Gute Filme sind von ihren Emotionen her meist genau so gemischt wie das
wirkliche Leben. Keine Frage also, dass die Filmfiguren mehr oder weniger
häufig lachen.
Das Lachen geschieht im Alltagsleben meist unbewusst, erfolgt beinahe
instinktiv und wird damit als besonders direkte Ausdrucksform einer Person
und ihres Charakters gewertet.
Dabei ist Lachen viel weniger ein Ausdruck eigener Emotion als ein klares
soziales Zeichen. Deshalb findet Lachen auch eher zu Mehreren statt, während
etwa das Lächeln etwas über unsere Emotionen verrät und sogar gänzlich
ohne Gesellschaft stattfindet. Grund genug, genauer hinzuschauen, wie die
Eigenheiten unserer Filmfiguren über ihre Art zu Lachen vermittelt werden
können.
Sprachübergreifendes Ausdrucksmittel
In
Liebesszenen ist es besonders die Art, wie die Darsteller sich anlächeln,
die dem Publikum überzeugend (oder auch nicht) signalisiert, dass die Beiden
sich wirklich mögen.
Doch nicht nur die lineare Übereinstimmung von Innenwelt der Filmfigur
und der äußeren Anmutung, sondern auch deren kontrapunktischer Einsatz hat
große Kraft: Wie schmerzhaft kann ein Lächeln wirken, liegt es im Gesicht
einer Filmfigur, deren Innerstes von größter Trauer erfüllt ist. Wie
perfide kann das menschenverachtende Lächeln eines Mörders sein, bevor er
sein Opfer kaltblütig tötet. Oft genug liegen Weinen und Lachen sehr eng
beieinander. Die
Bandbreite ist schier unerschöpflich.
Besonders auffallend ist, dass das ganze Gesicht lacht; Augen, Stirn, Mund
und Kinnpartie sind intensiv beteiligt und erlauben unendlich viele Nuancen.
Merkwürdigerweise spürt man instinktiv, wenn die Dosierung für die
gewünschte Situation nicht stimmt. Etwas zu viel oder zu wenig, die falsche
Färbung beim Lächeln oder Lachen kann einer Filmfigur ihre
Überzeugungskraft rauben.
Jeder Mensch
ist individuell, hat seine ganz eigene Art zu lachen, dennoch gibt es einige
grundsätzliche Verhaltenmuster, die einem bei der Inszenierung bzw.
Darstellung helfen können. Die Wissenschaft, die sich grundlegend mit dem
Phänomen des Lachens auseinandersetzt, ist die Gelotologie
(von griechisch „Gelos“, das Lachen).
So wie viele Menschen nicht auf Kommando lachen können, ist es nicht
verwunderlich, dass diese Aufgabe auch Berufsschauspielern nicht immer leicht
fällt. Gemeinsam mit anderen ist es einfacher, Lachen ist bekanntlich
ansteckend. Das Lachen in Gesellschaft kann zudem die Intensität und
Lautstärke des Lachens verstärken.
Variationsbreite
Eine erste Ahnung von den unterschiedlichen Arten zu Lachen vermittelt uns
die Sprache, die Worte die wir dafür kennen sind vielfältig: Lächeln,
giggeln, kichern, gackern, grinsen, lachen, jauchzen, jubeln, grölen,
quieken, kreischen, lachen, losprusten, brüllen, schmunzeln, feixen, wiehern
usw.
Schauspiel ist eine ganzheitliche, viele Ausrucksebenen berührende
Arbeit. Die im Folgenden erwähnten Beispiele können stets nur in ihrem
Rollenkontext und im Zusammenwirken mit anderen Ausdrucksebenen der
Schauspieler zur gewünschten Wirkung führen.
Lachen – die Optik
Labilität, Arglosigkeit und eine gewisse Schlichtheit des Weltbildes:
Lautes Loslachen bei geringsten Anlässen
Unbeständig im Verhalten, Schadenfreude, Neid, jovialer Umgang:
Lachen mit weit aufgerissenem Mund, der ganze Körper scheint mitzulachen.
Fanatismus, Herzlosigkeit, Neigung zu Wut und Hass: Lachen mit einem
spöttischem Zug um den Mund
Bedachtsamkeit, Spürsinn, Geduld und Entschlossenheit: Lachen- selten
und vorsichtig, aber natürlich.
Wankelmütig, Neigung zu Verleumdung, Heimtücke und Hass: Lachen-
meckernd, unangenehm.
Zugeknöpftheit, Unentschlossenheit, Scheinheilig: Lächeln mit schiefem
Mund.
Verschlossenheit, fehlende Kommunikation: Lächeln mit geschlossenem
Mund, keine Zähne zeigen.
Klangfarben
Die Töne, die ein Mensch von sich gibt, während er lacht, geben
zusätzliche Informationen. Was die Lautstärke angeht, so nimmt diese in der
Regel gleichmäßig mit jedem Ton ab, ein „Decrescendo“ also.
Die
Grundfrequenz des Lachens liegt bei Frauen um die 500 Hz, bei Männern
bei etwa 280 Hz. Interessanterweise vermischen die Menschen so gut wie
nie die unterschiedlichen Laute des Lachens. Niemand lacht „Hohahoha...“
Auch trennen die Menschen meistens das Sprechen und das Lachen. Ein Redner
wird selten zwischen den einzelnen Worten, wohl aber zwischen den Sätzen
laut loslachen. Will man also einen besonders überwältigten Redner in Szene
setzen, sollte dieser vielleicht gerade mitten in den Sätzen losprusten.
Lachen – die Stimme
Offenheit sich zu freuen, häufig als begeistertes Publikum:
"Haha"... offenes Lachen.
Nörgelnd, höhnisch, arrogant, oft näselnd: "Hehe"
Naiv kindlichlich, oder der Versuch, kindlich zu erscheinen, manchmal
auch Spott: "Hihi"
Lachen über etwas Unglaubliches, Zweifel an dem, was man da gerade
erfahren oder gesehen hat: "Hoho"
Fabelhaftes Lachen, hemmungslos und besonders berührt: "Huhu"
Wer in das Thema noch ein wenig „hineinhören“ möchte findet
eindeutiges Anhörungsmaterial bei der
Süddeutschen Zeitung.