MC18 NOV17x2

Social Media Icons Shop 55

 

 

five minutes gros 4000

Daten

Five minutes of heaven

UK/Irland 2009, 90 Min

REGIE: Oliver Hirschbiegel
DREHBUCH: Guy Hibbert

DARSTELLER: James Nesbitt, Liam Neeson, Mark Davison

 Links zum Film

Offizielle Website

Das Movie-College haftet nicht für den Inhalt externer Seiten.

 

Regie: Oliver Hirschbiegel

Kinostart: 17. Juni 2010

Wäre die Ehefrau von Eoin O'Callaghan (Produzent von „Five minutes of heaven") nicht eines Tages durch Zufall auf den im Gefängnis einsitzenden Alistair Little getroffen, hätte es diesen Film nie gegeben! Doch das Schicksal wollte es so und bat dem deutschen Regisseur Oliver Hirschbiegel hierin eine interessante Story für ein ergreifendes Drama. Im mehrjährigem Prozess von Interviews und Recherchearbeiten ließ Guy Hibbert im Laufe der Zeit das Drehbuch zu dieser teils fiktional, teils realen Geschichte entstehen, die thematisch um Schuld und Vergebung kreist.

Zu Beginn des Films befindet man sich in der Kleinstadt ‚Lurgan' in Nordirland, 1975.  Aufgrund des Bürgerkriegs zwischen der katholischen IRA (Irish Republican Army) und der protestantischen UVF (Ulster Volunteer Force) herrscht Gewalt in den Straßen. Zu dieser Zeit ist Alistair Litte (Mark Davison) 16 Jahre alt und ein kampflustiges Mitglied der UVF. Ohne Scheu oder Vernunft folgt er dem Auftrag, einen gewissen James Griffin zu erschießen. Aber warum soll dieser katholische aber unbedrohliche junge James getötet werden? Sein Mord soll einzig und allein zur Warnung an die Gegenseite nützen. Unglaublich aber -leider- wahr! Außer einer Kleinigkeit verläuft der Mord planmäßig... Doch aufgrund dieser Kleinigkeit wird Alistair den Tatort nicht ohne Reue verlassen. Joe, der kleine Bruder von James, beobachtete nämlich starr vor Angst die blutige Tat. Den entsetzten Blick des Jungen kann Alistair auch nach zwölf Jahren Haft, die ihn erwarten, nicht vergessen. Besonders aber leidet Joe unter dem Mordgeschehen, da ihm von seiner Mutter ein schlechtes Gewissen eingeredet wird, die den Tod des älteren Sohnes nicht verkraftet. Die Familie Griffin zerbricht mit der Zeit mehr und mehr in Stücke und zurück bleibt ein erwachsener, gebrandmarkter Joe, den es nach Rache gelüstet.

So kommt es schließlich 30 Jahre später, im Zuge einer Fernsehshow während des Friedensprozesses in Nordirland, zu der Möglichkeit einer Begegnung von 'Täter' Alistair (Liam Neeson) und 'Opfer' (James Nesbitt). Natürlich geht es dabei um Versöhnung...zumindest für das Fernsehteam und Alistair, denn Joe erscheint am Set mit ganz anderen Absichten. Dass er sich durch Gewalt aber nicht von der Vergangenheit befreien kann, wird ihm erst wenige Wochen später klar.

Liam Neeson hat schon in so manchem sehr guten Film mitgespielt; dieser zählt mit Sicherheit ebenfalls dazu! Nicht umsonst war er sehr begeistert davon, hier diesen realen Charakter spielen zu dürfen. Natürlich, so nimmt man an, muss es für einen Schauspieler doch immer hilfreich sein, diesen Menschen, den man im Film verkörpern soll, auch real kennen zu lernen?! Anscheinend ist dieses Thema komplexer als gedacht, denn Nesbitt und Neeson hatten hierin ganz gegensätzliche Meinungen. Eine Begegnung mit dem Rollenvorbild hätte Neeson in seinen Vorbereitungen auf seine Rolle zu sehr beeinflusst, dagegen wollte Nesbitt den echten Joe sofort treffen, um seinen Charakter besser zu verstehen. Gut zu wissen, wie unterschiedlich die Herangehensweisen mancher Schauspieler also sind. Für den Zuschauer ist jedenfalls eindeutig erkennbar, wie beide mit vollem Einsatz ihre Rollen spielen und dabei so überzeugend sind, dass man nur staunt!

Ein weiterer Punkt bei der Verkörperung realer Figuren ist der Name! Dass an dieser Stelle, statt erfundenen, die realen Namen für die beiden Protagonisten verwendet wurden, scheint sehr passend. Schließlich haben die Interviews mit ihnen die Basis für den Film gebildet, sodass Alistair und Joe stark in dieses Projekt mit eingeschlossen wurden.

