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Ein Quantum Trost 106 Min., Agententhriller, Großbritanien / USA 2008 REGIE: Marc Forster |
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Regie: Marc Forster
Kinostart: 6. November
An "Casino Royale" unmittelbar anschließend geht alles ganz schnell. Es beginnt mit einer Autojagd quer durch die Berge, dann wechselt man auf Boote und irgendwann in Flugzeuge. James Bond ist auf der Flucht und auf der Jagd zugleich. Er ist ein eiskalter Agent und unter der rauen Schale so verletzlich wie in keinem Film zuvor. Er springt über Dächer, sieht zerschrammt und blutig aus und wahrt doch letztendlich immer einen Hauch Eleganz. Die Actionszenen sind schneller, unmittelbarer und härter, die Gegner weniger skurril, die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwommen. Das ist teilweise angenehm, da man die nach wie vor auf das Notwendigste reduzierte Handlung etwas ernster nehmen kann, es ist jedoch nur in jenen Maßen ein Spiegel unserer Zeit, wie es ein James-Bond-Film zu sein vermag. Auch ohne "Casino Royale" zu kennen, wird klar, dass dem Zuschauer ein neuer, anderer James Bond vorgestellt wird. Nach all den Filmen der vergangenen Jahre bringen die Veränderungen viel frischen Wind mit sich, selbst Daniel Craig schlägt sich wacker gegen die Hypothek des dunkelhaarigen James Bond, der immer einen lockeren Spruch bereit hält. Der neue James Bond wirkt ehrlicher und zuverlässiger, echter und eher mit der Erde verwurzelt als seine Vorgänger. Doch gleichzeitig ist vieles, was man mit James Bond verbunden und an dieser Figur auch gemocht hat, verschwunden. James Bond ist gewöhnlicher geworden. Manche Witze sind zum Glück aus den Filmen verschwunden, eine Spur Traurigkeit begleitet nun auch den spärlichen Humor in "Ein Quantum Trost". Doch leider ist auch jene Spur Irrationalismus, Gemütlichkeit und Naivität verloren gegangen, die die alten James-Bond-Filme so unverwechselbar gemacht hat. Vielleicht ist es so: Irgendwo zwischen Sean Connery, den schießenden Kugelschreibern und vielen Wodka-Martinis - geschüttelt, aber nicht gerührt - und dem harten, der Liebe fähigen und an der Zubereitung von alkoholischen Drinks völlig uninteressierten Daniel Craig liegt möglicherweise ein anderer James Bond. Ein James Bond, dem der Schritt in unsere Zeit gelingt und der trotzdem der Tradition der Bond-Filme verpflichtet bleibt.
"Ein Quantum Trost" bietet eine Menge Action, die sehr gut inszeniert ist. Jedoch ist diese zu Anfang des Films besser als am Ende. Das Gewicht des neuen James-Bond-Filmes ist ungleichmäßig verteilt. Einerseits führt man eine verbrecherische Super-Organisation ein, die nicht einmal dem englischen Geheimdienst bekannt ist (und diesen unbemerkt unterwandert), die dann jedoch schließlich viel zu schnell und ohne sonderliche Mühe zerschlagen wird. Mit 106 Minuten ist "Ein Quantum Trost" nicht gerade lang, und am Ende hat man tatsächlich das Gefühl, dass dem Film etwa eine halbe Stunde fehlt, die den letztendlichen Showdown zwischen dem Bösewicht Dominic Greene und dem Haupthelden vorbereitet. Ersterer wirkt leider sehr blass und lieblos in Szene gesetzt, was womöglich ein Ergebnis der Erneuerung der James-Bond-Figur ist, die in der Angst vor jeglicher Übertreibung immer wieder sehr kühl und spartanisch wirkt.
Wie eine Reminiszenz an die alten Filme wirkt dann jene Szene, in der James Bond und seine nach wie vor unerlässliche weibliche Begleitung aus einem Flugzeug stürzen, mit nur einem Fallschirm, der sich darüber hinaus auch erst einige Meter über dem Erdboden öffnet. Natürlich hat der mehrere hundert Meter tiefe Sturz keine nennenswerten Folgen, abgesehen von verstaubten Anzügen und Gesichtern. Hier plötzlich ist er wieder da, der alte James Bond, der in fallende Flugzeuge springt und allen Gesetzen der Schwerkraft elegant widersteht. Eher unfreiwillig hat er also doch überlebt, auch wenn es eine eher lächerliche Szene ist, die wie ein kurzer Gruß aus fast ferner Kino-Zeit wirkt.
