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Der abgehalfterte Schauspieler Johnny Cage (grandios: Karl Urban) muss wider Willen die Welt retten. Copyright: © 2025 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved. Photo Credit: Photo Courtesy Warner Bros. Pictures

 

Regie: Simon McQuoid

Produzenten: James Wan, Michael Clear, Todd Garner, Simon McQuoid, E. Bennett Walsh

Kamera: Stephen F. Windon
Soundtrack: Benjamin Wallfisch

Darsteller: Karl Urban, Adeline Rudolph, Tati Gabrielle, Lewis Tan, Hiroyuki Sanada, Jessica McNamee, Martyn Ford

Als in den 1990er-Jahren die erste Welle an Spiele-Verfilmungen aufkam, war ein Titel ganz vorne mit dabei: "Mortal Kombat". 1992 erschien der erste Teil des Entwicklers Midway Games in den Arcade-Hallen und schlug ein, wie die Protagonisten des Spiels aufeinander. Ein Grund dafür war, dass das Spiel neben coolen Figuren etwas zu bieten hatte, dass kein anderes Fighting-Game zu dieser Zeit zu bieten hatte, auch nicht Platzhirsch "Street Fighter", und zum Markenzeichen der Reihe wurde: Die Fatalities. War der Gegner besiegt, wurde er nach allen Regeln der blutigen Kunst auseinandergenommen, zersägt, geröstet, filetiert, zu Tiefkühlgemüse gefrostet, zu Chianti und Ackerbohnen angerichtet...was auch immer einem an Verben einfallen mag, "Mortal Kombat" hat sehr wahrscheinlich einen wahnwitzigen Fatality daraus gemacht, der mit "Finish him" (oder natürlich auch "her") eingeleitet und mit "Fatality" abgeschlossen ist und also zu Hauf in eben jenen Arcade-Hallen vernommen wurde. Der morbide Spaß wurde für Jugendschützer großer Ernst. So wurde "Mortal Kombat" in den USA der ungeplante Vater des ESRB (Entertainment Software Rating Board), das fortan die Altersgrenze in den USA für Games festlegte. Auch in Australien wurde eine vergleichbare Organisation wegen "Mortal Kombat" ins Leben gerufen. Teilweise wurde der Prügler auch beschlagnahmt. In Deutschland wurde Midway Games Flagschiff 1994 indiziert, ebenso die nachfolgenden Teile. Im gleichen Jahr wurde das Spiel deutschlandweit beschlagnahmt, was den Verkauf und die Bewerbung des Spiels, nicht aber dessen Besitz unter Strafe stellte. Es sollte bis 2019 und 2020 dauern, bis die Indizierung und Beschlagnahmung aufgehoben wurden. Die Verbannung sowie die Kontroversen taten dem Erfolg von "Mortal Kombat" jedoch keinen Abbruch - im Gegenteil. So folgte dann auch 1995 der erste Film unter der Regie von Paul W. S. Anderson, der zu einem großen Hit an den Kinokassen wurde.

 

Diese Fächer sind nicht nur für reinen Wein im Becher - Kitana (Adeline Rudolph) sinnt auf Rache. Copyright: © 2025 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved. Photo Credit: Photo Courtesy Warner Bros. Pictures

 

"Mother, you're alive!"

Da lies Teil zwei natürlich nicht lange auf sich warten. 1997 folgte "Mortal Kombat: Annihilation", der zwar mehr Budget zur Verfügung hatte, aber auch trashiger war - und sich mit dem folgenden Dialog zwischen Tochter und Mutter einen Platz in der digitalen Popkultur sicherte: "Mother, you're alive!" Daraufhin die Mutter: "Too bad, YOU...will die!". Auch an den Kinokassen hatte der zweite Teil nicht die Durschschlagskraft des Erstlings. Eine Fortsetzung war dennoch geplant, die dann aber zunächst in der Produktionshölle steckte, ehe Hurricane Katrina 2005 im wahrsten Sinne wie ein Sturm über die Film-Franchise fegte und das Set in New Orleans zerstörte - Fatality. Den erfuhr vier Jahre später auch Midway Games, die 2009 Pleite gingen und in Warner Bros. übergingen. Ein neuer Versuch bot sich an, schließlich war und ist das Spiel nach wie vor beliebt, hat über die Jahre an einigen beliebten Figuren und Geschichte dazugewonnen und liegt an einer Schnittstelle, die sich sehr gut für eine Verfilmung anbietet. Das Spiel verfügt über einen illustren, leicht erkennbaren Cast und eine etablierte Spielwelt, in der ein simples, aber effektives Konzept - sich gegenseitig cool und spektakulär auf die Zwölf hauen - angewendet wird, das sich (auch dank heutiger technischer Möglichkeiten) gut auf die Leinwand bringen lässt.    

2021 folgte schließlich das Reboot unter der Regie von Simon McQuoid. Der Australier gab damit zugleich sein Spielfilmdebüt, das sich trotz Covid und damit eingeschränkten Einnahmen an den Kinokassen zu einem Überraschungshit entwickelte und zum meist-gesehenen Film auf Warners Streaming-Plattform HBO Max 2021 avancierte. Zugleich ging diese Verfilmung auch in eine andere Richtung, denn sie war sehr viel ernsthafter als die Vorlage. Das missfiel neben Fans auch einigen Kritikern, hätte das Reboot doch eine Dosis Humor und mehr Charisma gebrauchen können, die ja auch den Spielen innewohnt.

