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"Exit 8" überträgt die Idee des liminal Space auf eine japanische U-Bahn Station. Copyright: Plaion Pictures
 
 
Regie: Genki Kawamura
Schauspieler: Kazunari Ninomiya, Yamato Kochi
Kinostart: 13.08.2026
Filmlänge: 95 min. 
 
 
2023 löste das Indie-Spiel "Exit 8" einen kleinen Hype auf YouTube aus. Dabei macht man in dem Walking-Simulator eigentlich nichts anderes als durch den ewig gleichen Gang einer U-Bahn-Unterführung zu laufen mit dem Ziel, den titelgebenden Ausgang 8 zu erreichen. Der Reiz des Spiels lag dabei im wahrsten Sinne im Detail, denn der vermeintlich ewig gleiche Gang kann neben offensichtlichen und teils auch sehr bizarren und unheimlichen Veränderungen wirklich nur minimale Abweichungen zu seinem üblichen Design aufweisen. Dieses Auge fürs Detail ist für den Spieler von Belang, denn das Spielprinzip verlangt, dass der Spieler umkehrt, sollte er Veränderungen feststellen. Läuft er stattdessen weiter, führt ihn das wieder zu Abschnitt 0 und damit in weite Ferne des Ziels. Diese simple Idee ist in der Praxis erstaunlich fesselnd, denn die Kombination aus Elementen des psychologischen und liminal Horrors mit dem Spielprinzip sorgte für sehr stressige und paranoide Spielerfahrungen - die sich natürlich auch wunderbar als Content für YouTube eignen. Ein Jahr später kündigte die japanische Produktionsfirma Toho eine Verfilmung an, die 2025 in Cannes ihre Premiere feierte und ab August dann endlich den Weg in die deutschen Kinos findet - vermutlich war der Film noch in der U-Bahn stecken geblieben.
 
 

Ausgang ungewiss

Der namenlose Protagonist (Kazunari Ninomiya) befindet sich in der vollgepackten U-Bahn auf dem Weg zur Arbeit. Durch einen Mann, der eine Mutter und ihr schreiendes Baby anherrscht, ist die Situation ohnehin stressig, da erhält der Protagonist einen Anruf seiner Ex-Freundin, die ihm von iherer Schwangerschaft berichtet. Der junge Mann, geschockt von der Nachricht, nimmt während des Telefonats seine Umgebung nicht wirklich wahr und steuert wie auf Autopilot in einen Gang, der auf den ersten Blick wie eine normale Unterführung wirkt. Nach einigen Abzweigungen, die immer zielloser werden, muss der werdende Vater feststellen, dass er womöglich in einer wahrlich ausweglosen Situation steckt, ehe er ein Informationsschild erblickt.

 

(Neon-)Licht und Schatten

Durch die unwirkliche Atmosphäre und die liminale Architektur dürften sich einige wohl an "Backrooms" erinnert fühlen. Durchaus wurde das Spiel ja auch von dessen Konzept beeinflusst. Doch während "Backrooms" sein befremdliches Gefühl aus der schieren Unendlichkeit seiner sinnlosen Räumlichkeiten zieht, nutzt "Exit 8" hier die ewige Wiederholung des (scheinbar) gleichen klaustrophobischen Ganges, der eigens für den Film gebaut wurde. Genki Kawamura weiß dabei filmhandwerklich auf ganzer Linie zu überzeugen und mit zahlreichen inszenatorischen Kniffen interessante Perspektiven, Atmosphäre und Dynamik zu schaffen. So erleben wir den Weg des Mannes in die weißgefließte Hölle aus dessen Sicht, bei der Kawamura auch immer wieder mit intradiegetischen Schüben arbeitet - etwa wenn der Anruf die Musik, die die Hauptfigur über Earpods hört, unterbrochen wird. Mit dem Erreichen der Unterführung wechselt der Film dann zu einer konventionelleren Visualisierung. Doch auch hier glänzt Kawamura handwerklich. Die Kamera ist oft nah am Protagonisten und dreht sich um und mit dessen Perspektive, was nicht nur Tempo und Stress in das sterile Setting bringt, sondern immer wieder auch für einige gelungene unheimliche Momente sorgt. Ezählerisch gelingt Kawamura mit dieser Technik zudem ein sehr weicher und zugleich überraschender Perspektivwechsel im weiteren Verlauf des Films. Diese Dynamik fehlt leider wiederum der Handlung an einigen Stellen. Die vordergründige Story um Verantwortung und die Angst, Vater zu werden, ist leider recht flach geraten und - im Gegensatz zu dem subtilen Schrecken des Settings - etwas plump.

Ein paar gelungene Schockmomente werden, ebenso wie auch einige herzliche Stellen, daraus gewonnen. Auch das Pacing leidet ab der Mitte des Films ein Stück weit unter der dünnen Story, die auch einige Plotlines liegen lässt. Die zu Beginn etablierte Asthma-Erkrankung der Hauptfigur spielt irgendwann keine Rolle mehr, auch agieren der Protagonist und weitere Figuren mitunter doch recht forciert, gar dämlich in einigen Schlüßelszenen, damit der Plot funktioniert. Ebenso kommen rund um die Impementierung der Spielwelt und ihrer Regeln in den größeren narrativen Kontext durchaus Fragen auf. Etwa, wie genau der entsprechende Gang innerhalb des gesamten U-Bahnhofs funktioniert - müssten sich da nicht eigentlich mehr Leute hineinverlaufen? Auch der Sinn der Spielregeln in diesem Konstrukt wirft fragen nach dem Warum auf, die der Film nicht beantwortet. Im Vergleich hat "Backrooms"diese Probleme nicht, da die Räumlichkeiten und damit deren Regeln/Logik von der echten Welt abgegrenzt sind und klare Regeln etabliert werden, beispielsweise, dass die Räume nicht von überall zugänglich sind. Der angesprochene Perspektivwechsel hilft dem Film zum Glück dabei, sich nicht zu sehr in die Länge zu ziehen, wie der Gang, in dem er stattfindet. Immerhin ereilt niemanden der Ruf der Natur, sind die Toiletten doch am Ende des Ganges - aber das wäre dann ja eventuell eine Story für Teil 2.


Fazit: Ohne ein paar ärgerliche Schwächen wäre "Exit 8" ein deutlich runderes Filmerlebnis, andererseits ist es natürlich auch nicht einfach, eine passende Story um das abstrakte Konzept herum zu bauen - in unserem Artiel über Videospielverfilmungen könnt ihr mehr zu diesem Problem erfahren. Dennoch ist Genki Kawamuras Horror insgesamt empfehlenswert, denn die spannende Idee ist filmisch stark umgesetzt und hält durch einige Kniffe und gelungene Momente den Zuschauer bei der Stange. 

 

Gesehen von Tristan Rembold

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