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Gerda schwimmt bei atmosphärischer Lichtstimmung auf dem Wasser (Setting eines Projekts der „DIN A 13 tanzcompany“, Copyright: Miriam Jakobs, Gerhard Schick / DOK.fest München)

 

Freigegeben ab 6 Jahren

Empfehlung ab 14 Jahren

Deutschland 2026

Autoren/Regie/Kamera/ Schnitt: Miriam Jakobs, Gerhard Schick

Originalfassung: Deutsch, Englisch

Länge: 120 min.

Ton: Sergio Rissone, Ralf Weber

Musik: Frank Schulte

 

Im Rahmen des DOK.fest München hat sich Movie College verschiedene Dokumentarfilme angeschaut. Dabei hat „Movement Unbound“ mit Auswertungen von drei Jahrzehnten Archivmaterial und aktuellen Dreharbeiten  über mehrere Monate hinweg überzeugt.

In Movement Unbound  geht es um die „DIN A 13 tanzcompany“, ein international bekanntes Tanzensemble aus Köln. Die Tanzcrew besteht sowohl aus Tänzern und Tänzerinnen mit als auch ohne körperliche Beeinträchtigung. Der Film regt dazu an, Ästhetik in ihrer bisherigen Form infrage zu stellen. Was definiert eigentlich Schönheit und was lediglich gesellschaftliche Normen? Er führt durch unterschiedliche Projekte der Company, die schon seit 1995 nationale und internationale Produktionen im Bereich „Mixed-abled“-Tanz kreiert. Die Gründerin Gerda König, eine Choreografin, übernahm dabei die Leitung. Zusammen mit ihrer langjährigen Co-Leiterin Gitta Roser prägt sie das Ensemble bis heute. Da Gerda König selbst aufgrund einer Behinderung auf einen Rollstuhl angewiesen ist, verfolgt sie dieselbe Vision wie der Film: die Bewegungsqualität „anderer Körper“ nicht als Defizit zu begreifen, sondern als eigenständigen und innovativen ästhetischen Ansatz im zeitgenössischen Tanz.

 

Projekte

Der Film begleitet verschiedene Projekte der Company, Wie die jüngste Produktion „MYspace SAFEspace NOspace“ Das Projekt untersucht das Konzept von „Safe Spaces“ – also geschützten Räumen, intimen und sicheren Blasen innerhalb unserer normorientierten Welt. Es stellt die Fragen: Wer gestaltet diese Räume? Wer darf sie nutzen und wer bleibt außen vor? Es fusioniert die LGBTQ+-Community mit Performern mit körperlicher Behinderung, um ihrer gemeinsamen Erfahrung und der Suche nach Akzeptanz Raum zu verschaffen.

Im Film wird dabei auch das das internationale Projekt „Dance meets differences“ ins Leben. Mit diesem reist die Kompanie in Krisen- und Entwicklungsländer, um dort interkulturelle und inklusiv besetzte Ensembles aufzubauen und politische Barrieren durch Tanz zu überwinden.

 

Der Film

Das Regieduo Miriam Jakobs und Gerhard Schick hat nicht nur Regie und Drehbuch übernommen, sondern auch den Schnitt sowie Teile der Kameraarbeiten. Dadurch entstand ein enges Vertrauensverhältnis zu den Tänzern, welches die persönlichen Geschichten und intime Atmosphäre des Films überhaupt erst möglich machte.

Der ganze Film ist provokant. Und obwohl man manchmal gedanklich abschweift, schafft er es, einen immer wieder herauszufordern und zurück in den Moment zu holen. Wenn man sich auf den Film einlässt, kann er den Blick auf Kunst, Körper und Kreativität grundlegend verändern und neue Denkanstöße geben. Er regt zum Nachdenken und Hinterfragen an und vermittelt das Gefühl, dass die Freiheit von Kreativität und Ideen grenzenlos ist. Teilweise wirkt der Tanz im Film surreal oder sogar befremdlich, weil er nun mal nicht den Sehgewohnheiten entspricht – aber genau das will er ja auch nicht.

Begleitet wird das Ganze durch gute Musik, beinahe cineastischen Sound und beeindruckende Kameraführung, welche den Blick immer auf das Wesentliche lenkt und dabei hilft, eingefahrene Sichtweisen nach und nach abzulegen. Auch wenn man nicht immer genau versteht, worum es gerade geht, lässt der Film einen selbst fragen, ob das überhaupt nötig ist. Dennoch ist es ab und an anstrengend, den Film anzuschauen, da manchmal ein klarer roter Faden oder eine stärkere Einordnung fehlt. Das soll jedoch nicht heißen, dass der Film nicht sorgfältig durchdacht ist. Besonders deutlich wird das durch die gut ausgewählten Interviewpartner.

 

Gesehen von Sophie Haushofer