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Untersicht einer Mini-DV-Kassette
Mini-DV-Kassette und normale DV-Kassette

 

Digital Video

DV steht für "digitales Video" und läutete die Revolution der Videoaufnahmen ein. Jene unscheinbaren Kassetten, kaum größer als eine Streichholzschachtel, haben einmal, was Video angeht, den Amateur-, Semi-, ja sogar den Profibereich revolutioniert. Die professionellen Derivate heißen DVC-Pro und DV-CAM.

DV heißt das System und war vor dem Siegeszug von HD für die ersten und auch späteren Schritte, bevor man auf Film dreht, ein ideales Medium.

Auch im professionellen (TV-) Bereich wurde es mehr und mehr verwendet. Sogar auf 16 mm und 35 mm konnte man es umkopieren und ggf. ins Kino bringen (Faz) Filme wie "Das Weiße Rauschen" oder "Erleuchtung garantiert" fanden so trotz Standard Definition ihren Weg in deutsche Kinosäle.

So kompakte Kameras, die fast schon professionelle Qualität abliefern können, hat es zuvor noch nie gegeben. Vor allem aber bietet die digitale Aufzeichnung den Vorteil, dass im Idealfall keinerlei Qualitätsverluste durch Schnitt und Bearbeitung mehr auftreten, wie es bei den alten analogen Formaten wie Video 8, Hi 8, VHS oder S-VHS, aber auch bei den professionellen analogen Verfahren wie Beta SP oder beim M-Format der Fall ist.

 

DV Kassetten sichern und archivieren

Auch wenn man es nicht wahrhaben möchte, auch die digitalen Kassetten sind rapider Alterung unterworfen. Wer wichtige Aufnahmen im DV Format in die Zukunft hinein retten möchte, sollte sich beeilen. Einerseits, weil die Magnetisierung der winzigen Bänder immer mehr nachlässt und andererseits weil die alten Recorder auch immer seltener in funktionstüchtigem Zustand sind. Die Andruckrollen, die Mechanik und einmal mehr die minderwertigen Kondensatoren vieler Geräte haben dazu geführt, dass viele dieser Geräte verschrottet wurden.

Wer nun mit einem DV-Recorder alte Kassetten in einem Computer in haltbarere Datenfiles wandeln möchte, könnte da, je nach Gerät, bereits auf Probleme stoßen. So kann es vorkommen, dass Bildstörungen und / oder Tonaussetzer die wertvollen Aufnahmen bereits unbrauchbar machen. Hier sollte man nicht sofort aufgeben. Da die Bandmaße und Videokopf-Spaltmaße sehr klein sind und bereits geringe Toleranzen hier von Bedeutung sind, könnte die Lösung darin bestehen, mit einem identischen oder ähnlichen Gerät abzuspielen, wie das ursprüngliche Aufnahmegerät. Zumindest sollte es eines des gleichen Herstellers sein.

Also Mini-DV Aufnahmen, die beispielsweise mit einem Canon Camcorder (XM 1, XM 2) aufgenommen wurden, sollte man versuchen, auch mit genau so einem Camcorder auch wieder abzuspielen. Besonders wichtig ist das, wenn die Kassetten im Long-Play Modus aufgenommen wurden. Der war nämlich nicht genormt und bei jedem Hersteller anders gelöst.

Zum Übertragen benötigt es noch eine passende Software,- von Final Cut über iMovie bis zu Premiere beherrschen praktisch alle Schnittprogramme diese Importfunktion.

 

Anschlüsse

Wichtige Voraussetzung für verlustfreies Kopieren ist das Firewire-Kabel. Nur bei diesem Übertragungsweg vermeidet man unnötige Analog-Digital Wandlung. Wer von einem analogen Ausgang wie Scart oder Cinch in eine Videokarte (Grabber) geht und damit das Videosignal digitalisiert, verschenkt jede Menge Qualität. Es ist also Pflicht, dass der Player / Camcorder über einen Firewire Ausgang und der Computer über einen entsprechenden Eingang verfügt. Die Beschriftungen sind nicht einheitlicht, sie lauten "i.LINK", "Firewire", "DV Out" oder "1394", meinen aber das Gleiche.

An den Camcordern sind meistens kleine Firewire-Stecker (4-Pin) verbaut, während die Computer eher größere Firewire Eingänge besitzen mit 6 ode 9 Pol Steckern. Man benötigt also auch ein passendes Kabel, was auf der einen Steite einen kleinen und auf der anderen Seite einen großen Firewire Stecker besitzt. Unterschiede gibt es auch in der Firewire-Norm, der Klassiker ist Firewire 400, die schnellere Variante heißt Firewire 800. Die allermeisten Camcorder besitzen nur die 400 er Variante.

