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Manufacturing Dissent - Uncovering Micheal Moore

 

Manufacturing Dissent - Uncovering Micheal Moore

Daten

Manufacturing Dissent - Uncovering Micheal Moore

Kanada/Australien 2007

REGIE: Debbie Melnyk & Rick Caine
DREHBUCH: Debbie Melnyk & Rick Caine

KAMERA: Rick Caine

SCHNITT: Bill Towgood, Robert Ruzic

MUSIK: Michael White

 

Internationales Programm

Regie: Debbie Melnyk, Rick Caine

Debbie Melnyk und Rick Caine begleiten Micheal Moore bei der Promotion Tour für „Fahrenhait 9/11" und der "Slacker Uprising Tour" zu den Präsidentschaftswahlen 2004. Sie stellen fest, dass er auf ähnliche Methoden zurückgreift wie die Politiker und Ökonomen, die er angreift. Sie prüfen die Aussagen in seinen Filmen auf Wahrheitsgehalt und beweisen, dass Micheal Moore manche Tatsachen ignoriert und Aussage so verfälscht, dass sie ihm ins Konzept passen. Sie formulieren am Ende den Vorwurf, er dokumentiere nicht, sondern konstruiere sich seine Weltsicht zusammen, kleide sie in ein messianisches Gewand, um den Menschen die „Wahrheit" zu verkaufen.

Micheal Moore ist eine Reizfigur. Er hat es geschafft seinem Filmen eine Form zu geben, die nicht so einfach zuzuordnen sind, aber vordergründig den Anschein einer Dokumentation haben. Er ist vielleicht daher in der Position eines Journalisten gesehen worden, einer der jetzt endlich mal die Wahrheit sagt, unverblümt und mit klaren Schuldzuweisungen.

Es zeigt sich nun, dass genau diese Verklärung zu einem Robin Hood ein Trugschluss war. Michael Moore ist ein Politiker, der keiner Partei angehört, sich nicht zu Wahlen stellt und in der Form eines Entertainers daherkommt. Er verfolgt nicht das Ziel, politische Macht zu erlangen, wodurch er als Messias erscheint, der selbstlose Retter. Er ist auf Meinungsbildung bei der breiten Bevölkerung aus. Durch seinen Status als Messias gibt er den Menschen das Gefühl, er verkünde die Wahrheit, wobei sich diese im gesehen Film als bisweilen selbsternannte Wahrheit herausstellt.

Schnell wird deutlich, wie schmal der Grat ist, auf dem sich Michael Moore bewegt, wie fragil seine durchaus lobenswerte Mission durch ihn selber ist. Aber die Vorwürfe sind berechtigt und werfen Fragen auf. Wie weit ist die Realität dehnbar, um ein Anliegen zu erreichen? Darf man sie überhaupt dehnen? Gibt es überhaupt die eine Wahrheit? Oder ist sie nur Diener der „guten Sache"? Wird sie also missbraucht? In welchem Namen geschieht diese „gute Sache"? In welchem Namen geschieht Michael Moores Mission? Die Regisseure behaupten, er tue dies, um seiner Selbstbehauptung als Journalist wegen.

Aber es ist kein schockierender, offenbarender Film, der den Mythos Michael Moores vollkommen zerlegt und ihn vernichtet. Er zeigt wieder einmal, wie wir alle auf einen Scharlatan hineingefallen sind und kollektiv ins Kino gerannt sind. Wir wollen es glauben, was er uns erzählt. Seine Filme sind nicht die Wahrheit, sondern ein persönliches Statement. Er fokussiert Daten, Fakten, während er andere vernachlässigt oder sogar ausblendet. Aber dann stellt sich eher die Frage, nicht ob er ein Manipulator ist, sondern warum wir ihm alle glauben wollen?

Jetzt aber aufgrund dieses Film in die entgegengesetzte Position zu fallen und ihn als Lügner hinzustellen, wäre genauso blind, wie ihm alles zu glauben. Denn trotz aller Vorwürfe, ist ihm viel zu verdanken. Die Oscar-Rede z. B. und das Erstarken des Dokumentarsektors. Seit „Bowling for Columbine" ist der Dokumentarfilm und damit der politische Diskurs ins Kino zurückgekehrt.

 

Gesehen von Johannes von Alten

 

2.Rezension:

 

„Manufacturing Dissent" vom Regisseurteam Debbie Melnyk und Rick Caine ist eine bissige Auseinandersetzung und Abrechnung mit Michael Moore, der durch Dokumentarfilme wie Roger & Me, Bowling for Columbine und Fahrenheit 9/11 großen Ruhm und Bekanntheit erlangte.

Der zynische Titel ist eine Anspielung auf den Dokumentarfilm „Manufacturing Consent" und zielt auf die Verwischung und Manipulation von journalistischen Tatsachen in den Filmen von Michael Moore. Es ist zugleich eine kritische Bestandsaufnahme der Methoden der Berichterstattung dieses Filmemachers, der in seinen Filmen korrupte politische und journalistische Machenschaften anprangert, sich dieser letztlich aber selbst bedient.

So erklärt der Film zu Anfang die Motivation der Regisseurin Melnyck, diesen Film zu machen. Sie empfand anfänglich große Bewunderung für Moore und begann, durch Widersprüchlichkeiten in den Nachrichten genährt, Nachforschungen über die wahren, unerwähnt gebliebenen Tatsachen hinter seinen Filmen anzustellen. Der Werdegang Moores wird zuerst recherchiert und beleuchtet. Im Verlauf des Films werden dann anhand der Filme die Methoden nachgestellt, die zu einer Verzerrung des Tatsächlichen führten. So wird aufgezeigt, dass Informationen von Moore entweder unterlassen oder aus seinem Kontext herausgerissen präsentiert wurden um ein dem Film dienliches Bild zu konstruieren.

Die Filmemacherin selbst bemüht sich um ein Interview mit Moore, wozu es ironischerweise nie kommt. Genauso wie Moore es scheinbar nicht gelungen war, ein Interview mit Roger Smith in Roger & Me zu bekommen. Ein Versuch Moores, gegen ihn gerichtete Vorwürfe nicht Stellung nehmen zu müssen und diesem Film möglichst keine Aufmerksamkeit zu schenken.

Der große Fehler Moores ist es, die selben unlauteren Mittel anzuwenden, die er selbst in seinen Filmen anklagt. Somit ist der journalistische Wert seiner Filme und zukünftigen Arbeit in Frage gestellt. Trotz dieser Widersprüchlichkeit im Schaffen des Michael Moore bleibt sein unbestreitbarer Verdienst, die Wahrnehmung der Menschen in Bezug auf Krieg in der heutigen Zeit verändert zu haben. Ob inhaltlich oder finanziell motiviert, sein Bestreben bleibt, ein politisches Bewusstsein zu schaffen und die Massen immerfort gegen korrupte Machenschaften von politischen und wirtschaftlichen Interessensgruppen zu mobilisieren. Mit dem Ziel, diese öffentlich aufzudecken und somit zu verhindern.

Ein wichtiger Film, der informiert, aufklärt und dessen großer Verdienst darin liegt, den Zuschauer aufzufordern, in der heutigen Zeit der Massenmedialisierung Fakten und Meldungen nicht als gegeben hinzunehmen, sondern kritisch zu hinterfragen.

 

Gesehen von Roderik Helms

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