• #metoo Les Moonves

    Straßenkreuzung NYEin weiterer Fall von Machtmissbrauch, diesmal bei CBS, zeigt den unfassbaren Umgang mit Tätern in Führungspositionen

  • Medientage 2019

    Medientage2019 500Zum 33. Mal finden in München unter dem Motto „NEXT DIGITAL LEVEL –  Let´s build the Media we want!” die Medientage im ICM statt.

  • Netflix und Co

    Was in den Staaten schon seit Jahren ein kommerzieller Erfolg ist, lehrt vom 16. September 2014 an auch in Deutschland vor allem die Privatsender das Fürchten. Streaming-Dienste gibt es ja schon etliche Jahre in Deutschland, was macht den neuen Anbieter so anders?

     

    Selbstbestimmtes Fernsehen

    Dass die jungen Zuschauer kaum mehr öffentlich-rechtliches Fernsehen schauen, ist keine neue Erkenntnis. Dies beschäftigt die gebührenfinanzierten Sendeanstalten intensiv und aktuell sehen sie ihre Rettung in fragwürdigen cross-medialen Weiterführungen ihres konventionellen Programms im Internet auf unterschiedlichsten Wegen. Der Begriff des Second Screen, auf dem die jungen Zuschauer Zusatzinformationen zum Programm abrufen können, sowie die Mediatheken von ARD, ZDF, 3Sat und Arte sollen die verloren geglaubten Zuschauer wieder einfangen, bevor die klassischen Sender gänzlich der Bedeutungslosigkeit anheim fallen. Natürlich berührt die neue Konkurrenz auch die Bezahldienste wie Sky, Telekom Entertain, Kabel Deutschland, Maxdome etc. Denn die Bezahlangebote bei Netflix wildern natürlich genau in deren Kundenkreis: Zuschauer, die bereit sind für attraktive Angebote auch zu bezahlen.

     

    Was macht Netflix anders, dass diese öffentlich-rechtlichen Bemühungen eher hilflos als erfolgversprechend wirken? Nun erst einmal ist Netflix ein "Video on demand"-Anbieter, bei dem sich die Zuschauer nicht mehr vorschreiben lassen, wann sie was und wie anschauen. Sie entscheiden selbst, woran sie interessiert sind und auf welchem Bildschirm sie es anschauen.

     

    Andere Kunden interessierten sich auch für...

    Was aber Netflix so besonders macht, ist, dass hier das Zuschauerinteresse massiv analysiert (manch einer sagt auch ausspioniert) wird. Das, was also Google, Amazon & Co seit vielen Jahren tun, um die Kaufabsichten und Interessen ihrer User möglichst gewinnbringend zu lenken, nutzt Netflix, um maßgeschneidert Programme anzubieten und sogar in Auftrag zu geben, die von möglichst vielen Zuschauern gemocht werden und von ihrer Story und dramaturgischen Entwicklung her den Wünschen der Zuschauer möglichst nahe kommen. Nutzerprofile, bei denen man dem individuellen Zuschauer Angebote macht "was ihn auch interessieren könnte", werden mit speziellen Algorithmen ständig optimiert. Die Erfolgsserie "House of Cards" etwa wurde von Netflix hergestellt und erfreute sich großer Beliebtheit. Und Netflix Germany will auch in Deutschland produzieren lassen.

     

    Ein Privatsender darf das, darf sich dem Geschmack einer Mehrheit anpassen, darf den gemeinsamen Nenner suchen. Öffentlich-rechtlichen Sendern aber würde es gut anstehen, diesem Ansatz gerade nicht zu folgen. Denn der Geschmack einer Mehrheit ist nicht zwingend auch gut und nicht zwingend das, was die Gesellschaft braucht, fördert und weiterentwickelt. Übertragen auf die Ernährungsindustrie würde die Mehrheit auch eher für zuckertriefende Limonaden voten als für gesunde, frische Säfte oder gar pures Wasser. Das Auftauchen von Netflix und anderen VOD-Diensten sollte also auch Einfluss auf die öffentlich-rechtlichen Sender haben, ihre eigentlichen Verpflichtungen genauer zu überprüfen. Nur so und nicht durch noch mehr Annäherung an das Niveau der Privatsender lässt sich auf längere Sicht der Einzug von Fernsehgebühren rechtfertigen. Man darf also gespannt sein.

