
Schon in frühesten Sagen und Mythen verschiedener Kulturen wurde von furchterregenden Monstern erzählt, deren Bezwingung von Heldenmut zeugte, ist die Kreatur doch meist die größte aller Gefahren. Zum Beispiel der Drache in der Nibelungen-Sage aus dem Jahr 857. Diese Faszination erreichte auch das frühe Kino, das Mythen wie auch zeitgenössische Monster-Geschichten aufgriff. Einer der ersten Filme hierzu ist der kaum noch erhaltene deutsche Stummfilm "Der Golem" von Paul Wegener, der 1915, inmitten des Ersten Weltkriegs, in die Kinos kam. Der Film greift die jüdische Sage um einen Golem aus Lehm auf, der mittels eines Ammuletts zum Leben erweckt wird. Paul Wegener selbst verkörperte den titelgebenden Koloss. 1920 folgte die Fortsetzung. Auch In der Kriegspropaganda selbst findet man das Monster-Motiv, das den Feind mittels Bildsprache entmenschlichen und den Kampf moralisieren und mythisch aufladen soll - wie etwa auf dem amerikanischen Propagandaposter "Destroy this Mad Brute" von Harry Ryle Hopps, dass das deutsche Kaiserreich als tumb-aggressiven Gorrilla darstellt, der die Lady Liberty entführt. Dieses Motiv geht wiederum zurück auf die teils mythisch-romantisierte Naturforschung des 19. Jahrhunderts zurück und findet sich in einem der bekanntesten und wichtigsten Vertreter des Monster-Horrors KIng Kong. 1933 kletterte der zu groß geratene Affe (Co-Autor ist übrigens ein gewisser Edgar Wallace) auf das Empire State Building und schrieb Filmgeschichte, deren Einfluß so bedeutsam war, dass daraus weitere ikonische Figuren folgten - unter anderem ein Klempner namens Mario.
Zwischen Zukunft und Vergangenheit
Der Riesenaffe begründete nicht nur ein eigenes Franchise, sondern schaute 1962 auch beim berühmten Nachbarn auf der anderen Seite des Pazifiks vorbei: Godzilla. Dem bekanntesten aller japanischen Film-Monster wird seine Existenz dem etwas in Vergessenheit geratenen Horror-Film "The Beast from the 20.000 Fathoms" zugeschrieben - für dessen Effekte sich wiederum Ray Harryhausen verantwortlich zeichnete. Das Kaiju (die japanische Bezeichnung für das Monster-Subgenre) war 1954 eine Reaktion auf das Trauma des Atombombenabwurfs über Hiroshima und Nagasaki und die Angst vor den Gefahren rund um atomare Verseuchung aus japanischer Sicht. Diese Angst vor den Auswüchsen des Atomzeitalters finden sich auch in zahlreichen Sci-Fi- und Horror-Filmen aus den USA der 1950er. Von Riesen-Ameisen in "Them!", über Riesen-Spinnen in "Tarantula" (USA, 1955) bis Riesen-Gottesanbeterinnen in "The Deadly Mantis" (USA, 1957). Mit "The Blob" (1958) vermengten sich Science-Fiction und Horror stärker, wurde hier auch die Angst des Unbekannten aus dem All in Form des Blobs, einer alles verschlingenden Masse, aufgegriffen, der durch einen Kometen zur Erde gelangt. Je größer das Viech, desto größer auch die Angst davor und die damut verbundene Herausforderung, es mit den gegebenen Mitteln der jeweiligen Zeit ins Jenseits zu befördern.
In den späten 50ern und 60ern erlebten Epen, die sich häufig auf alte Sagen und Mythen stützten, große Popularität - auch dank der Effekte des erwähnten Ray Harryhausen, der zahlreiche Kreaturen durch seine Stop-Motion-Arbeit zum Leben erweckte. Beispielsweise Zyklopen und Drachen in "The 7th Voyage of Sinbad" (USA, 1958) oder die Hydra in "Jason und die Argonauten" (USA, 1963). In den 70ern setzte Harryhausen die Sinbad-Reihe fort und lies Patrick Wayne, Sohn des berühmten Westernhelden John, gegen die Medusa kämpfen.

