, ohne selbst Stellung zu beziehen. Allerdings und leider hält er diese Perspektive nicht durch und widersteht nicht der Versuchung, Worte Kissingers mit bombardierten Feldern in Vietnam zu unterlegen. Dies sollte ein Film, der sich ansonsten nicht in die Richtung eines polemischen Journalismus à la Michael Moore bewegt, nicht tun. Der gegenseitige Respekt zwischen Intellektuellem und Politiker ist ein wichtiger Aspekt, auf den der Film verweist, auch wenn in genanntem Verhältnis, hier zwischen Frisch und Kissinger, eine gewisse Spannung oder gar Gegnerschaft besteht. Dieser gegenseitige Respekt sollte dann jedoch fraglos auch zwischen einem Film und denjenigen Menschen bestehen, die sich bereiterklärt haben, an ihm mitzuwirken.
Entstanden ist insgesamt trotzdem ein sehr ausgewogener Film. Ein Film, der eine interessante Perspektive auf Max Frisch eröffnet, ein Film, der Sätze von Frisch mittels der gezeigten Bilder und der Musik geradezu zelebriert und damit auch eine gewisse, sorgfältige Art des Nachdenkens in den Mittelpunkt rückt. Doch es ist nicht nur ein Film über Frisch, sondern auch über dessen Heimat. 1991 starb Frisch und nun, nach diesem Film weiß man, dass sie mehr verloren hat als nur einen großen Schriftsteller.
Gesehen von Paul Mittelsdorf
Me and my sister
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Regie: Alexandra Leclère
Hach, tut das gut! Wenn man während des Filmfests im Kino sitzt und Filme nach dem Fließbandprinzip durchlaufen lässt und dann eine herzerfrischend lockere französische Komödie wie "Les soeurs fachées" mitbekommt.
Die Geschichte ist nicht sehr innovativ- eher französische "Klassik": die zwei Schwestern Louise und Martine haben eine schwere Kindheit auf dem Land hinter sich. Während die herzliche, zupackende Louise in der Provinz geblieben ist und als Kosmetikerin arbeitet, versucht die verhärmte, arrogante Martine, in der Pariser Oberschicht das Trauma mit Champagner und geistreichem bzw. sinnentleertem Gerede zu verdrängen.
Louise hat auf sehr romantische Weise einen neuen Mann kennengelernt und darüber ein Buch geschrieben. Sie kommt zu einem Termin mit einem Verleger nach Paris und hängt davor ein paar Tage daran, um die Schwester zu besuchen, die gar nicht so begeistert ist. Da prallen zwei äußerst unterschiedliche Lebensentwürfe aufeinander, Reibereien bleiben nicht aus. Und während Louise mit ihrer naiv-herzlichen Art die Männer der High Society im Sturm erobert, werden die Frauen immer giftiger. Als Martine erkennt, dass ihr Leben aus einem großen Gebilde aus unterdrückten Gefühlen und einem Haufen Lügen besteht, kommt es zum großen Krach. Doch Blut ist dicker als Wasser, und eine schlimme Kindheit auf dem Land schweißt zusammen.
Das Timing passt perfekt bei dieser Komödie. Es ist ja keine neue Erkenntnis, dass das Schwierigste ist, einen Film locker und leicht wirken zu lassen- und dieser Film ist sehr, sehr locker, ohne dass dabei die ernsten Untertöne lächerlich erscheinen. Isabelle Huppert und Catherine Frot liefern eine geniale Schauspielerleistung ab. Wieder ein Beispiel dafür, welchen Stellenwert gutes Casting für einen Film hat.
Gesehen von Johannes Prokop

"Yo, Tambien" handelt von dem 34-Jährigen Daniel (Pablo Pineda, der sich selbst spielt), der am Down-Syndrom leidet.