     

  • Programmqualität

    Fernseher Nachts 1000Könnte Fernsehen vielleicht viel mehr, als es täglich bietet? Wo liegen die Gründe für die manchmal dünne Programmqualität?

  • Runterveredelt

    Burger 1000Immer höhere Sensorauflösungen wollen uns Glauben machen, wir bekämen bessere Bilder zu sehen...

  • Steffens verlässt RTL

    Bollerwagen 500Der Fiction-Chef von RTL verlässt den Sender. Fast sechs Jahre lang leitete er die Fiction Abteilung und bemühte sich um einen anderen Stil des Umgangs mit den Kreativen.

  • TV Praktikum & Reality

    Es klingt fast nach Lottogewinn,- ein Praktikum oder gar ein Volontariat bei einer bekannten Fernseh-Soap. Yep!!! Du hast es geschafft! Oder? Der Reality-Check...

  • TV-Kritik

    Immer besser ?

    Thomas Stein, Jurymitglied von Deutschland sucht den Superstar

    Thomas Stein war jahrelang Jurymitglied von Deutschland sucht den Superstar

    Nein, an dieser Stelle soll es nicht darum gehen, welcher Flachbildschirm die bessere Qualität bietet, es soll um die Inhalte gehen und um die Innensicht der TV-Verantwortlichen auf das, was sie so über die Bildschirme schicken.

    Zugegeben, das Fernsehen der Frühzeit war aus technischen und finanziellen Gründen recht einfach gestrickt und es wäre absurd, zu behaupten, das Medium hätte sich bis heute nicht weiterentwickelt.

    Es gibt heute mehr Programme denn je, mehr Programmstunden, mehr Formate und doch scheint es so, als hätten all die Erweiterungen, die neuen Programmstunden, die neuen Kanäle mehr und mehr die Qualität und den Kulturanspruch aus den Augen verloren.

    Wer das schlechte Abschneiden der Schüler im internationalen Vergleich, die zunehmende Schreibschwäche, die Unkonzentriertheit der jungen Menschen beklagt, findet rasch im Fernsehen eine der möglichen Erklärungen wieder.

     

    Gleiches mit Gleichem

    Gab es in der Anfangszeit des Privatfernsehens noch deutliche qualitative Unterschiede bei den öffentlich-rechtlichen Sendern zu erkennen, so verschwinden diese zunehmend. Sicher, es gibt nach wie vor einige Programmplätze, die Qualität zu bieten haben, doch sie werden weniger und die Zahl der oberflächlichen Filme und Magazine, die nichts zu sagen haben, außer dass es sie gibt, nimmt zu.

    ARD und ZDF verspielen, ohne Not (schließlich werden sie durch Gebühren und nicht durch Werbeaufträge mit Quotendruck finanziert) das, womit sie eigentlich ihre Sonderstellung rechtfertigen: Die Qualität, die Themen,- und Meinungsvielfalt, den kulturellen Auftrag. Eine Ahnung dessen, was öffentlich rechtliches Fernsehen leisten könnten und müssten, vermitteln lediglich arte und 3Sat.

    Nur damit wir uns richtig verstehen, - die Privatsender haben in dieser Hinsicht gar nichts zu verspielen, ihre Programme sind weitestgehend Intelligenzfrei. Die Inhalte der Privatsender stehen praktisch ohne nennenswerte Ausnahme unter dem Postulat für möglichst geringe Produktionskosten möglichst viele Zuschauer und damit Werbeeinnahmen zu generieren.

     

    Deutscher Fernsehpreis

    Früherer ZDF-Intendant Markus Schächter, sein Sender übertrug die Preisverleihung 2008

    Früherer ZDF-Intendant Markus Schächter, sein Sender übertrug die Preisverleihung 2008

    Hervorragende Leistungen des jeweils abgelaufenen Jahres sollen in der von ARD, ZDF, RTL und Sat.1 finanzierten Veranstaltung ausgezeichnet werden, so die Theorie. Aus ca. 1200 eingereichten Vorschlägen muss die Jury die Nominierungen und schließlich die Preisträger für 22 Kategorien herausfiltern.

