Movie-College Logo

Möbeliert, frisch renoviert, 500 Euro Kaltmiete - Clark (Chiwetel Ejiofor) in den Backrooms. Copyright: ©A24/Constantin Film

 

Land: USA/2026

Regie: Kane Parsons

Drehbuch: Will Soodik

Soundtrack: Kane Parsons, Edo Van Breemen

Produktion: Shawn Levy, Osgood Perkins, James Wan, Dan Cohen, Dan Levine, Michael Clear, Robert Patino

Kamera: Jeremy Cox

Darsteller: Chiwetel Ejiofor, Renate Reinsve, Mark Duplass, Lukita Maxwell

 

Es begann mit einem Forumspost: 2019 postete ein anonymer User auf der Seite 4Chan auf einem Board für Paranormales ein Bild von gelb tapezierten, leeren und unwirklichen Büroräumen. Und so ward es fluoreszierendes Licht für die Backrooms, die fortan zu einem Internetphänomen werden sollten, das zahlreiche Artikel, Geschichten, Spiele, Memes und Videos mit sich zog. Am bekanntesten wurde dabei die Web-Serie eines gewissen Kane Pixels, der mit gerade mal 16 Jahren begann, eine Video-Serie über die Backrooms zu drehen. Kane Pixels, besser bekannt als Kane Parsons, störte sich an der eher unterdurchschnittlichen Qualität zahlreicher Backrooms-Inhalte, die oft weniger das eigentliche Konzept nutzten, als eher ihre Protagonisten von PNGs des Musikers Kanye West durch das unwirkliche Großraumbüro des Grauens zu jagen. Parsons, der bereits erste Erfahrungen mit kleineren Video-Projekten gesammelt hatte, brachte sich selbst 3D-Modelling in der Freeware Blender bei und schuf einen fast vollständig animierten Kurzfilm, der Anfang 2022 auf YouTube veröffentlicht wurde. Schnell wurde Parsons' Projekt zu einem viralen Hit, dass sich - natürlich auch dank Memes - verbreitete und im medialen Bewusstsein hielt. 

 

Die unwirklichen Räume stecken voller Mysterien. Copyright: ©A24/Constantin Film

 

Enter the Backrooms

Der Erfolg von Kane Parsons inspirierte nicht nur zahlreiche Nachahmer, sondern war natürlich auch Hollywood nicht verborgen geblieben. Über Regisseur Shawn Levy wurde der Kontakt zu A24, bekannt für experimentelle Filme, hergestellt. Zwischen den Schulzeiten befand sich Parsons also nun in Gesprächen mit Produzenten des Studios hinter Hits wie "Everything Everywhere All At Once" (USA, 2022). Schon ein Jahr später, da war der Filmemacher gerade 18, begann die Produktion. Von einer Blender-Homeproduktion, zu einem zehn Millionen Dollar teuren Hollywood-Spielfilm. Nicht viele Studios dürften dabei Angst haben, das Projekt gegen die gelbe Wand zu setzen, doch A24 vertraute Parsons und das Ergebnis kann sich sehen lassen. 

 

Mary (Renate Reinsve) vor dem Tor in die andere Welt. Copyright: ©A24/Constantin Film

 

Hinter den Kulissen der Realität

Möbelhausbesitzer Clark (Chiwetel Ejiofor) steht vor einem Scherbenhaufen. Der Alkoholiker hat Haus und Frau verloren und lebt nun in seinem Möbelgeschäft, das ebenfalls nicht gut läuft. Auch die Gespräche mit seiner Therapeutin Mary (Renate Reinsve) bringen keine Besserung. Eines nachts entdeckt Clark den Grund für die Lichtausfälle im Laden. Im Keller gibt ein feiner Spalt zu erkennen, dass das Grundstück größer ist als angenommen, denn ein anderer Raum scheint jenseits der Kellerwand zu liegen. Diesen betritt Clark, der so in den titelgebenden Backrooms landet. Ein unwirklicher und seltsamer Ort, der dem strauchelnden Unternehmer aber auch im wahrsten Sinne eine Fluchtmöglichkeit aus seiner Realität bietet. 

Diese andere Welt fängt der Film auf eine faszinierende Weise ein. Die Backrooms wirken auf den ersten Blick harmlos, durch die seltsame - fast feindliche - Architektur, die zufällige Platzierung von Gegenständen und die vorherrschende Farb- und Geräuschkulisse aber auch unwirklich und befremdlich - als wäre KI für das Innendesign verantwortlich gewesen. Die bizarren Räumlichkeiten schaffen im Zusammenspiel mit dem exzellenten Sounddesign eine durchgehend bedrohlich wirkende Atmosphäre - hinter jeder Wand könnte schließlich etwas lauern. Diese konstante Anspannung steigert sich noch mehr in den Szenen, in denen Parsons - ganz im Sinne seiner YouTube-Filme - Found-Footage-Segmente, die durch die VHS-Optik auch Elemente des analogen Horrors beeinhalten, einfließen lässt. Dabei besinnt sich der Filmemacher auf die Grundtugenden guter Horrorfilme und stellt sich zugleich konsequent gegen die gängigen Klischees zahlreicher moderner Genre-Vertreter. Allein schon dadurch, dass - allein schon wegen dem Setting - auf das Übel unterbelichteter Bilder verzichtet wird.

Der kosmische Horror gelingt "Backrooms" fantastisch. Die psychologische Ebene ist hingegen eine kleine Schwäche des Films, da diese weit weniger subtil daherkommt und auch etwas unausgegoren ist - da ist also noch Raum für Verbesserungen -, insgesamt aber funktioniert - auch dank der beiden Hauptdarsteller. 

 

 Gesehen von Tristan Rembold