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Gebauter mittelalterlicher Marktplatz. Szenenbild aus 'Mittelalter in der Stadt', Regie: Mathias Allary, Ausstattung: Matthias Kammermeier, Requisite: Barbara Becker

 

Die Kunst des Szenenbildes

Set-Design – auch Ausstattung oder Filmarchitektur oder Szenenbild genannt – ist eine hohe Kunst. Sie erfordert höchste gestalterische Qualitäten und tiefes Basiswissen um Geschichte, Kunst und Architektur. Zudem ist handwerkliches Geschick eine wichtige Qualität. Schon in der Stummfilmzeit waren es Filmarchitekten wie Robert Herlth, welche die großen Klassiker des Films wie "Der müde Tod", "Metropolis", "Das Kabinett des Dr. Caligari" entscheidend visuell geprägt haben. Was wären die frühen James Bond-Filme ohne das Set-Design eines Ken Adam gewesen?

Obschon es viele gibt, die sich mit einer dieser Berufsbezeichnungen schmücken, gibt es gar nicht so viele, die wirklich herausragende Fähigkeiten besitzen. Es ist ähnlich wie mit anderen künstlerischen Berufen: Sie sind nicht geschützt, jeder kann sich Ausstatter nennen und die tatsächliche Qualität der Arbeit fällt auf diese Weise sehr unterschiedlich aus. Diejenigen aber, die ihr Handwerk beherrschen, tragen entscheidend zum Gelingen eines Filmes bei.

Sie bewegen sich sicher in der Kulturgeschichte, Architektur, Farblehre und Stilkunde. Sie beherrschen unter anderem die Kunst, Dinge künstlich altern zu lassen, um Räume und ihr Interieur realistisch bewohnt aussehen zu lassen, ihnen die nötige Patina zu verleihen. Sie sind in der Lage, dem Budget angemessen, den gewünschten Look eines Filmes mitzugestalten und zu unterstützen.

 

Vorher Ausstattung

Vorher

Ausgangssituation eines Drehorts vor der gestalterischen Arbeit des Szenenbilds.

Nachher Ausstattung

Nachher

Der Szenenbildner erweckt einen Raum filmisch zum Leben und schafft Atmosphäre, Glaubwürdigkeit und visuelle Dramaturgie.

 

Es gibt wahre Künstler und Zauberer, die es schaffen, aus Drehorten und deren gezielter Veränderung Stimmung und Glaubwürdigkeit entstehen zu lassen. Sie wissen, wie und wo man passende Materialien, Requisiten und Möbel findet – oft auch mit begrenztem Budget. Doch diese Fähigkeit ist selten.

 

Café der einsamen Herzen

Café der einsamen Herzen

Szenenbild im Stil der 1960er Jahre aus dem Film „Liebe, Leben, Tod“.

Schlafzimmer Pauls

Schlafzimmer Pauls

Die bemalten Wände der afrikanischen Vormieter wurden bewusst in das Szenenbild integriert.

 

Beginnen wir mit einem scheinbar einfachen Bereich, der ganz gleich ob On Location oder im Filmstudio eine entscheidende Rolle spielt,- nämlich bei der Farbe der Wände. Die trägt nämlich massiv zur Bildwirkung bei und hilft ganz nebenbei dem Kamera-Department bei der Gestaltung wirkungsvoller Bilder.

 

Waendeblau 2000

Statt weißer Wände verwendet man im Film gerne gedeckte, dunklere Farben als Hintergrund.

 

Wände werden dunkler gestrichen

Immer wieder wird die Bedeutung der Hintergründe in der Set-Dekoration oder am Originalschauplatz unterschätzt. Besonders bei uns in Deutschland hält die Raumgestaltung so manche Fallen bereit, die auf das spätere Ergebnis im Bild größten Einfluss haben. Weiße Rauhfaser-Wände etwa machen es extrem schwer, atmosphärische Abendstimmungen herzustellen.

Oder denken Sie nur an die Unsitte, mit Holz-Panelen ganze Wände und Zimmerdecken auszukleiden. Ihr Auge ist vielleicht noch bereit, über diese Dinge hinwegzusehen, aber auf dem Bildschirm oder schlimmer noch auf der Leinwand, wird den davor agierenden Personen regelrecht Gewalt angetan. Man kann das nur in gewissen Grenzen bekämpfen (Kamera), indem man versucht, diesen Holz-Hintergrund im Schatten versinken zu lassen und die Personen mit sehr viel Licht davon herauszumodellieren. Aber besser wäre es, diese Motive gänzlich zu meiden.

Weitere Gefahren können sein (vor allem bei Video): Jalousien, Bücherwände und Rollos. Das kann ganz schnell Unruhe verbreiten und wie ein Testbild aussehen.

 

Studio

Oft sind Originalmotive zu klein, um atmosphärisch dichte Bilder herzustellen. Folge: Kurze Brennweiten müssen verwendet werden, um räumlich den gewünschten Ausschnitt zu erhalten. Die Kamera steht meistens in der Tür oder im Fenster. Im Studio ist es einfacher. Da gibt es „Sprungwände“ (Wände des künstlich aufgebauten Raumes, die sich einfach fortstellen lassen, und der Kamera einen genügend großen Abstand erlauben.)

 

Thema: Filmgestaltung Dieser Beitrag gehört zum Themenbereich Filmgestaltung. Mehr zur Filmgestaltung
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