
Regisseur: Bi Gan
Land: China
Laufzeit: 160 Min.
Kinostart: 25. Juni
In seinem neuesten Film nimmt der chinesische Autorenfilmer Bi Gan sein Publikum mit auf eine Reise durch die Filmgeschichte. Dafür greift er zum Stilmittel des Episodenfilms, welchen er durch eine übergreifende Rahmenhandlung zusammenhält. Es entsteht das filmische Äquivalent zum musikalischen Konzeptalbum.
Über Träume und Träumende
Die Rahmenhandlung erzählt von einer Welt, in der die Menschen gelernt haben, ewig zu Leben. Dafür mussten sie nur das Träumen aufgeben, da Träume, so die diegetische Logik des Films, Lebenskraft rauben. Allerdings bieten Träume auch eine willkommene Ausflucht aus der bitteren Realität, weshalb manche Menschen nicht aufgeben können und am Träumen festhalten. Diese werden Fantasmer genannt. Eine junge Frau nimmt es sich nun zum Ziel die Illusionen eines solchen Fantasmers zu untersuchen und begibt sich zusammen mit den Zuschauenden auf eine Reise durch die Traumwelt dieses verlorenen Menschen, welche filmisch durch mehrere Kurzfilme repräsentiert wird.
Cineastische Träume
Nicht nur sollen diese Kurzfilme Träume darstellen, sie fühlen sich durch die gekonnten Drehbücher auch genauso an. Die Figuren kommen einem seltsam bekannt vor, sind jedoch viel eher nur verschwommene Silhouetten alter Bekannter. Immer wieder streut der Film zudem narrative Unstimmigkeiten und unkonventionelle Chronologien ein, die bewusst die unkontrollierte Natur menschlicher Träume spiegeln. Im Zusammenspiel dieser und weiterer Stilgriffe entsteht ein träumerischer Sog, in dem sich die Zuschauenden zeitweise verlieren werden. Die Inszenierung des Films verstärkt diesen Eindruck zusätzlich.

Ein Wimmelbild für Cineasten
Denn die Kurzfilme erzählen nicht nur faszinierend emotionale Geschichten, sondern bedienen sich dabei auch unzähligen Vorbildern aus der Filmgeschichte. Es finden sich Referenzen auf den frühen Stummfilm, den (Neo-)Noir, den italienischen Giallo und viele andere Epochen, beziehungsweise Bewegungen der Kinohistorie. Einige davon bleiben bestimmt selbst dem geschultesten Augen bei der ersten Sichtung verborgen; so voll ist dieser Film mit kleinen cineastischen Geheimnissen. Begleitet wird die filmische Collage von talentiert aufspielenden Schauspielern und vor alle von künstlerisch präzisen Bildern. Diese stecken voller Liebe zum Detail; jede einzelne Einstellung ist nicht nur ganz bewusst kadriert, sondern auch detailliert ausgestattet und minutiös choreografiert. Das führt zu Bildern, so gefüllt mit Informationen, dass das Auge des Zuschauers konstant über die Leinwand wandert, um jedes einzelne Detail zu erfassen. Glücklicherweise helfen einem die stets lange gehaltenen Einstellungen dabei, nicht den Überblick zu verlieren.

Eine schwere, aber belohnende Reise
„Ressurection“ ist demnach trotzdem kein einfach zu konsumierender Film. Er fordert Aufmerksamkeit und Geduld, belohnt diese aber auch mit einer einzigartigen cineastischen Erfahrung, die Interessierte in bekannte und dennoch fremde Welten entführt und auch lange nach dem Kinobesuch nicht loslassen wird. Kinoliebhaber und -liebhaberinnen sollten also drigend ein Ticket lösen, wenn der am 25. Juni in die Säle kommt.
Gesehen von Samuel Kindler
