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Hollywood 4000

 

MGM war einst ein bedeutendes Studio, wer kennt ihn nicht den brüllenden Löwen im Vorspann der "Metro-Goldwyn-Mayer" Filme? Doch das ist lange her. Ob die Überreste des Studios die 8 Milliarden wert sind, die Amazon dafür zahlt? Der Kauf hat in der Branche große Aufmerksamkeit erregt, schließlich war MGM ein klingender Name und der Konkurrenzkampf zwischen Netflix und Amazon Prime unübersehbar. Doch die großen Zeiten des Studios liegen weit zurück und 2010 musste es sogar Insolvenz anmelden. Natürlich hat MGM eine Reihe von Filmklassikern im 4000 Titel großen Paket der Filmrechte, doch wird mit Filmklassikern tatsächlich auf Streaming Portalen viel Geld generiert? Wohl eher nicht. Legal Blonde, Rocky, The Addams Family, Candyman, Creed, Real Housewives, The Handmaid's Tale und Fargo sind die bekanntesten. Viele einstmals zumindest ikonische Filmtitel wie der "Zauberer von Oz" hatte MGM bereits in der Vergangenheit verkauft.

 

Zugpferd Bond?

Der eigentliche Kern, der MGM in den letzten Jahren noch Profite bescherte, war einzig die 007 James Bond Reihe. Und das Corona- bedingte Verschieben des Kinostarts des letzten Bonds wird MGM vermutlich in finanzielle Schwierigkeiten gebracht haben. Die Bond Filmreihe ist sicherlich für einen Streaming-Dienst eine interessante Bereicherung, aber natürlich kein Game-Changer im konkurrierenden Streaming-Markt und niemals 8 Milliarden wert. Natürlich haben auch die Rechte an den verschiedenen Marken, den Titeln einen gewissen Wert, etwa wenn man Remakes oder Spinoffs produzieren möchte, was für die Amazon-Studios neue Möglichkeiten eröffnen könnte.

Die großen Streaming Konkurrenten können schnelles Wachstum nur generieren, wenn sie bestehende Studios aufkaufen. Nur dann können sie tausende Filmtitel in ihr Angebot hinzufügen. Allerdings sind die eigentlichen Perlen unter den Studios bereits in den letzten Jahren aufgekauft worden, wie beispielsweise Lucasfilm (Star-Wars), Pixar (Findet Nemo) oder Marvel (Spider-Man). MGM ist da vergleichsweise unbedeutend und wie viele Analysten vermuten, deutlich überwebertet. So ist der Amazon Deal wohl vor allem für MGM ein hervorragendes Geschäft. Für einen Konzern wie Amazon ist dieses überteuerte Geschäft sicher kein Problem. Dass Amazon durch diesen Kauf aber Netflix weit hinter sich lassen könnte, wie einige Fachartikel mutmaßen, ist mehr als zweifelhaft.

Foto: Lucy Allary