
Regie: Dennis Harvey; Lars Lovén
Land: Irland, Schweden
Jahr: 2025
Laufzeit: 90 min.
Ein musiklaisches Portrait...
Nachdem der Regisseur Lars Lovén in seinem Vorgängerfilm "Fonko" bereits Afrika anhand seiner musikalischen Lanschaft erkundet hatte, beschloss er zusammen mit dem irischen Regisseur Dennis Harvey bei "Celtic Utopia" das Gleiche für dessen Heimatland Irland zu versuchen. Der Film besteht aus einer Reihe von Künstlerportraits, samt mindestens einer musikalischen Darbietung pro Musiker. Diese kleinen Episoden verwenden die beiden Regisseure wie kleine Mosaikstücke, um letztendlich ein großes Bild von Irland und alldem, was die geteilte Nation bewegt zu legen. Die Künstler erzählen in Interviews und ihren Liedern Geschichten aus ihrem Leben auf der Insel, welche jeweils einen kleinen Teil der Irischen Gesamtgeschichte ausmachen. So behandelt der Film alles vom englischen Kolonialismus und dem Leid, das für die irische Bevölkerung daraus entstand, über die Wiederbelebung der irischen Sprache, bis hin zum Wunsch nach einem vereinten, autonomen Irland.
...aus der Perspektive diverser Musiker
Und trotz diesem immensen Spektrum an Themen behält der Film den Fokus stets auf seinem diversen Portfolio an Protagonisten. Denn auch wenn der Film Irland als Ganzes zum Thema hat, sind die Musiker das Herz des Films. Mit ihrem sympathischen Zynismus ziehen die Iren das Publikum in den Bann und sorgten zumindest auf dem DOK.fest für viel Gelächter im Kinosaal; trotz all der Tragik der im Film gezeigten Realitäten. Der Film zeigt uns ein Volk, das traumatisiert und verletzt ist, aber dennoch die Hoffnung auf eine bessere Zukunft behält. Diese Melancholie fängt er in einer Mischung aus klassisch dokumentarischen Bildern, restauriertem Archivmaterial und bewusst inszenierten Musik-Szenen ein. Auch wenn es der Nacherzählung von Irlands Historie dadurch zeitweise etwas an Struktur fehlt, geht dieser einzigartige dramaturgische Ansatz dennoch auf. Dadurch dass die jeweiligen Künstler ein sehr weites musikalisches Spektrum andecken, kann der Film durchgehend überraschen und behält eine gewisse Spannung in der Erwartung des nächsten Musikers aufrecht.
Eine bebilderte Playlist
Interessant ist "Celtic Utpopia" aber entgegen vermeintlich Erwartungen nicht nur für Irlandinteressierte. Vor allem auch Musikfans werden ihren Spaß an dem Film finden. Denn als solcher wird man aus dieser filmischen Playlist irischer Musik mit vielen neuen Entdeckungen herauskommen, deren Diskografien man sich im Nachhinein stundenlang widmen können wird. Ob man jetzt also etwas Neues über Irland lernen oder Musik entdecken will, man wird nach dieser Dokumentation mit vielen Erkenntnissen zurückbleiben.
Gesehen von Samuel Kindler