Vielleicht wird es eine Weile dauern, ehe der alte, verbannte James Bond zurückkommt. Irgendwo sitzt er nun und kippt einen Wodka Martini (ihr wisst schon, welchen) nach dem anderen die raue Kehle hinunter. Natürlich ist er verzweifelt. Aber er wäre nicht James Bond, wenn er nicht genau wüsste: Eines Tages feiert er seine Rückkehr - dann, wenn Q wieder die Werkstatt unsicher macht, Autos wieder mehr sind als nur Autos und Kugelschreiber und Uhren mehr als Kugelschreiber und Uhren. Dann wird sich auch der alte James Bond verändert haben. Etwas erwachsener wird er dann sein, etwas härter, etwas trauriger, aber natürlich wieder der alte, unverbesserliche Bond, James Bond. Aber bis es soweit sein wird, hat er endlich einmal Zeit, Moneypenny zum Essen einzuladen.
Gesehen von Paul Mittelsdorf
Ein verrückter Tag in New York (New York Minute)
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Ein verrückter Tag in New York 100 min., Komödie, USA 2004 REGIE: Dennie Gordon DARSTELLER: Mary-Kate Olsen, Ashley Olsen, Eugene Levy |
Regie: Dennie Gordon
Kinostart: 05. August 2004
Bücher, eine Zeitschrift, CDs, Videogames, Modepuppen, Kleidung, Parfum, Kosmetikprodukte, Haushaltgegenstände und Lifestyle-Produkte zieren ihre Namen: Mary-Kate und Ashley Olsen.
Die Zwillinge, die in der TV-Serie "Full House" buchstäblich in aller Öffentlichkeit aufwuchsen, stellen jetzt als 17-järhige Produzentinnen (Dualstar Productions) ihren neusten Streich vor: den Kinofilm "Ein verrückter Tag in New York".
Der Film spielt in der ‚großen, strahlenden, bunten Metropole' New York City und führt die Zwillinge Roxy und Jane Ryan von Manhatten über Chinatown nach Harlem durch Straßen, U-Bahn und Abwasserkanäle.
Alles beginnt so: Früh am Morgen kommen Jane, mit zurechtgemachter Frisur, in ordentlichem rosa Outfit, mit ihrem unverzichtbarem Dayplayner, und Roxy, in Metallica-Shirt, mit zerwuseltem Haar und gefälschter Entschuldigung für die Schule, aus ihren Zimmern, werfen sich abwertende Blicke zu und gehen in die Küche. Jane macht Frühstück für den Vater, der als Arzt wie immer keine Zeit hat es zu essen und Roxy faxt ihre Entschuldigung an die Schule.
Zwei Schwestern, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, wären sie nicht Zwillinge. Beide haben einen großen Tag vor sich: Roxy muss nach New York, um Probe-CDs ihrer Band, bei einem Videodreh loszuwerden und Jane muss ein wichtiges Referat halten, das in ihrem Dayplaner aufbewahrt ist, um das Stipendium für die Oxford-Universität zu gewinnen.
Wie der Tag werden wird? Beide stürzen kopfüber ins Chaos. Sie werden aus dem Zug geschmissen. Der Dayplaner geht verloren. Janes Outfit unterliegt mehreren Schmutzattacken. Die Chinesische-Schwarzkopierer-Mafia, allen voran eine chinesische ‚Donna' und ihr nicht-chinesischer Adoptivsohn, der zwanghaft versucht chinesisch zu sein, sind hinter ihnen her, wegen eines Chips, den der Hund einer Senatorin frisst, die im Oxford-Ausschuß sitzt und deren Sohn sich in Roxy verliebt...
Ansonsten spielen noch ein Fahrradkurier, der Jane ins Auge gefasst hat, mehrere ausgeflippte Friseurinnen, Jack Osbourne, der sein Leinwand-Debüt gibt und ‚I love New York' T-shirts eine Rolle. Und zu allem Überfluss ist auch noch der ausgeflippte Lomax (Eugene Levy), ein Beamter der Schulbehörde, der die langjährige Schulschwänzerin Roxy endlich stellen will, hinter ihnen her.
Ach ja, zufälligerweise begegnet ihnen ihr ehemaliger Serienvater aus Full-House mitten in New York.
Plötzlich sind die beiden ungleichen Schwestern jedenfalls aufeinander angewiesen und überwinden natürlich ihre Unterschiede. Schwesterliebe siegt.
Die Story hebt völlig ab und der Weg der beiden führt geradeaus ins Surreale und ins Nicht- Nachvollziehbare. Dabei werden alle Klischees bis zum geht nicht mehr ausgereizt.
