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Die Drei Freund*innen Charlotte, Helena und Oskar könnten unterschiedlicher nicht sein. Copyright: Rapid Eye Movies

 

Regie: Brezel Göring
Darsteller: Lilith Stangenberg, Chang Wang, Mücke, Twiggy
Filmlänge: 73 min.
Kinostart: 24.08.2026

 

Für sein erstes Filmprojekt beschloss der bekannte Undergroundmusiker Brezel Göring (Stereo Total) den Roman "lebenslänglich vierzehn" seiner verstorbenen Lebensgefährtin Francoise Cactus zu verfilmen, welchen er selbst 2024 aus Manuskripten der Autorin zusammengesucht und als Teil ein Textsammlung veröffentlicht hatte. 

 

Viel Streit unter Freunden

Für die Geschichte ihres Romans hatte sich Cactus überlegt, wie es wäre im hohen Alter wieder auf ihre Freund*innen zu treffen. Daraus wurde in "Für Immer 16" die Geschichte von drei Freunde Charlotte, Helena und Oskar, welche nach Jahren der Kontaktlosigkeit wieder zusammen in den Urlaub fahren. Vor Ort schaffen sie es zu nichts außer dauerhaften passivagressiven Mikro-Streits, welche durch das Auftreten des charmanten Nachbars Rudolph weiter angefeuert werden. Um die Streitigkeiten zu besänftigen schlägt Charlotte vor einen Underground-Film zu drehen, so wie es die Freundesgruppe früher getan hatte. Dieser Plan geht allerdings nach hinten los...

Daraus ergibt sich jedoch ein dynamisch witziges Drehbuch, welche einen zynisch sarkastischen Spruch auf den anderen folgen lässt und in Sachen Schlagfertigkeit seines Gleichen sucht. Ergänzt wird diese ohnehin schon lustige Grundsituation und -stimmung durch absurd verschrobene Momente; wodurch sich ein Humor ergibt, der durchaus spalten könnte. Zu weiterer Verwirrung wird wohl die handwerkliche Dimension des Films führen.

 

Keine Regel ist sicher

Inszenatorisch ist "Für Immer 16" ein Unikat. Wenn der Regisseur Brezel Göring selbst zugibt, dass er die Regeln, die er breche, selbst gar nicht kenne, beschreibt dies den Stil des Films schon perfekt. Hier stimmt rein gar nichts und genau das macht es so besonders. Aus (so die eigene Aussage des Regisseurs) Faulheit drehte Brezel Göring den Film nicht nur in 8mm, sondern vertonte ihn auch nach. Durch die körnigen Bilder und die meist asynchron eingesprochenen Dialoge bekommt der Film seine ganz eigene Atmosphäre. Er wirkt nostalgisch und unecht, wie eine verschwommene Erinnerung, deren Kern noch parat liegt, deren Details aber langsam verschwinden. Passend dazu ist auch der Soundtrack, welchen der Regisseur ganz intuitiv aus dem Katalog von Stereo Total kompiliert hat. 

So ergibt sich im Gesamten ein simpler, wie provokanter Film. Der Bruch mit den filmischen Konventionen fordert die Sehgewohnheiten heraus und wird dadurch bei vielen Zuschauern anecken. Auf dem Filmfest München hörte man demnach immer wieder von zahlreichen Walkouts während den Vorstellungen. Wer "Für immer 16" sehen will, der muss sich auf Außergewöhnliches einlassen können. 

 

Ein Herzensprojekt

Trotz der kontroversen Form merkt man dem Film von Brezel Göring jedoch in jeder Sekunde an, dass er ein Herzensbprojekt ist. Der vermeintliche Spaß am Set und die Hingabe zum Stoff übertragen sich zu jedem Zeitpunkt auf die Zuschauerschaft. Das sollten Filmbegeisterte nicht verpassen!

 

Gesehen von Samuel Kindler