Animatronische Haie, digitale Schlangen und reale Katastrophen
Die Filme schufen moderne, eigene Mythen die mit ihren Monstern verbunden sind. Besonders deutlich wird das mit Steven Spielbergs "Jaws" (USA, 1975), der eine weltweite Angst vor Haien auslöste und die Meerestiere zu eisklaten Killer-Bestien stilisierte. So wurde der Hai zu einem Mythos des Tier-Horrors, der immer wieder thematisch in folgenden Filmen aufgegriffen und reproduziert wurde. Spielberg wurde für "Jaws" wiederum von Godzilla und King Kong inspiriert. Angesichts film-technischer Entwicklungen wurden ebendiese Klassiker für das Kino wiederentdeckt und durch Remakes oder eigene Versionen neu aufbereitet - etwa die King-Kong-Neuauflage von 1976. "Jaws" beflügelte zudem das Monster-Genre, das nur vier Jahre später mit H. R. Gigers Albtraumkreation "Alien" einen weiteren ikonischen Vertreter hinzugewinnen sollte. Der Erfolg des Xenomorphs bereitete wiederum den Weg für ein weitereres gefürchtetes Alien: Den Predator, der 1987 die Leinwände unsicher machte. Der außerirdische Jäger spielte in und zugleich mit der Filmkultur der 80er, spiegelt die Truppe um Arnold Schwarzenegger doch zugleich den Prototypen des 80er-Actionhelden, der angesichts der Gefahr gleichermaßen dekonstruiert wie gefördert wird. Das verdient aber einen eigenen Artikel zum Thema Aliens im Film.
Groß wurden Monster natürlich auch, wenn Menschen kleiner wurden: Etwa in "Honey, I Shrunk the Kids" (USA, 1989) oder Albert Pyuns "Dollman" (USA, 1991). Mehr dazu in unserem Beitrag zu Minimenschen in Filmen.
Mit den neuen Möglichkeiten durch CGI, das ab den 90ern filmreif wurde, wurden auch Monster-Filme einfacher zu produzieren. Viele echte Effekte kamen noch in "Arachnophobia" oder "Tremors" zum Einsatz. "Starship Troopers" setzte auf eine Mischung aus relen (und bis heute beeindruckenden) digitalen Effekten, mit denen metergroße Alien-Käfer zu einer Gefahr für Space-Marines wurden. Komplett digital ist die titelgebende Schlange in dem 1997 erschienen Horror-Streifen "Anaconda" mit Jennifer Lopez - der neben mehreren Nachfolgern auch Nachahmer wie "Python" und "Python 2" (USA, 2001/2002) hervorbrachte. Der Monster-Horror der 50er wurde zugleich als beliebter (Zitat-)Gegenstand zahlreicher 2000er B- und Trash-Filme - man denke an "Ice Spiders" von 2007 - wiederentdeckt. Auch die großen Monster wurden im Zuge der technischen Entwicklungen für Hollywood wieder interessant. So versuchte sich Roland Emmerich etwa 1998 an einer US-Version von "Godzilla". 