Obwohl der Film nur an wenigen Schauplätzen spielt und sich die "Action" eher im Innenleben der Figuren abspielt, wird es für den Zuschauer nie langweilig oder beengend. Zudem kommt der Film mit relativ wenig Musik aus. Nur an besonders markanten, dramatischen Stellen unterstützt sie die aufkommenden Emotionen, wodurch die Geschichte auch nie überladen wirkt. Die finale Konfrontation zwischen Alistair und Joe, auf die man eigentlich den ganzen Film über zusteuert und wartet, entpuppt sich als keine große Überraschung, ist aber spannend und dramatisch in Szene gesetzt.

Dieser Film besitzt durchaus viele Stellen, an denen man nicht auf die Tränendrüse drücken muss, um sich gerührt zu zeigen. Das heißt aber nicht, dass dieses Drama kitschig oder ähnliches wäre...ganz im Gegenteil! Oft fühlt man eine Depression, Leere oder Kälte im Bild, was wiederum stimmig zur allgemeinen Stimmung des Films passt. Deshalb ist man dann auch froh über das Ende des Films, das glücklicherweise hoffnungsvoll ist.

So fragt man sich vielleicht nach der Filmvorstellung: Und was wurde aus dem wahrem Joe und dem wahren Alistair? Nun, wohlgemerkt wurden alle Interviews mit Alistair und Joe jeweils getrennt geführt. Außerdem gab es bis heute keine Begegnung der realen Figuren. Wie sie also in Wahrheit miteinander umgehen würden, bleibt offen, da in diesem Film nur eine Facette der möglichen Reaktionen aufgezeigt werden kann.

 

Gesehen von Natasha Stevenson



Banner K Kreativtraining pur 5000

Kameraworkshop Banner 8 23 4000

Weitere neue Artikel

So wie einst die Nagra den Filmton revolutionierte, hatten die britischen Mischpulte die Arbeit an Filmsets radikal verändert.

Unsere Welt, das Leben um uns herum bietet unzählige spannende Geschichten, die geradezu danach rufen, verfilmt zu werden...

Krise oder Transformation? Ein Plädoyer für neue Formen des Dokumentarischen

Sie ist eine der ältesten Techniken, um realistische Animationen zu schaffen: Die 1914 erfundene Rotoskopie.

In Filmabspännen stehen oft viele Producer. Was machen die eigentlich alle und welche Unterschiede gibt es?

Was können sie und was können sie nicht? Rückblenden als Bruchstellen der filmischen Illusion

Welche Weihnachtsfilme werden wohl in diesem Jahr auf uns herniederschneien? Wir haben Euch den ultimativen Timetable zusammengestellt....

Der Begriff klingt bescheiden. Was macht ihn so entscheidend für die Fähigkeiten und das Funktionieren von Technik?

In diesem Interview erzählt uns der Regisseur Kevin Koch ein paar Hintergründe zu der Entstehung seines Films "Prince de la Ville", der auf der FOFS 2025 gezeigt wurde.

Auf dem FOFS 2025 teilte der Regisseur Willy Fair seine Geheimnisse mit uns, wie sein preisgekrönter Film "Death's Peak" entstand.

Die Filmgeschichte war noch jung, als erste Stummfilme künstlich erschaffene Wesen als Thema entdeckten. Wie die Roboter im Kino Karriere machten...

Der Film "Jumah" erzählt von Xingyue, die sich in Zentralchina als Außenseiterin fühlt. Wir hatten beim FOFS 2025 Gelegenheit mit den beiden Regisseurinnen zu sprechen

Nicht immer braucht es ein hohes Budget um an der Kinokasse viel Geld einzuspielen. Welches waren erfolgreiche Low-Budget Filme?

Kurzfilme auf Filmfestivals einreichen ist gar nicht so einfach,- wie kann man seine Chancen verbessern?

Sie gehören untrennbar zur Ikonographie des Horrors: Zombies. Die Rückkehr der – nicht mehr ganz so frischen – Toten ist ein popkultureller Dauerbrenner.

Adobe baut seine Firefly KI zu einem Produktionszentrum aus und erfüllt damit viele Wünsche...

Wie KI den Filmbereich verändert, wurde auf einem Panel der Medientage 2025 mit Yoko Higuchi-Zitzmann und Max Wiedemann diskutiert.

Viele frühe Horrorfilme sind verschollen oder zerstört, doch einer der frühesten Horrorfilme, Edisons "Frankenstein" ist noch erhalten