Wie alles ausgehen wird ist aber von Anfang an sonnenklar. Beide finden einen zuckersüßen Freund, Jane bekommt ihr Stipendium, Roxy und ihre Band einen Vertrag... und alle leben glücklich bis an ihr Lebensende.
Regisseurin Dennie Gordon bekannt für Mädchen-Filme ("Ally McBeal", "What a Girl wants") schuf mit ihrem neusten Werk erneut einen Mädchen-Film.
"Das Skript enthält alle Elemente, die wir uns für unseren ersten Kinofilm wünschen: Action, Comedy und Herz", so Mary-Kate. Moralpredigten gibt es nicht, jedoch versucht man den jungen Zuschauern jede Menge Werte zu vermitteln. Man wird unterhalten und entflieht für knapp zwei Stunden seinem eigenen Teenager-Problemen.
Die Filmhandlung spielt an nur einem Tag, was große Probleme mit sich bringt: Anschlüsse, Licht... Doch für die kleine Produktion wurden große Geschütze aufgefahren. Kameramann Greg Gardiner verwendete die Digital-Intermediate-Technologie um während der 47 Tage andauernden Drehzeit die Bilder farblich aufeinander abzustimmen und so für kontinuierliches Tageslicht zu sorgen. Abgesehen davon werden die Möglichkeiten der Verwendung von Splitscreens, Zeitraffersequenzen und Helikopterflügen über New York völlig ausgeschöpft.
Am Ende ist es ein perfekter Film für alle pubertierenden, weiblichen Teenager, nicht nur, weil die Mädels 10 Mal die Kostüme wechseln dürfen. Mary-Kate-und-Ashleigh-Fans kommen einmal mehr vollkommen auf ihre Rechnung.
Gesehen von Kathrin Metzner
Eine andere Liga
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Eine andere Liga 99 Min., D 2004 REGIE: Buket Alakus |
Regie: Buket Alakus
Kinostart: 20. Oktober 2005
Der Film "Eine andere Liga" von Buket Alakus involviert gekonnt das Thema "Brustkrebs", wodurch er zu einem anspruchsvollem Teeniefilm wird, der jedoch um ein paar Klischees nicht herumkommt.
Die 20-jährige Fußballnärrin Hayat (Karoline Herfurth) erfährt, dass sie an Brustkrebs erkrankt ist, was ihr Leben von nun an für immer verändern wird. Dennoch möchte sie so schnell wie möglich in ihr altes Leben zurückkehren und beginnt gegen den Willen ihres Vaters mit dem Training. Jedoch kann sie in ihre alte Mannschaft nicht zurückkehren, da diese bereits einen neuen Kapitän eingesetzt hat. Daraufhin schließt sie sich dem zusammengewürfelten Frauenteam FC Schanze an, welches von dem trägen Trainer Toni (Ken Duken) trainiert wird. Schnell ist jedoch durch Hayat die Motivation bei allen geweckt und das Training kann beginnen. Toni versucht Hayats Herz zu erobern und lässt sich auch durch ihre abweisende Haltung nicht abschrecken. Hayat hat vor allem Angst vor Tonis Reaktion auf ihren körperlichen Makel und ist hin- und hergerissen, da sie ebenfalls eine gewisse Zuneigung zu ihm verspürt. Der Kampf um Liebe und Leben beginnt.
Karoline Herfurth ("Mädchen, Mädchen") hat sich mittlerweile zu einer ernsthaften Schauspielerin gemausert. Man nimmt ihr durchaus die zugleich zerbrechliche und starke Rolle ab. Der ganze Film erinnert ein bißchen an "Kick it like Beckham", was jedoch an dem Thema Fußball und der Liebe zum Trainer zu liegen scheint. Ansonsten unterscheidet er sich schon allein durch die Ernsthaftigkeit des Themas „Brustkrebs". Jedoch kommt der Film um die beliebten Teenie-Klischees nicht herum. Da gibt es zum einen das Team FC Schanze, welches aus den typisch gegensätzlichen Charakteren besteht und nicht einmal ansatzweise in der Realität eine Chance hätte, in einem Ligaspiel bestehen zu können. Dann natürlich der Macho Toni mit seinem weichen Kern, der es gerade auf das unscheinbare Küken Hayat abgesehen hat. Und der Vater (Thierry van Werveke), der seine Fürsorge extrem übertreibt und Hayat am liebsten einsperren würde. Die Story ist sehr vorhersehbar und man sollte wissen, dass Fußball bei diesem Film reine Nebensache ist und es vor allem um das Erwachsenwerden geht. „Eine andere Liga" ist ein netter Film für Jugendliche, jedoch keine Pflicht.
gesehen von Sonja Dressel



