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Obwohl das Drehen von Filmen eine zumeist höchst kreative Angelegenheit ist, sind verschiedene Zusammenhänge an Filmsets höchst rational, oftmals sogar viel zu rational. Die Begriffe verraten noch die Herkunft und tatsächlich erinnert Manches an Filmsets noch an das Militär. Stab,- der Deutsche Begriff für die Beteiligten eines Filmteams, ist da sehr klar,- es sind fast miltärische Strukturen, welche so ein Filmteam trotz des eigentlich kreativen Arbeitens häufig ausmachen. Zugegeben, ganz so hart wie es klingt, ist es dann doch nicht, aber die Rangfolge in so einem Team ist durchaus ein Faktor, der in der Herstellung eines Films spürbar wird.

 

Top Down

Ganz oben sind stets die Geldgeber oder Verwalter des Geldes angesiedelt, also Redakteure, Produzenten, Finanziers. Und so kann es sein, dass die Produzenten von Auftragsproduktionen beispielsweise, sehr bemüht sind, die Redakteure, die ihnen eben genau die Aufträge geben, bei Laune zu halten. Bei Nachwuchs,- oder freien Projekten kann es sein, dass die Redakteure sich weitgehend aus kreativen Prozessen heraushalten, bei ureigenen Fernsehformaten aber, gehen die Kontrollwünsche schon extrem weit. Da werden Kommunikationswege so gestaltet, dass die RedakteurInnen stets mit eingebunden werden, jegliche Änderungen müssen von diesen genehmigt werden und regelmäßig finden Produktionstreffen statt, bei denen vorgetragen werden muss, wie der Stand der Vorbereitungen fortgeschritten ist.

Unterhalb von Redaktion und Produktion ist irgendwo die Regie und unterhalb der Regie sind dann alle Heads of Department und auch die SchauspielerInnen in der Filmhierarchie angesiedelt. Den Heads of Deparment wiederum unterstehen die jeweiligen Unterbereiche, also

 

dem Szenenbild beispielsweise unterstehen Innen,- und Außenrequisite, Baubühne sowie sämtliche zugehörigen AssistentInnen und PraktikantInnen

dem Kostümbild die Gardrobieren und ggf. Schneider sowie sämtliche zugehörigen AssistentInnen und PraktikantInnen

der Kameraabteilung unterstehen die Kameraassitenten, die Materialassistenten, DIT, Data-Wrangler, die Kamerabühne, Oberbeleuchter und Beleuchter sowie sämtliche zugehörigen AssistentInnen und PraktikantInnen 

der Produktionsleitung unterstehen Aufnahmeleitung, Produktionsfahrer, sowie sämtliche zugehörigen AssistentInnen und PraktikantInnen 

 

Machtspiele

Es wird schon allein schwierig, weil alle Departments sich voneinander getrennt betrachten. Statt dass man mit der Idee, als gemeinsames Team ein Projekt zu verwirklichen, heran geht, trennen sich die verschiedenen Aufgabenbereiche erstaunlich strikt.

So ist es für jedes Department,- also Maske, Ausstattung, Kostümbild, Requisite etc. scheinbar immens wichtig, wie viele Personen im jeweils eigenen Bereich mitarbeiten. Einerseits, weil damit der eigene Status aufgewertet wird und natürlich auch, weil sich die Arbeit auf mehrere Schultern verteilen lässt. Das bläht einerseits die Teams auf und erhöht natürlich rasch die Kosten. Auch das Budget, welches für die jeweiligen Bereiche bereitgestellt wird ist häufig Grund für Streit.

Wenn irgend etwas beschafft werden muss, wird gerne diskutiert, welches Department das aus seinem Budget bezahlen muss. Wird etwa ein Requisit für einen Stunt benötigt, dann kämpft die Ausstattung darum, dass das vom Stunt-Budget bezahlt werden möge.

 

Hinweise

Obwohl man ein Team ist, so darf nicht einfach jedes Department Kritik am anderen üben. Dazwischen steht die fachliche Trennung. Während also in anderen Bereichen der Wirtschaft die Hierarchien flacher werden und Kritik von allen Beteiligten durchaus erwünscht ist, würde beim Film die Maskenbildnerin niemals wagen, irgend etwas zur Kamera zu sagen. Umgekehrt sagt das Kameradepartment durchaus etwas über das Maskenbild, wenn es nicht stimmt.

 

Kompetenzzonen

Man möchte es kaum glauben, aber bei vielen Produktionen kommt es zu Auseinandersetzungen, weil viele "Heads of" keinesfalls Tätigkeiten übernehmen wollen, die sie nicht unbedingt machen müsen. Da werden Aufgaben gerne jeweils anderen Departments rübergeschoben. Ist der Entwurf eines Logos für ein T-Shirt nun Ausstattung,- weil dort die Designer sitzen, oder ist es Kostüm, weil das Logo ja auf Stoff gedruckt wird?

Und wer produziert eigentlich die Fotos von den Hauptfiguren vor, die an den Wänden der gemeinsamen Wohnung hängen? Die Requisitenabteilung? Die Kameraabteilung?

Das Leben beim Film könnte so einfach sein, wenn nicht so viele Teammitglieder Schutzmechanismen um sich herum aufbauen würden, Arbeitsaufträge von sich zu weisen. Nicht selten erledigt das "schwächere" Department dann Aufgaben eines anderen Departments.

 

Tabuzone Doppelfunktion

Der Traum, den viele RegisseurInnen haben, mit sehr kleinen Teams und dafür länger und intensiver zu drehen, scheitert zumeist daran, dass Niemand bereit ist, Doppelfunktionen zu übernehmen. Das Maskenbild ist nicht bereit, Schauspielern auch in die Kostüme zu helfen usw. An Filmsets gäbe es eine Menge Möglichkeiten, mehrere Arbeitsbereiche zusammenzulegen. Das würde einerseits Leerlaufphasen einzelner Departments minimieren, würde aber andererseits diverse Filmschaffende um einen bezahlten Job bringen. Das ist vermutlich der Hauptgrund, warum sich die Idee vom kleinen Kernteam nur selten verwirklichen lässt und weshalb die einzelnen Departments sich so massiv weigern, benachbarte Aufgaben mit zu übernehmen. Das Überleben in der Filmbranche ist nicht einfach, da will man nicht auch noch Jobs wegrationalisieren. Dass ein Regisseur wie Andreas Dresen am Set auch durchaus neben der Regie die Tonangel führt, ist da die absolute Ausnahme.

 

Hierarchien spielen also an den meisten Filmsets, obwohl man per Du ist und in der Regel alle sich auch mögen, eine gewisse Rolle, obwohl darüber selten gesprochen wird. Kommt es allerdings zu Konflikten, dann wird die Rangordnung innerhalb des Stabes meist deutlich spürbar.

 

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