
Regie: Steven Spielberg
Drehbuch: David Koepp
Kamera: Janusz Kaminski
Musik: John Williams
Besetzung: Josh O'Connor, Emily Blunt, Colin Firth, Colman Domingo, Wyatt Russel
Kinostart: 10.06.2026
"Firelight" (1964)", "Die unheimliche Begegnung der 3. Art" (1977), "E.T. - Der Außerirdische" (1982), "Krieg der Welten" (2005). Das Thema Außerirdische begleitet Steven Spielberg schon seine ganze Karriere über. Nun nähert er sich diesem ein weiteres Mal an. Und das auf unkonventionelle Art und Weise, was sowohl den Blickwinkel auf das Thema als auch die narrativen Schwerpunkte angeht.
Ein Spionagefilm... mit Aliens
Denn in "Disclosure Day" geht es nicht, wie in den meisten Science Fiction Werken mit extraterrestrischer Beteiligung, um eine Bedrohung durch Außerirdische und den Kampf gegen eine vermeintliche Invasion. Stattdessen stellt sich der Film als Spionage-Thriller rund um eine Gruppe von Whistleblowern (u.a. Josh O'Connor und Colman Domingo), die das große Geheimnis des mächtigen Konzerns unter Chef Noah Scanlon (Colin Firth) aufdecken wollen. In diesen Kampf wird die TV-Meteorologin Margaret Fairchild (Emily Blunt) hineingezogen, als sie während einer Live-Übertragung in einer unmenschlichen Sprache zu sprechen beginnt und aus dem Nichts hellseherische Kräfte entwickelt.
Daraus entwickelt sich ein hochpannender Actionfilm, der in allen Spannungsmomenten klar erkennen lässt, dass mit Steven Spielberg ein Meister des Fachs auf dem Regiestuhl Platz genommen hat. Mehrmals kommt es zu Szenen, die als Lehrbuchbeispiele für das Erzeugen von Suspense verwendet werden könnten. Vielschichtig konstruiert werden hier auf mehreren Ebenen gleichzeitig die Spannungsschrauben festgezogen und das ohne, dass der Film jemals überladen wirkt. Denn das Drehbuch ist famos gepaced. Jede Szene wird genauso lange ausgespielt wie notwendig, jeder Dialog verläuft pointiert auf einen Höhepunkt hinaus und die emotionalen Momente gehen auf. Nicht zuletzt wegen des überragenden Schauspiels der Hauptdarsteller und Hauptdarstellerinnen, welche die übernatürlichen Geschehnisse mit einem realistischen und feinfühligen Spiel kontern, das dem Publikum die Figuren nahe bringt. "Disclosure Day" ist in klassischer Spielberg-Manier nämlich nicht nur ein bombastisches Actionsoektakel, sondern verhandelt gleichzeitig zutiefst menschliche Dramen und gesellschaftlich relevante Fragen rund um die Ehrlichkeit der Regierung, wobei er deutlich progressivere Ansätze verfolgt als zu erwarten war.

Enttäuschende Effekte
Dennoch trägt Spielbergs Spätwerk eine im heutigen Hollywood altbekannten Klotz am Bein, der es davon abhält, gänzlich rund zu erscheinen. Kein einziger digitaler Effekt in diesem Film kann wirklich überzeugen. Allem, und das is eine Menge, aus dem Computer, sieht meine seine Herkunft mehr als deutlich an. In den Actionszenen ist dies noch zu verzeihen, wenn man aufgrund der gelungen Charakterisierungen mit den Figuren mitfiebert und daher dennoch eine gewisse Dringlichkeit ensteht. In den ruhigen Effektmomenten jedoch leidet der Film deutlich unter der mangelnder Qualität, da sie dem Geschehen die notwendige Greifbarkeit rauben. Darüber hinaus nehmen besagte Effektszenen dem Film einen großen Teil seiner Wertigkeit wieder weg. Denn so gut wie viele der rein praktischen Bilder aussehen, so billig wirken die computergenerierten Effekten.
Verschenktes Potenzial
Leider wird dadurch aus einem Film, der auf seinen Drehbuchseiten mit den Werken aus Spielbergs erster Reihe locker mithalten könnte, einer, der letztendlich wohl eher in der zweiten, für manche vermeintlich sogar in der dritten, Reihe verschwinden wird. Hätte man bei den Effekten den gleichen Feinschliff wie bei der narrativen Konzeption angesetzt, wäre etwas Großartiges dabei rumgekammen. So ist "Disclosure Day" zwar ein guter Film, aber eben auch ein weiterer, der an der Produktionskultur des aktuellen Hollywood scheitert. Der Film ist überraschend gut und verschenkt dennoch enttäuschend viel Potenzial.
Gesehen von Samuel Kindler
