
Regie: Maja Holland
Land: Norwegen
Jahr: 2026
Länge: 92 Min.
Was Neues im Norwegian Black Metal
Die norwegische Blackmetalszene ist neben ihrem berüchtigten Klang und der Ptovokation als künstlerische Grundlage vor allem für Folgendes bekannt: toxische Männlichkeit und völkische Ideologie. Sie ist berühmt für sextische, rassistische und homophobe Aussagen und Straftaten ihrer wichtigsten Vertreter. Es ist also kein Wunder, dass Witch Club Satan als Band mit ausschließlich weiblicher Besatzung, die sich zudem noch laustarkem feministischem und antifaschistischem Aktivismus verschrieben hat, für Aufregung in genau dieser Szene sorgt. Seit ihrer Gründung in 2022 legte die Band einen Raketenstart in Richtung Genreolymp hin und demnach verwundert es noch viel weniger, dass sich Regisseurin Maja Holland nun filmisch diesem Phänomen angenähert hat.
Mythenbidlung im Hexenprozess...
Dazu orientiert sich bei der Inszenierung bewusst am Stil der porträtierten Künstlerinnen. Die Geschichte der Band wird mystifiziert, indem man sie anhand eines inszenierten Hexenprozesses erzählt, bei dem verschiedenste Akteure der norwegischen Metalszene als Zeugen zu Wort kommen. Zusätzlich werden weitere filmische Gestaltungsmittel angewendet; wie z.B. das Einteilen der Handlung in drei Kapitel, welche den drei Jahren eines angeblichen Teufelspaktes der Band entsprechen oader das Verwenden von atmosphärischen Voiceovers, die an die Vocals in der Musik der Band angelegt sind. Dies führt dazu, dass im Film der Mythos um die Gruppe mit der tatsächlichen Geschichte verschmilzt.
... und interessante Einblicke
Dieser Eindruck beißt sich allerdings stark mit den durchaus sehr persönlichen Einblicken hinter die Kulissen der Band. So werden in langen Sequenzen höchst emotionale Gespräche begleitet, in denen die drei Musikerinnen versuchen ihre Wünsche nach einem Privatleben und einer Familiengründung mit ihrem Erfolg als Band in Einklang zu bringen. Glücklicherweise kommt aber auch die Kunst als solches nicht zu kurz. So zeigt der Film etliche Momente aus dem Schaffungsprozess des bisher einzigen Albums der Band und beleuchtet mit viel Hingabe die politische Aussage hinter der Musik und den Auftritten von Witch Club Satan. Hier wird die Wirkung des ausgeübten politischen Aktivismus auch teilweise kritisch hinterfragt. allerdings hält sich der Film hierbei dennoch kurz.

Zwischen Kunstdarbietung und Künstlerpotrait
Genau wie die Konzerte der Formation ist auch der Film in vielen Sequenzen Performance-Kunst. Dennoch vergisst er nie gänzlich eine Dokumentation zu sein und erzählt Einiges über die beeindruckende Geschichte der Band und ihre politische Zielsetzung. Wer eine neue Perspektive auf den Black Metal erleben will, sollte sich „Hex“ auf jeden Fall ansehen.
Gesehen von Samuel Kindler
