Elektromagnetische Störungen
Überall in der zivilisierten Welt lauern auf unser reines, unschuldiges Tonsignal gefährliche Störenfriede. Brummende Motoren, Transformatoren, Handys, WLAN, elektrische Zahnbürsten - kurzum ein ganzes Heer von möglichen Störungen. Diese sind vor allem für die Übertragung von analogen Tonsignalen extrem nachteilig. So mancher mag denken, dass doch heute alles digital übertragen wird, doch das ist ein Irrtum. Signale etwa von Mikrofonen werden bei Veranstaltungen, Konzerten und natürlich auch an Filmsets so gut wie immer, wenn sie per Kabel transportiert werden, analog übertragen. Und weil Drähte bzw. Kabeladern, wie sie in Audiokabeln Verwendung finden, stets auch als Antennen fungieren, sammeln sie natürlich auf ihrem Weg z.B. vom Mikrofon zum Mischpult, alles ein, was so an Störungen an dem jeweiligen Ort vorhanden ist. Und die hätte man dann auch zusammen mit dem gewünschten Tonsignal zusammen am Ende des Kabels auf dem Audioeingang des Mischpults oder Soundrecorders.
Die professionelle Tontechnik schützt sich davor so gut es geht mit der so genannten symmetrischen Leitungsführung bzw. Signalverarbeitung. Was das aber genau ist, wissen viele nicht. Grund genug, das Prinzip zu erläutern.
Symmetrische Leitungsführung

Signal
S ist ein Tonsignal, eine Sinuskurve, welches von einem Studiogerät (Mikrofon, Tonbandgerät etc.) auf den Weg zu einem anderen Studiogerät geschickt werden soll.
Übertrager 1
Schlau, wie unser Studiogerät ist, schickt es das Tonsignal bestehend aus einem Draht und der Masse (in der Abb. Grün und Schwarz) am Ausgang durch einen Übertrager. Dieser verdoppelt es und kehrt die Phase (+/-) um. Das heißt, dasselbe Signal wird durch einen Draht positiv und durch einen zweiten Draht negativ geschickt.
Störung
Nun lauert unterwegs auf unser Kabel ein hinterhältiges Störsignal. Das Störsignal macht, was Störsignale nun mal so machen: Es versaut die Aufnahme. In einem Kabel in der positiven Kurve und gleichzeitig im anderen Kabel in der negativen Kurve.
Übertrager 2
Wenn nun unser Kabel mit den unterwegs eingefangenen Störungen in unser zweites Studiogerät (Mischpult, Nagra etc.) hineingeht, so muss das Signal auf den beiden Adern wieder durch einen Übertrager hindurch. Das Störsignal ist auf beiden Drähten identisch, also nicht phasenverdreht, wie unser Nutzsignal, der Sinus-Ton. Im Übertrager (heute kommen dafür auch so genannte Differenzverstärker zum Einsatz) subtrahiert man die beiden Signale und dabei heben sich die Störsignale auf.
Teurer, aber...
Klingt wie Zauberei, ist aber Physik und es gibt das Verfahren bereits seit etwa 40 Jahren! Der Aufwand, Geräte mit symmetrischen Ein- und Ausgängen zu versehen, lohnt sich also - ganz besonders, wenn man es nicht mit kontrollierten Tonstudio-Bedingungen, sondern irgendwelchen Drehorten draußen in der Wildnis unserer Großstädte zu tun hat, denn damit verlieren sogar die meisten Haushaltsgeräte ihren Schrecken.

