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Caro (Asia Argento) will nur eines: das Grundstück ihres Vaters verkaufen und mit der Vergangenheit abschließen. Copyright: La Faena
 

Originaltitel: LA MUERTE NO TIENE DUEÑO
Regie/Drehbuch: Jorge Thielen Armand
Kamera: Luis Armando Ortega
Darsteller: Asia Argento, Dogreika Tovar, Arturo Rodriguez
Länge: 104 Min.
Jahr: 2026

 

"Death has no Master", der dritte Film des venezuelanischen Regisseurs Jorge Thielen Armand stellt sowohl narrativ als auch stilistisch eine Reise in die Vergangenheit dar. Auf einer verkommenen Kakaoplantage verhandelt er die klassischen Themen des Italo-Westerns.

 

Erbstreit in alten Mauern

Jahre nach dem Tod ihres Vaters, seines Zeichen Kolonialherr und Betreiber einer Kakaoplantage in Venezuela, kehrt Caro auf das Gut ihrer Familie zurück, um das Grundstück schnellstmöglich gewinnbringend zu verkaufen. In dem verfallenen Anwesen angekommen sieht sie sich allerdings mit Hausbesatzern konfrontiert, die sich Caros Besitzansprüchen nicht unterwerfen wollen. Denn der kleine Maiko, Sohn des früheren Dienstmädchens und angeblichen Liebhaberin des verstorbenen Hausherren, Sonia, scheint ebenfalls ein Anrecht auf das Erbe zu haben. Damit beginnt ein Erbstreit, der für alle Parteien bitter enden könnte. Denn ist die Gewalt erstmal entfesselt, stellt sie sich als unaufhaltbare Naturgewalt heraus. 

 

Einfache Geschichte effektiv erzählt

Die Geschichte von "Dath has no Master" ist simpel, die Erzählweise des Films aber dennoch effektiv. In langen Einstellungen und gemächlichen Szenenverläufen bewegt sich der Film wie eine langsame Welle unaufhaltsam dem Gewaltausbruch entgegen. In den geisterhaften Gemäuern des zusammenstürzenden Anwesens entfaltet der Film eine bedrückende Athmosphäre der stetigen Bedrohung verweist damit auch auf die Spukhausfilme der 50er und 60er Jahre. Narrativ hat der Film aber vor allem ein großes Vorbild: den Italo-Western. Schon in den ersten beiden Dritteln, die sich vielmehr dem psychologischen Drama verschreiben, sind die typischen Themen des Subgenres präsent. Neben dem fast obligatorischen Streit um ein Grundstück, stehen auch posttraumatische Erfahrungen und Rache im Zentrum der Erzählung. Spätetstens aber im letzten Drittel wird der Italo-Western auch Inszenatorisch relevant.

 

Ganz wie Damals

Beim Rückgriff auf all diese Einflüsse tappt der Film jedoch gerade nicht in die üblichen Fallen der Exploitation-Nostalgie. Anders als seine Zeitgenossen wie Robert Rodriguez und Eli Roth verzichtet Armand ganz bewusst auf die stumpfe Reproduktion veralteter Geschmacklosigkeiten in modernem Gewand. Stattdessen schuf er einen Neo-Exploitation-Film, der sich beinahe zeitlos das italienische Kino der 70er einreiht und, seinen Vorbildern gleich, unter der plumpen Oberfläche viel politisches Aussagepotenzial verbirgt. Auch gelingt ihm besagte Zeitlosigkeit durch die Kameramann Luis Armando Ortega so wunderschön eingefangen Bilder mit ihrem überpräsenten Filmkorn und grellen Lichteinfällen vermitteln eine genaue Kenntniss der Bildsprache besagter Ära und sind dennoch keine direkte Kopie. Wie auch der restliche Film besitzen sie einen individuellen Stil und wirken dadurch vielmehr wie eine konsequente Weiterführung vergleichbarer Filme aus jener Zeit. 

 

Must-See für Fans 

Jorge Thielen Armand und sein Team haben es also tatsächlich geschafft in 2026 eine 70er-Jahre-Exploitation Western über die Auswirkungen des Kolonialismus auf das heutige Venezuela zu drehen. Damit sollten sie sich nicht nur einen Platz auf dem Filmfest München  verdient haben, sondern auch auf den Watchlisten alle Genrefans und Liebhaber der italienischen Kinos. 

 

Gesehen von Samuel Kindler