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Ravioli AT 2002, 79 Min REGIE: Peter Payer
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Regie: Peter Payer
Kinostart: 25. November 2004
Comedy made in Austria - die Geschichte eines Arbeitslosen
Vielleicht denkt sich uns nur wer ... es gibt so Kranke!; Ist Optimismus nur eine Form von Informationsmangel?; Wenn der Weg das Ziel ist - ist dann das Ziel weg? Bedeutet das, dass ich schon betrunken bin, wenn ich Durst habe? ...
Mit solchen Fragen zwischen Ironie und Selbstmitleid im Kopf, begeht unsere Hauptperson Heinz Hoschek (Alfred Dorfer) sein Leben, oder besser gesagt, was davon übrig geblieben ist. Sein Job als Bankfilialleiterstellvertreter wurde gekündigt. Sein neues Haus, für das er sich selbst einen viel zu hohen Kredit gegeben hat, gehört anderen. Seine Mutter ist tot, gerade beerdigt. Sein Vater ist im Pflegeheim, wo er der Philosophie von Mensch-ärgere-Dich-nicht nachhängt. Seine Ehe ist in die Brüche gegangen und sein Sohn will lieber Basketball als Minigolf spielen.
Nun kehrt er in die leerstehende, elterliche Wohnung zurück, um dort in der Badewanne unterstützt von Alkohol und Valium aus Mutters Arzneischrank sein Leben Revue passieren zu lassen. Er rekapituliert, imaginiert, philosophiert und übt sich in der hohen Kunst des Scheiterns. In seiner Einsamkeit flüchtet er sich vor dem ‚Jetzt' in sein ‚Damals' mit Ferien am Meer, Geburtstagsfeiern, Schul- und Studienzeit, Verlobung, Anhimmelung seiner Nachbarin... und nach und nach verliert er sich ganz in seiner Phantasie, geht unter im Glück der vergangenen Jahre. Er erträumt sich seine Existenz als mutiger Schottenheld Braveheart, als Rebell oder romantischer Liebhaber und bekommt Besuch von allegorischen Figuren - der Tod und der Geist der Siebziger sind nur einige der Gäste, die eben mal vorbei schauen. Und seine tote Mutter lädt ihn unentwegt zu einer Tasse Tee ein, besonders gern, wenn er gerade ihr Grab pflegt. Nur in kleinen Schritten versucht er seinem Untergang entgegenzusteuern, u.a. wird er Bademeister.
Der Film entstand nach Dorfers jüngstem Bühnenstück "heim.at". Er selbst ist als Hauptdarsteller in jeder Szene des Films zu sehen - meisterlich als Antiheld.
Eine eigenwillige Kombination aus Bildausschnitt, Licht und Farbdramaturgie verleiht der Geschichte ungewöhnliche Bilder, die durch eine mutige Montagetechnik zusammengefügt werden. Scheinbar amateurhafte Urlaubsaufnahmen mischen sich mit fast dokumentarischer Handkamera.
Der 'Tragik-Komik' und dem trockenen, schwarzen Humor verleiht die ‚fremdwortreiche', österreichische Sprache noch eine ganz besondere Note.
Ein eigenwilliges Statement zu einer gesellschaftlichen Situation, und das auf Österreichisch.
Klingt seltsam und ist auch so. Aber Österreicher dürfen das!
Gesehen von Kathrin Metzner
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Argentinien/Spanien, 122 Minuten Regie: Damián Szifron DARSTELLER: Ricardo Darín, Oscars Martinez, Leonardo Sbaraglia, Érica Rivas, Rita Cortese, Julieta Zylberberg y Dario Grandinetti |
Ein ambivalenter Film über das menschliche Versagen.
Die Welt, in der wir leben, kann oft ungerecht und bitter sein, vor allem in Schwellenländern wie Argentinien. Die Menschen sind gestresst, werden depressiv und manche von ihnen rasten aus. RELATOS SALVAJES ist ein Film über die, die austicken.
Es ist der einzige südamerikanische Film, der es dieses Jahr in die "Compétition" geschafft hat. Damián Szifron, der Regisseur, ist ein Neuling in Cannes und gehört mit seinen 38 Jahren zu den jungen Kandidaten des diesjährigen Festivals. Vor allem, wenn man ihn mit seinen Konkurrenten (Jean-Luc Godard, Mike Leigh oder Ken Loach) vergleicht. Der bisher bekannteste Film des Argentiniers ist TIEMPO DE VALIENTES aus dem Jahr 2005.
RELATOS SALVAJES ist ein Episodenfilm. Die einzelnen Sequenzen haben inhaltlich nichts miteinander zu tun, weisen aber dennoch alle eine Gemeinsamkeit auf: Charaktere, welche die Kontrolle über sich selbst verlieren und dadurch zu barbarischen Akten greifen. Die Auslöser sind verschiedener Art: Ehebruch oder Strafzettel, um zwei Beispiele zu nennen. Szifron zeigt uns mit viel Ironie und schwarzem Humor, wie schnell die Grenze zwischen Zivilisation und Barbarei verschwimmen kann.
Ein Flugzeugabsturz, ein Mord in einem Restaurant und ein Streit zweier Autofahrer, der eskaliert. Die ersten drei Episoden sind sehr amüsant und im Kinosaal konnte sich kaum jemand ein Lachen verkneifen. Die nächsten Sequenzen haben weniger Würze und die Handlungen werden voraussehbar. Es wird recht offensichtlich, dass die Charaktere jedes Mal auf die "unvermeidliche Katastrophe" zusteuern. So verliert der Film zwischendurch etwas an Reiz. Mit der letzten Sequenz beschert der Regisseur den Zuschauer doch noch mit einem turbulenten Happy End. Abgesehen von dem Inhalt, ist die Kameraführung sehr auffallend.
Fazit: Ein vielschichtiger und ambitionierter Film, der eine Menge unterschiedliche Themen anspricht. Vielleicht etwas zu viele: Zusammen wirken die Episoden etwas unstimmig und man hat teilweise den Eindruck, die Top 10 eines Kurzfilmwettbewerbs vorgeführt zu bekommen. Trotzdem sind alle Teile im Einzelnen betrachtet recht gut gelungen.
Gesehen von Luis Schubert

Relatos Salvajes Ein ambivalenter Film über das menschliche Versagen. Die Welt in der wir leben, kann oft ungerecht und bitter sein, vor allem in Schwellenländern wie Argentinien.