
Regie: Curry Baker
Verleih: Universal Pictures International Germany
Länge: 108min
Kinostart in Deutschland: 21. Mai 2026
Kamera: Taylor Clemens
Genre: Horror-Thriller / Komödie
Der aufstrebende amerikanische Filmemacher Curry Barker erschuf mit „Obsession – Du sollst mich lieben“ einen spannenden Thriller, der einen sowohl zum Nachdenken anregt als auch immer wieder humorvolle Momente beschert.
Zu Beginn lernt man die Hauptperson Bear (Michael Johnston) kennen. Um seine große Liebe Nikki (Inde Navarrette) für sich zu gewinnen, nutzt er einen „One-Wish-Willow“, mit dem man sich einen Wunsch erfüllen kann. Der Wunsch bringt allerdings weitreichende Konsequenzen mit sich.

Zentrale Themen des Films
Der Film setzt sich mit komplexen gesellschaftlichen Strukturen auseinander. Besonders interessant ist dabei die Entwicklung des Protagonisten. Zu Beginn steht man noch auf Bears Seite und hofft, dass Nikki sich in ihn verliebt. Doch nach und nach verschwinden das Mitgefühl und Wohlwollen ihm gegenüber. Dies liegt weniger an der Handlung selbst, die Nikki teilweise als antagonistische Figur erscheinen lässt, sondern an der Erzählperspektive.
Die Geschichte wird anfangs stark aus Bears Sicht erzählt. Dies verdeutlicht, dass Bear nur auf sich selbst fokussiert ist und er die Wünsche und Perspektiven der anderen ignoriert. Mit der Zeit erweitert sich jedoch der Blickwinkel des Zuschauers, und die „Scheuklappen“ für die Gefühle und Wünsche der anderen Figuren werden Stück für Stück abgelegt.
So zeigt der Film eindrücklich, wie fragil ein männliches Ego sein kann und wie schnell andere Menschen an Bedeutung verlieren, wenn die eigenen Ziele die Bedürfnisse anderer überschatten. Während Bear zunächst sympathisch, vielleicht ein wenig unsicher erscheint, wirkt er zum Schluss hin armselig und egoistisch, als sich offenbart, wie zerstörerisch seine Sehnsucht, geliebt zu werden, ist.
Der Film thematisiert nicht nur die Objektifizierung von Frauen in männlichen Fantasien, weil im Film buchstäblich eine Frau den Wünschen eines Mannes ausgeliefert ist, sondern auch die Dynamik toxischer Beziehungen. Dabei wird gleichzeitig mit den klassischen Geschlechterrollen gespielt. Während grenzüberschreitendes und freiheitseinschränkendes Verhalten oft durch Männer initiiert wird, geschieht das hier durch Nikki.

Visuelle Gruselfaktoren
Einen zentralen Einfluss auf die Wirkung des Films haben die Belichtung und Szenerie. Dunkle Schatten mit einzelnen warm beleuchtenden Highlights sorgten nicht nur für ästhetisch ansprechende Shots, sondern auch für eine dunkle, unheimliche Atmosphäre.
Nicht nur die psychotische Handlung sorgt für Gänsehaut, sondern auch die Inszenierung von Nikki spielt dabei eine große Rolle. In einigen Szenen ist ihr Gesicht nur schemenhaft erkennbar, um ihre bedrohliche Präsenz zu verstärken. Kameraarbeit und Lichtverzerrung werden also gezielt eingesetzt, um die Figur noch unheimlicher zu machen und bestimmten Szenen den Stempel von Horrorfilmen aufzudrücken.
Fazit
Der Film ist insgesamt leicht zugänglich, auch wenn er sich mit gravierenden Themen auseinandersetzt und wichtige Fragen schwer auf die Brust setzt. Diese werden jedoch durch trockenen Humor, der immer wieder für gelungene Kontraste sorgt, aufgelockert.
„Obsession – Du sollst mich lieben“ schafft es, dich immer wieder abzuholen, sei es durch überraschende Plottwists oder durch perfekt eingesetzte, emotionenleitende Musik. Der Film vereint Trauer, Angst, Spannung und Humor und hinterlässt dabei dennoch ein klares und nachhaltiges Gesamtbild.
Gesehen von Sophie Haushofer
