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Gestalterische Wege

Tachometer

 

In letzter Zeit hört man immer häufiger das Loblied auf Technik und Software, dass die Kreativen heutzutage viel weniger eingeschränkt sind als früher, weil visuell und akustisch jede auch nur erdenkliche Vision auch verwirklicht werden kann.

So weit so gut. Doch warum nur sind dann die gestalterischen Entwicklungen im Film heute so viel geringer, warum sind die Filme formal so viel weniger wagemutig als früher? Führt das unbegrenzte Angebot an Möglichkeiten vielleicht sogar zu einer Ziellosigkeit und Ungerichtetheit unserer Fantasie? Ist vielleicht doch etwas dran an der These, dass gerade die Einschränkungen, die nicht vorhandenen Möglichkeiten unsere Fantasie ganz besonders beflügeln?

Wenn man sich in der Filmgeschichte umschaut und die gestalterischen Meilensteine im Film betrachtet, fällt jedenfalls auf, dass die Zahl der hochriskanten aber zugleich von zahllosen Ideen getriebenen Filme im Verlauf der Moderne bis in unsere Tage immer geringer geworden ist.

Tatsächlich kann der Mangel, etwa auch an Budget, aber vielleicht auch an digitalen Manipulationsmöglichkeiten sehr viel Kreativität freisetzen. Weshalb das nicht zu explosionshafter Steigerung genialer Ergebnisse gerade im Low-Budget Film führt? Vielleicht weil speziell dort häufig das gediegene Filmhandwerk fehlt oder gewisse Mindestbedingungen nicht erreicht wurden. Und doch findet man in diesem Bereich, vorausgesetzt, das Handwerk wurde beherrscht (auf allen Ebenen, vom Drehbuch bis hin zu den Schauspielern), hier und da spannende Ergebnisse.

Deutlicher wird das vielleicht beim Arthouse-Kino, welches immerhin häufiger stilistisch innovative Filme hervorbringt als der hochbudgetierte Mainstream. Hier herrscht auch eher Mangel an Budget und damit auch eine Begrenztheit aufwändiger digitaler Bearbeitungsverfahren.

Ob es eher die bequemen, die gemütlichen und einfachen Ausgangssituationen oder die Begrenzungen an Möglichkeiten sind, die neue gestalterische Wege eröffnen oder vielleicht sogar erzwingen, lässt sich pauschal nicht beantworten. Doch wer in sich hinein horcht und überlegt, welche Rolle auch die Notwendigkeit zur Improvisation, die Findung von gestalterischen Umwegen und alternativen Ausdrucksformen, vielleicht sogar von Andeutungen statt expliziter Darstellung bei eigenen Arbeiten gespielt haben, wird möglicherweise auf interessante Zusammenhänge jenseits der "Alles ist möglich" Ansage stoßen.

 

Weitere Filmgedanken:

 

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