    Die Jury 2008 waren: Dieter Anschlag (Chefredakteur Funkkorrespondenz), Christian Becker (Produzent Rat Pack Film), Heike Richter-Karst (Produzentin AllMedia Pictures), Lutz Carstens (Chefredakteur TV Spielfilm), Barbara Schöneberger (Moderatorin und Schauspielerin) und Klaudia Wick (freie Journalistin und Autorin), Bettina Böttinger (Moderatorin), Prof. Dr. Miriam Meckel (Professorin für Kommunikationsmanagement) und Sophie von Kessel (Schauspielerin).

    Tatsächlich aber zeigte sich, dass es zwar viele Preisträger, aber nur extrem wenig "Herausragendes" bei dieser Veranstaltung zu sehen gab. Im Gegenteil, viel Peinliches, viel Mittelmaß und Belanglosigkeit, die auch durch das Etikett "Event" nicht besser  wurden.

     

    Unerträgliche Seichtigkeit des Scheins

    Ähnlich wie die Auswahl der Jury gestaltete sich auch die glamouröse Preisverleihung: Da waren sie mal wieder zusammengekommen, die Grinsegesichter, die hinter dem kontinuierlichen Qualitätsverfall des deutschen Fernsehens stecken und haben sich für zumeist seichte, alberne bis belanglose Programme selbst gefeiert.

    Haben Formate wie "Deutschland sucht den Superstar" oder "Switch Reloaded" ausgezeichnet, haben mittelmäßige Darsteller gefeiert, haben sich brav bei ihren Brötchengebern bedankt und Appelle an die Zukunft gerichtet, ihre "grandiosen" weichgespülten Mittelmaßformate auch weiterhin zu unterstützen.

    Am liebsten hätte man noch mehr Geschichtsbewältigung für Bildleser mit Frau Ferres in der Hauptrolle nominiert, aber nachdem sie gerührt über sich selbst, ihre Trophäe entgegengenommen hatte, durfte zumindest ein ernst zu nehmender Fernsehfilm, "Contergan" ebenfalls ausgezeichnet werden.

     

    Klare Absage durch Reich-Ranicki

    Ab und an sah sich selbst Moderator Gottschalk gemüßigt, kleine Seitenhiebe zu verteilen, etwa den Moderatoren von 9live Rechenschwäche zu unterstellen oder dem Siegerteam einer Reality-Soap über Jugendliche Ausreißer zu wünschen, dass auch in Zukunft viele Kinder von Zuhause weglaufen, damit die Serie weiter gehen kann. Doch das blieben über weite Strecken die einzigen Zweifel am eigenen Tun der Branche. Bis der Ehrenpreis vergeben werden sollte...

    Das klarste und ehrlichste Statement nämlich kam von Reich-Ranicki, der seinen Ehrenpreis rundweg ablehnte und mit Entsetzen das Niveau nicht nur der während der Verleihung angeteasten Sendungen abstrafte. Ein zorniger, intelligenter alter Mann, der im Gegensatz zu all den anderen Teilnehmern der Veranstaltung nicht mehr um seine berufliche Zukunft, die nächsten Aufträge fürchten muss. Der sich traut, auszusprechen, wie es um das deutsche Fernsehen (bis auf wenige löbliche Ausnahmen) steht. Ein kurzer, glücklicher Moment, der leider folgenlos bleiben wird.  Zu einig sind sich all die Grinsegesichter, dass aus der Beliebigkeit ihrer selbstgekrönten Programme längst kein Weg mehr zurück führt.

    Kaum war der Chefkritiker der Literatur von der Bühne und aus dem Saal verschwunden, ging man nahtlos wieder zur Tagesordnung über.

    Nur ein leichtes Nachgewitter ging danach noch durch die deutsche Presselandschaft. So schloss sich Elke Heidenreich dem Zornesausbruch Ranickis an und resümierte in der FAZ: "Wie jämmerlich die dargebotenen Produkte und Arbeiten in der Mehrzahl waren, wie jämmerlich unser Fernsehen ist, wie arm, wie verblödet, wie kulturlos, wie lächerlich."