 

Der Kampf zwischen Kung Lao (Max Huang) und Liu Kang (Ludi Lin) ist visuell und choreographisch ein großes Highlight. Copyright: © 2025 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved. Photo Credit: Photo Courtesy Warner Bros. Pictures

 

Die bislang beste Videospiel-Verfilmung

Teil zwei liefert genau das - auch dank eines prominenten Neuzugangs: Karl Urban. Dieser hat sichtlich jede Menge Spaß an seiner Rolle als Fanliebling Johnny Cage, ein abgehalfter Action-Star aus 90er Kung-Fu-Filmen, der plötzlich dazu berufen wird, die Erde in einem schicksalsträchtigen Turnier zu vertreten, denn der finstere Shao-Khan aus der Außenwelt hat bereits zahlreiche andere Welten versklavt - auch die Heimat der Martial-Arts-Prinzessin Kitana, die insgeheim nach Rache an dem Schurken für ihren getöteten Vater sinnt. Nun will sich der maskierte Monstermann den blauen Planeten unter den langen Nagel reissen. Der ehemalige Filmheld Johnny ist von seiner neuen Aufgabe zunächst alles andere als begeistert, doch schon bald muss er zu alter Stärke zurückfinden, findet er sich doch schließlich in einem Kampf um Leben und Tod wieder, der ins Ungleichgewicht zu kippen droht, weil Shao Khan durch ein Amulett unverwundbar geworden ist. 

"Mortal Kombat 2" ist, wenn man von der Übersetzung der Games auf die Leinwand ausgeht, die bislang beste und authentischste Verfilmung. Das liegt auch daran, dass das Spiel an einer günstigen Schnittstelle liegt, die die Fortsetzung gelungen nutzt. Das Spiel verfügt über einen illustren, leicht erkennbaren Cast und eine etablierte Spielwelt, in der ein simples, aber effektives Konzept - sich gegenseitig cool und spektakulär mit Fähigkeiten auf die Zwölf hauen - angewendet wird. Das lässt sich gut auf Leinwand bringen und in eine einfache, aber funktionierende Story verpacken. Diese passt im Sequel auf eine CD-Hülle (in denen ja mittlerweile meist nur noch ein Code für die Games liegt), die angesichts der verkrampften Überkomplexität mancher aktueller Blockbuster in ihrer Simplizität willkommen ist, aber dennoch genug Raum für die nötigen Charakter-Motivationen und -Entwicklungen der beiden Hauptfiguren, Kitana und Johnny Cage, lässt.  

 

Der fiese Maskenmann Shao Khan (Martyn Ford) will die Erde unterjochen. Copyright: © 2025 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved. Photo Credit: Photo Courtesy Warner Bros. Pictures

 

Auf den Spuren von Kurt Russel

In dieser Story fungiert der eingerostete Ex-Filmstar icht nur als Sympathieträger, sondern als Neuling, der die Welt von "Mortal Kombat" kennenlernt, auch als Einstiegshilfe für Zuschauer, die entweder den Vorgänger nicht gesehen oder die Spiele nie gespielt haben. Dabei erinnert Karl Urban ein bisschen an Kurt Russel in "Big Trouble in Little China" (auf den Film wird sogar kurz angespielt), in der der Protagonist ebenfalls ahnungslos in die Geschehnisse einer anderen Welt gerät. Lediglich zum Ende hin ufert der Film in seiner Figurendichte ein bisschen zu sehr aus. Dem Film tut das aber keinen Abbruch, denn in erster Linie geht es ja darum, dass die beliebten Figuren mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten gegeneinander kämpfen. Die Prügeleien sind im besten Sinne wie im Spiel. In einem Kampf gegen Ende der ersten Hälfte eröffnet die Kamera gar wie zu Beginn einer Fight-Stage die Szene. McQuoid inszeniert die Kämpfe kompetent, übersichtlich und mit viel Dynamik. Sind die jeweiligen Schauspieler kampferprobt, entstehen einige beeindrucke Actionszenen - insbesondere der Fight zwischen Liu Kang und dem Untoten Kung Lao, der mit einem Sägeblatthut den neuesten modischen wie physischen Schrei setzt. Bei den Schauspielern, die in der Hinsicht weniger begabt sind, muss der ein oder andere Schnitt nachhelfen, doch auch hier ist die Action unterhaltsam und dank der (überraschend gut in die Handlung integrierten) Fähigkeiten - die der Film durch modernes CGI auch einfacher umsetzten kann als der Erstling anno 95 - abwechslungsreich. Ebenfalls abwechslungsreich sind auch die verschiedenen Locations, die von einem Verließ mit Säurebad bis in die Hölle reichen. Die jeweiligen Umgebungen sehen nicht nur cool aus, sondern werden kreativ und organisch in die Kämpfe integriert, die natürlich die splattrigen Fatalities nicht missen lassen. Die sind nicht nur in den Spielen, sondern auch im Film ein Highlight.

Fazit:  "Mortal Kombat 2" ist der Film, auf den sich die Fans über dreißig Jahre gedulden mussten. Doch auch Neulinge können dank guter Action, wahnwitziger Kills und einem spielfreudigen Karl Urban ihren Spaß an der gelungenen Spiele-Verfilmung finden, die bestens für zwei Stunden unterhält.

Gesehen von Tristan Rembold