Natürlich gibt es auch Wandler für unterschiedliche digitale Steckernormen und falls der Computer keinen solchen Eingang besitzt, kann man ihn auch preiswert mit einer Firewire-Schnittstellenkarte (PCI-Express) nachrüsten.

 

Geräte

Einfache DV Kameras gab es bereits ab ca 300,- EURO. Für erste Schritte in dem Medium waren sie bereits bedingt geeignet, für individuelle Gestaltung aber haben sie zu viele Automatiken, die sich nicht abschalten lassen.

Besser und Voraussetzung für eine hohe Güte war, dass es sich um eine so genannte 3-Chip Kamera handelte, das bedeutet, dass für jeden Farbauszug (siehe Fernsehen) jeweils ein eigener CCD-Chip (das digitale „Filmmaterial“) zur Verfügung steht. Diese Kameras kosteten etwa 1000 bis 2000 Euro. Langsam wurden Sie von HDV- Kameras, also hochauflösenden, auf DV-Kassetten aufzeichnenden Kameras abgelöst. Hier beginnen die Preise bei 1200 Euro und gehen bis 10.000 Euro im Semiprofessionellen Bereich. Inzwischen arbeitet man weitgehend File-basiert, das Aufzeichnen auf Band stirbt immer mehr aus.

 

Medien und Formate

Mini-DV-Adapter
Mini-DV-Adapter um kleine Kassetten in einem großen DVCAM oder DVC-PRO Rekorder abzuspielen

 

In der Regel arbeiten diese Kameras mit Mini-DV-Kassetten, die eine Aufzeichnungsdauer von 60 Minuten erlauben. Die „normalen“, größeren DV-Kassetten passen in diese Kameras nicht hinein, sie sind für Profi DVC PRO- oder DVCAM- Kameras und für einige Heimvideorekorder im DV-Format geeignet und haben eine längere Spieldauer.

Es soll an dieser Stelle nicht verschwiegen werden, dass es auch auf Basis des analogen Video 8 Systems mit gleicher Kassettenmechanik auch das Digital 8 Verfahren gab. Dieses war technisch dem DV ebenbürtig, aber nur wenig verbreitet.

2004 kamen dann übrigens erste HDV Camcorder (Sonys FX1) auf den Markt, welche High Definition und 16:9 in den kleinen Kassetten möglich machten.

 

Semiprofessionell

Die relativ hohe Qualität von DV und später HDV hatte den Herstellern ziemliches Kopfzerbrechen bereitet: Wie sollten Sie den deutlichen preislichen Unterschied zu den teuren Profikameras in Formaten wie DIGI-BETA, BETA SP, DVC PRO, DVCAM rechtfertigen? Nun, die Rezepturen waren die gleichen wie schon zu Zeiten von Super 8. Man baue möglichst viele Automatiken in die Kamera ein und gewähre dem Anwender möglichst keine oder nur umständliche manuelle Eingriffe in Belichtung, Filterung, Tonaussteuerung etc.

Darüber hinaus gehörten bessere Zugriffsmöglichkeiten auf den Timecode, mehr Tonspuren und mehr Schutz vor Drop-Outs durch größeren Spurabstand zu den Features der Profikameras.

In die gleiche Richtung ging auch das Thema Anschlüsse. Man sperrte etwa die Eingänge in die Kameras (auch um 10% Zoll auf „Videorecorder“ zu sparen), oder man verwendete grundsätzlich keine professionellen Steckernormen, und eine weitere wichtige Differenzierung ist geschaffen.

Theoretisch wäre es von den Herstellungskosten kaum ein Unterschied gewesen, diese manuellen Korrekturmöglichkeiten und Anschlussmöglichkeiten einzubauen. Aber wie gesagt, man brauchte Argumente, warum die Profis so deutlich viel mehr bezahlen sollten und konnte für den breiten Markt trotzdem leistungsfähige Geräte bereitstellen.

Doch wenn man einige Basics berücksichtigte, konnte man mit den semiprofessionellen DV-Kameras trotz dieser Unterschiede hervorragende Ergebnisse erzielen. Dazu gehörten Entscheidungen, ob man im progressive Mode aufzeichnet, ob man interlaced oder non-interlaced einstellte etc. Auch war es, wenn man Szenen ausleuchtete, wichtig, den Kontrastumfang an die Kennlinie der DV-Kamera anzugleichen. In der Regel lag dieser bei 3:1 (Verhältnis von Führungslicht zu Grundlicht).

 

Die Anfänge

Wer sich einen Eindruck von den Anfängen der Videotechnik verschaffen möchte, sollte unsere Video-Geschichte lesen. Sie werden überrascht sein, wie viele Konzepte aus den Kindertagen der Videoaufnahme auch heute noch Anwendung finden.

Die Entwicklung der auch heute üblichen Schrägspurverfahren wird im Teil 2 der Videogeschichte erläutert.