2005 legte Peter Jackson King Kong spektakulär neu auf. Zur gleichen Zeit feierte auch das Found-Footage-Format seine erfolgreichste Zeit, das dem Monster-Film durch Experimente wie "Cloverfield" oder "Trollhunter" aus Norwegen im wahrsten Sinne eine neue Perspektive eröffnete, Da die US-Studios an dem monströsen Erfolg des Marvel-Cinematic-Universe, das 2008 an den Start ging, wurde nun alles zu einer zusammenhängenden Franchise verwurstet. Nun prallten auch fast 60 Jahre nach ihrem ersten Aufeinandertreffen Godzilla und King Kong 2021 wieder aufeinander. Auch in Japan wurde das inoffizielle Nationaltier zurück auf die Leinwand geholt - auch aufgrund einer erneuten Katastrophe: Fukushima. Hideaki Annos "Shin Godzilla" von 2016 behandelt den reptiloiden Koloss als Naturkatastrophe, auf den die überforderte und mehr auf die öffentliche Wahrnehnmung bedachte japanische Regierung eine Antwort zu finden versucht. In Takashi Yamazakis "Godzilla: Minus One" von 2023 werden alte und neue Motive vor einem interessanten Setting vermengt: Nach Ende des zweiten Weltkriegs tritt Godzilla nach Hiroshima und Nagasaki als dritte Katastrophe in Erscheinung, derer sich Frewillige - unabhängig von Regierung und Militär - entgegenstellen und damit nicht mehr - wie im US-Kino - der Mensch zur bloßen Nebenfigur in einem Spektakel Monster vs Monster verkommt, sondern - wie in der klassischen Heldensage - das Ungeheuer in einem ungleichen Kampf besiegen muss. Doch auch freundliche große Tiere existieren: Clifford, der große rote Hund will wirklich nur spielen.
Im Überblick:
- "Der Golem" (DE, 1915) Regie: Paul Wegener
- "King Kong" (USA, 1933) Regie: Merian C. Cooper, Ernest B. Schoedsack
- "The Beast from 20.000 Fathoms" (USA, 1953) Regie: Eugène Lourié
- "Godzilla" (JAP, 1954) Regie: Ishiro Honda
- "Them!/Formicula" (USA, 1954) Regie: Gordon Douglas
- "Tarantula" (USA, 1955) Regie: Jack Arnold
- "The Deadly Mantis" (USA, 1957) Regie: Nathan Juran
- "The Blob" (USA, 1958) Regie: Irvin S. Yeaworth junior, Russel S. Doughton
- "The 7th Voyage of Sinbad" (USA, 1958) Regie: Nathan Juran
- "Godzilla vs King Kong" (JAP, 1962) Regie: Ishiro Honda
- "Jason und die Argonauten" (USA, 1963) Regie: Don Chaffey
- "Jaws" (USA, 1975) Regie: Steven Spielberg
- "King Kong" (USA, 1976) Regie: John Guillermin
- "Alien" (USA, 1979) Regie: Ridley Scott
- "Sinbad and the Eye of the Tiger" (USA, 1977) Regie: Sam Wanamaker
- "Predator" (USA, 1987) Regie: John McTiernan
- "Honey I Shrunk the Kids" (USA, 1989) Regie: Joe Johnston
- "Dollman" (USA, 1991) Regie: Albert Pyun
- "Tremors" (USA, 1990) Regie: Ron Underwood
- "Arachnaphobia" (USA, 1990) Regie: Frank Marshall
- "Anaconda" (USA, 1997) Regie: Luis Llosa
- "Starship Troopers" (USA, 1997) Regie: Paul Verhoeven
- "Godzilla" (USA, 1998) Regie: Roland Emmerich
- "Python" (USA, 2001) Regie: Richard Clabaugh
- "Python 2" (USA, 2002) Regie: Lee McConnell
- "King Kong" (USA, 2005) Regie: Peter Jackson
- "Ice Spiders" (USA, 2007) Regie: Tibor Tákacs
- "Cloverfield" (USA, 2008) Regie: Matt Reeves
- "Trollhunter" (NOR, 2010) Regie: André Ovredal
- "Shin Godzilla" (JAP, 2016) Regie: Hideaki Anno
- "Godzilla vs Kong" (USA, 2021) Regie: Adam Wingard
- "Godzilla Minus One" (JAP, 2023) Regie: Takashi Yamazaki
